Original: Outsourced
Regie: John Jeffcoat
Darsteller: Rudolf Rodrigues, Larry Pine
Laufzeit: 101min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Drama, Komödie (USA)
Filmstart: 10. April 2008
Bewertung: 4,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
Todd Anderson (JOSH HAMILTON) leitet ein Call-Center in Seattle, das amerikanischen Kitsch - wie übergroße Hüte in Form eines Käses - an US-Kunden verkauft. Gleich zu Beginn des Films erfährt er von seinem Chef Dave (MATT SMITH), dass seine gesamte Abteilung aus Spargründen in das Billiglohnland Indien ausgelagert, sprich, outgesourced werden soll. Warum teure Arbeitskräfte bezahlen, wenn auch die Inder - zwar mit Akzent, aber dennoch Englisch sprechen? Vor die Entscheidung gestellt, entweder arbeitslos zu sein und seine Firmenaktien zu verlieren oder seinen dortigen Nachfolger samt neuer Belegschaft auf amerikanisches Call-Center-Niveau einzuarbeiten, entscheidet sich Todd für Indien. In Mumbai angekommen, lernt er am Bahnhof seine erste Lektion über Indien: „Sie müssen springen“, ruft ihm eine fröhliche Stimme im Vorbeilaufen am Bahnsteig zu. Es bleibt ihm nichts anderes übrig. Also springt Todd auf den fahrenden überfüllten Zug und fährt in die rund 60 Kilometer entfernte Kleinstadt Gharapuri.
„Sind Sie Mister Tod?“ begrüßt ihn am Bahnhof von Gharapuri sein strahlender Nachfolger Puro (ASIF BASRA). Der kann noch gar nicht glauben, dass er ab jetzt als Verkaufsleiter eines amerikanischen Call-Centers ein Gehalt von 11.000 Dollar pro Jahr verdienen wird und nun endlich seine große Liebe Baghyashree heiraten kann. Todd, müde von der Reise und erschlagen von der Hitze, will eigentlich nur noch seine Ruhe und in sein Hotelzimmer gefahren werden. Außerdem macht sich schon das Eisgetränk Gola in seinem Magen bemerkbar, das er bei einem Straßenhändler zur Erfrischung gekauft hatte. Puro dagegen besteht darauf Todd in einem Zimmer bei seiner Tante Aunti Ji (SUDHA SHIVPURI) unterzubringen. Dort sei es „gewiss nicht so einsam wie im Hotelzimmer“. Todd nimmt die indische Gastfreundschaft an und bezieht seine neue Bleibe.
Beim Essen lernt er, dass in Indien nicht mit der linken Hand gegessen wird. Wenig später, als das Gola ihn zur Toilette rennen lässt, versteht er auch, warum. Da er ziemlich erledigt ist, ist Todd froh, wenn er in Ruhe gelassen wird und im kleinen schattigen Innenhof des Hauses entspannen kann. Die meterhohe Mauer um den Innenhof herum nimmt er gar nicht wahr und ihn interessiert auch nicht, was dahinter sein könnte. Heimlich stellt er die nächste Zeit das ungeliebte Essenstablett von Aunti Ji oben auf die Mauer, welches dann von unsichtbarer Hand ‚von drüben’ geleert wird. Seine Aufgabe in Indien ist klar: Er muss die durchschnittliche MPA (Minute pro Auftrag) der telefonischen Auftragsabwicklung des Call-Centers von den aktuellen 15 auf 6,0 Minuten senken. Das ist der Plan. Und dann kann er endlich wieder zurück nach Hause.
