So viele Jahre liebe ich Dich

Original: Il y a longtemps que je t´aime | I´ve Loved You So Long
Regie: Philippe Claudel
Darsteller: Kristin Scott Thomas, Elsa Zylberstein
Laufzeit: 115min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Drama (Frankreich)
Filmstart: 13. November 2008
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
In der Ankunftshalle des Flughafens von Nancy wartet eine verloren wirkende Frau. Nach 15 Jahren Haft ist Juliette soeben entlassen worden und blickt ihrem neuen Lebensabschnitt und den ersten Schritten in der wiedergewonnenen Freiheit entgegen. Juliette, die weder Job noch Wohnung hat, zieht zunächst bei ihrer jüngeren Schwester Léa ein, zu der sie während der Haft keinen Kontakt hatte. Nach Juliettes Verurteilung hatte ihre Familie jegliche Verbindung zu ihr abgebrochen und Léa wurde wie ein Einzelkind erzogen. Nach einer unbeholfenen Begrüßung und einer vorsichtigen ersten Annäherung fahren die beiden entfremdeten Schwestern zu Léas Haus, wo diese mit ihrem Mann Luc und zwei vietnamesischen Adoptivtöchtern lebt. Das großzügige, gemütliche Haus strahlt Bildungsbürgertum und familiäre Harmonie aus, eine ungewohnte Atmosphäre für Juliette, die erst wieder lernen muss, Kontakt zu ihrer Umwelt aufzunehmen. Bei ihrem Rundgang trifft Juliette auf einen weiteren Bewohner, der aus einem anderen Grund in sich zurückgezogen lebt: Léas Schwiegervater, der nach einem Schlaganfall nicht mehr spricht. Beim Abendessen zeigen sich sowohl die fröhliche Unbekümmertheit der älteren Tochter, die sich sofort offen für die neue Tante interessiert, als auch Lucs misstrauische Distanz und Léas Funktion als Herz der Familie, die alles zusammenhalten will. Juliettes erste Schritte in ihr neues Leben werden vor allem in Alltagssituationen gezeigt, dem Vorsprechen bei der Polizei, dem Treffen mit der Bewährungshelferin und ihren Vorstellungsgesprächen für eine neue Arbeit. Ihr Ansprechpartner bei der Polizei, Capitaine Fauré, ist ein sehnsuchtsvoller Melancholiker, der von seiner Familie getrennt lebt und von einer Reise zum Orinoco träumt. Bei ihren Vorstellungs- gesprächen bewirkt Juliettes Vergangenheit im besten Fall Skepsis. Die einzigen Erwachsenen, denen es gelingt, Juliette näher zu kommen, sind Léa, mit der sie Cafés und das Schwimmbad besucht, sowie Léas Kollege Michel, der Juliettes Verschlossenheit mit großer Sensibilität begegnet. Ein Job als medizinische Sekretärin im Krankenhaus gibt Juliette neue Stabilität – nur nebenbei erfährt man, dass sie vor der Haft als Ärztin arbeitete. Der Mittelpunkt von Juliettes neuem Leben ist Léa: Gemeinsam bauen die beiden so lange getrennten Schwestern eine neue emotionale Bindung auf und nähern sich einander Stück für Stück, um wieder neues Vertrauen aufzubauen. In den Gesprächen mit Léa erfährt Juliette Hintergründe über den Bruch mit ihren Eltern, die ihre Tochter nach der Verurteilung komplett aus ihrem Leben strichen und auch Léas Erinnerung an sie auszulöschen versuchten. Léa beweist ihr mit Tagebucheinträgen, dass sie ihre Schwester jeden Tag vermisste. Durch Léa und Luc lernt Juliette deren großen Freundeskreis kennen, neben Michel vor allem das irakische Ehepaar Samir und Kaisha. Gemeinsam treffen sie sich mit Freunden auf dem Land. Das Idyll wird jedoch beim Abendessen plötzlich gestört: Durch bohrende Fragen entlockt ein Freund Juliette den Grund für ihre lange Abwesenheit. Nach kurzem Zögern gibt Léa eine ehrliche Antwort, was die versammelte Gesellschaft mit ungläubigem Lachen quittiert. Nur Michel, der lange im Strafvollzug unterrichtete, erkennt die Wahrheit und wird endgültig zu Juliettes Vertrautem. Zurück in Nancy findet Juliette im Verhältnis zu Léas Töchtern Halt und auch Luc überwindet schließlich seine Vorbehalte. Juliette besteht die Probezeit in der Arbeit und findet eine eigene Wohnung. Doch die letzte Klippe zur heilsamen Konfrontation mit der Vergangenheit ist noch nicht überwunden: Bei der Hausarbeit findet Léa einen Brief von Juliettes verstorbenem Sohn. Auf der Rückseite des Blattes entdeckt Léa Laborergebnisse. Alarmiert übergibt sie Samir, einem Arzt, eine Kopie zur Analyse. Was folgt, zwingt alle Beteiligten zum Umdenken und einer neuen Bewertung der Vergangenheit.

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