Puro holt ihn am Abend wieder ab – die Arbeitszeiten für das Call-Center-Team sind aufgrund der Zeitverschiebung von 18:00 bis 6:00 Uhr. „Wegen der Verlagerung nach Indien sind alle Gebäude in Mumbai voll, deshalb mussten wir bauen“, erklärt ihm Puro, als er Todd zum Call-Center fährt. Dieses ist zwar ausgestattet mit der neuesten Technik und damit „betriebsbereit“, sieht von außen aber wie ein halb fertiger Rohbau aus, der mitten in der Landschaft steht. Todd ist genervt, die Zahlen sind noch weit von den Zielen der Firma entfernt. „Das hier ist ein Saftladen. Wenn wir nicht auf eine MPA von 6,0 kommen, häng ich für ewig in Indien fest“. Die nächsten Tage ist er intensiv damit beschäftigt, seine indischen Nachfolger auf „Amerikaner“ zu trimmen, damit die heimischen Kunden den Wechsel nicht bemerken. Diese beschweren sich nämlich hauptsächlich über die Aussprache und die Wortwahl der Verkaufsagenten.
Die durchschnittliche MPA sinkt nur langsam. Seine Verdauung hat sich genau so wenig wie Todd an die indischen Gepflogenheiten gewöhnt. Er isst nichts, ist verzweifelt und sehnt sich einfach nur nach Hause. Quasi mit der Nase wird er dann auf seine Rettung im doppelten Sinne gestoßen: Beim Zusammenprall mit einem Mofa-Fahrer stürzt Todd auf die Straße und landet mit dem Gesicht auf der Werbeanzeige einer Zeitung. Mec Donnels steht da ganz groß drauf und Todd würde einem Taxifahrer alles bezahlen, damit dieser ihn nach Mumbai zu einem Cheeseburger fährt. Die Rettung in Mumbai ist allerdings nicht der ersehnte Cheeseburger – Todd weiß immer noch nichts vom Status der Kuh in Indien – sondern vielmehr die Begegnung mit seinem US-Landsmann Bob (LARRY PINE), der wie er als Vertriebsleiter nach Indien abgesandt worden war.
Die Worte beschäftigen Todd. Irgendwie fühlt er sich irritiert und gleichzeitig völlig leer nach dem ernüchternden Ausflug nach Mumbai. Zurück in Gharapuri und nach einer Siesta in seinem Zimmer, macht er sich wie immer auf den Weg zur Arbeit. Puro will ihn noch abfangen, aber leider zu spät: Ein Farbpulverbeutel zerplatzt in Todds Gesicht. Es ist der Tag des Holi – das Fest der Farben. Ein indischer Nationalfeiertag, wie Puro ihm erklärt, an dem Ausnahmezustand herrscht. Jeder bewirft jeden mit Farbpulverbeuteln, die gesamte Stadt ist in ein Farbenmeer getaucht und alle haben Spaß. Ohne Nachzudenken kann Todd endlich die angestaute Anspannung abschütteln. Er greift nach Farbpulverbomben und macht sich übermütig mit Puro auf die Jagd nach Opfern. „Guter Wurf!“ Er vergisst völlig seine Sorgen, lässt sich einfach von dem Fest mitreißen und erzählt Puro anschließend bei einem gemütlichen Bier vom amerikanischen Halloween. Viel zu spät kommen beide ins Call-Center zur Arbeit. Dort hat Asha, eine auffallend hübsche und ambitionierte Mitarbeiterin, in der Zwischenzeit die Leitung des Call-Centers übernommen. Todd erklärt sie kurzerhand zur Assistant Managerin von Puro, da in seinen Augen Asha „einfach alles kann“. Todd nimmt endlich Kontakt zu seiner Umwelt auf. Er traut sich sogar in Aunti Jis Innenhof etwas die Mauer hochzusteigen und einen Blick darüber zu werfen. Auf dem geleerten Essenstablett lag nämlich eine Blume für ihn…
Die MPA ist immer noch nicht auf 6,0 Minuten pro Auftragsabwicklung gesunken. Die Zahl scheint eher zu stagnieren. Wie wachgerüttelt begreift Todd: Er muss sich an die indischen Mitarbeiter anpassen, wenn er das Maximum aus ihnen herausholen will. Er hört ihnen zum ersten Mal zu und erlaubt allen sich ihren Arbeitsplatz genau so einzurichten, wie sie sich wohl fühlen. Zu seinem absoluten Erstaunen erfährt er, dass den Indern die kitschigen Produkte sogar gefallen, die sie am Telefon verkaufen. Er hat eine Idee: Das ist die beste Maßnahme den Verkauf anzukurbeln und die MPA zu senken! „Derjenige mit der besten MPA am Tag darf sich etwas aus dem Sortiment aussuchen.“ Sein Incentive Programm zieht. Die MPA sinkt auf unter sieben.
Versehentlich wurde die Lieferung mit dem amerikanischen Krimskrams auf eine Insel mit demselben Namen Gharapuri geschickt, die etwa drei Stunden Autofahrt entfernt liegt. Asha bietet sich an mit ihm dorthin zu fahren, um sie abzuholen. Die Fahrt erweist sich statt als Business-Trip vielmehr als eine Entdeckungsreise für Todd. Asha öffnet ihm die Augen für Indien und Todd fühlt sich sichtlich wohl mit den neuen Erfahrungen - und mit Asha. Er lernt über das dritte „sehende“ Auge, das sich viele Inder als Punkt auf die Stirn kleben, über die Göttin Kari, die zuerst Bestehendes zerstört, um danach Neues entstehen zu lassen, darüber, wie Inder Mangos essen, aber vor allem lernt er seine Gefühle zu Asha kennen. Als hätte Kari sie erhört, geht der Motor der Fähre kaputt, die beiden hängen übernacht auf der Insel fest, ihre Liebesgeschichte beginnt, die leider nicht frei von Hindernissen ist….
Die MPA steht bei 6,0! Es ist geschafft! Todd ist entspannt, er genießt Indien, seinen Erfolg mit dem Team, seine Freundschaft zu Puro und seine heimliche Liebe. Er könnte sich jetzt sogar vorstellen für immer zu bleiben - wäre Asha nur frei. Im Innenhof von Aunti Jis Haus hört er ein Pfeifen von ‚drüben’. Er klettert über die Mauer und folgt dem ihn anlachenden Inder, der ihn mit einer Handbewegung einlädt. Es geht durch Gassen, vorbei an immer einfacher werdenden Behausungen bis zum ärmlichsten Viertel der Stadt. Todd vertraut dem Mann, folgt ihm neugierig und nimmt am Boden vor dessen Hütte Platz im Kreise der Familie. Ohne Worte und trotzdem verbunden, braten sie gemeinsam Pancakes. Ganz einfach auf Indisch: Strom von der Oberleitung anzapfen, Mixer anwerfen, Teig rühren und in einer alten VW-Radkappe braten. Todd ist in Indien angekommen – und Indien bei ihm.
Danach geht alles ganz schnell. Todd erhält einen Anruf: Dave, sein Chef, steht zum Abholen bereit am Bahnhof in Gharapuri. Er möchte sich selbst einen Überblick über die MPA von 6,0 verschaffen, er traut dem Erfolg nicht. Außerdem verkündet er die sofortige Auflösung der Abteilung nach China, denn „China ist das neue Indien. 20 Arbeitskräfte zum Preis von einer.“ Todd soll weiterziehen und in Shanghai die Call-Center-Verkaufsagenten einarbeiten. Er weigert sich. Auch die finanziellen Bestechungsversuche seines Chefs locken ihn nicht. Er bleibt stark und hat eine Lösung parat: Puro soll nach China gehen und dort als Verkaufsleiter arbeiten, so kann er auch seine Bhagyashree heiraten. Puro: „Todd, Sie haben mein Leben gerettet“. „Nein – Sie meins!“, so Todd zurück. Um das Team muss er sich keine Sorgen machen. „Wir haben sie so gut trainiert, die bekommen überall einen neuen Job: bei Microsoft, Dell oder …“, beschwichtigt ihn Puro.
Todd fliegt zurück nach Seattle und ruft noch am Flughafen als erstes seine Eltern an, die er sonst nur drei Mal im Jahr besucht. „Witzig, ich denke hier oft an meine Eltern“, hat er Puro noch vor kurzem gestanden. Er wirkt verändert, ruhig, ausgeglichen, selbstsicher. Zurück in seiner Wohnung, klebt er lächelnd einen Punkt, ein „drittes Auge“ auf das Bild von George Washington, als sein Handy klingelt. Todds Gesicht beginnt zu leuchten - es ist Ashas Klingelton….