Original: Jodaeiye Nader az Simin | A Separation
Regie: Asghar Farhadi
Darsteller: Peyman Moaadi, Leila Hatami
Laufzeit: 123min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Iran)
Filmstart: 14. Juli 2011
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Nader und Simin sitzen vor dem Scheidungsrichter. Im Grunde lieben sie sich, doch es sind die Umstände, die sie auseinander treiben: Simin will das Land verlassen, um ihrer 11jährigen Tochter Termeh eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Ihr Mann Nader sieht keine Möglichkeit mitzukommen, da er seinen an Alzheimer erkrankten Vater nicht zurücklassen will. „Kinder, die in diesem Land leben, haben also keine Zukunft“, hakt der Richter nach.
„Als Mutter wäre es mir lieber, wenn sie nicht unter diesen Umständen aufwachsen würde“ erwidert Simin. 18 Monate lang hat sie sich um die nötigen Papiere bemüht, in 40 Tagen läuft das Visum ab, die Zeit drängt. Doch da Nader weder drogenabhängig, noch gewalttätig ist, und sie auch nicht vernachlässigt, weigert sich der Richter, die Scheidung auszusprechen. Wieder zuhause packt Simin ihren Koffer, um zurück zu ihren Eltern zu ziehen. Besorgt schaut ihr Tochter Termeh zu, die sich entschieden hat, zunächst beim Vater zu bleiben.
Ohne seine Frau ist Nader gezwungen, eine Pflegerin einzustellen, die den hilflosen Vater tagsüber versorgt, während er arbeitet. Eine Bekannte von Simin vermittelt für die Pflege ihre Schwägerin Razieh, eine streng gläubige Muslimin aus armen Verhältnissen, die, um ihre Familie finanziell zu unterstützen, ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns arbeitet. Sie hat zwar Bedenken, bei einem alleinstehenden Mann zu arbeiten, muss aber ihre Familie finanziell unterstützen. Als Simin sich verabschiedet, hält Naders Vater stumm ihre Hand fest, als könne er damit verhindern, dass seine kleine Welt aus den Fugen gerät. Unten im Auto rollen Tränen über Simins Wangen.
Am nächsten Morgen kommt Razieh mit ihrer Tochter Somayeh in die Wohnung. Sie beginnt mit der Hausarbeit, als die kleine Somayeh sie darauf aufmerksam macht, dass sich der alte Mann eingenässt hat. Als ihre Versuche, den Alten zum Ausziehen und Waschen zu bewegen, scheitern, steht sie vor dem ersten, größeren Problem. Sie holt sich telefonischen Rat bei ihrem Imam, ob es auch unter diesen besonderen Umständen eine Sünde wäre, wenn sie den Alten säubern und umziehen würde. Unter dem Vorwand, die Arbeit sei zu anstrengend, will Razieh am Abend kündigen, nur zögerlich meldet sie ihre moralischen Bedenken an. Bisher habe der Vater immer Bescheid gesagt, wenn er zur Toilette musste, sagt Nader.
Angesichts seiner Notlage bietet Razieh an, am nächsten Tag noch einmal zu kommen, und schlägt ansonsten ihren Mann für die Arbeit vor, der seine Stelle als Schuster verloren hat - vorausgesetzt allerdings, dass er nichts von ihrer heimlichen Tätigkeit erfährt. Das ist die erste von vielen kleinen Notlügen und Ausflüchten, die alle Beziehungen in eine unaufhaltsame Spirale der Eskalation zieht.
Am nächsten Morgen kommt Raziehs Mann Hodjat zu Nader in die Bank, um die Modalitäten der Arbeit zu besprechen, er sagt für den folgenden Tag zu und verspricht, den alten Mann wie seinen eigenen Vater zu behandeln. Unterdessen lässt Razieh in der Wohnung die Jalousien herunter, damit niemand sie in der kompromittierenden Situation allein mit einem Mann in der Wohnung beobachten kann, und macht sich an die Arbeit. Plötzlich bemerkt sie, dass der Alte aus der Wohnung verschwunden ist. Panisch macht sich Razieh auf die Suche, und erspäht ihn draußen auf der anderen Straßenseite vor dem Zeitungskiosk. Nur mit Mühe erreicht sie den orientierungslosen Mann durch den starken Verkehr. Später am Abend und bei der Fahrt im Bus wirkt Razieh angespannt, als hätte sie Schmerzen, doch sie schweigt über ihren angeschlagenen Zustand und seine Ursache. Am folgenden Morgen erscheint sie erneut zur Arbeit, da ihr Mann seine Verpflichtung nicht wahrnehmen kann, nachdem er von seinen Gläubigern und einem Polizisten abgeführt wurde.
Als Nader am Nachmittag mit seiner Tochter überraschend nach Hause zurückkehrt, findet er seinen Vater bewusstlos auf dem Boden liegend, mit einer Hand ans Bett gebunden, von Razieh und ihrer Tochter keine Spur. Als Razieh etwas später mit ihrer kleinen Tochter zur Tür hereinkommt, reagiert Nader auf ihre vagen Rechtfertigungsversuche ungehalten. Sie sagt nur, dass sich etwas ergeben habe, dass sie gehen musste, dass sie keine Wahl gehabt habe. Dann beschuldigt Nader sie auch noch, Geld entwendet zu haben, was Razieh schwer entrüstet. Im Laufe einer hitzigen Auseinandersetzung wirft er sie mit einem unsanften Schubs aus der Wohnung. Inzwischen kümmert sich Nader um seinen zunehmend verstörter und hilfloser wirkenden Vater, der sich im Bad eingeschlossen hat. Als Nader seinen im Rollstuhl sitzenden Vater später im Bad schrubbt und abbraust, bricht er, von der zunehmend eskalierenden Situation überfordert, in Tränen aus.
Als Nader seine Tochter am nächsten Tag bei ihren Großeltern absetzt, lässt Simin ihm ausrichten, dass sie unbedingt mit ihm sprechen möchte. Sie will mehr wissen über seinen Streit mit Razieh, von dem ihre Schwägerin erzählt hat. „10 Minuten später, und Vater wäre tot gewesen“, sagt Nader. „Warum ist sie im Krankenhaus, wenn Du sie nur geschubst hast“, erwidert sie. Beunruhigt machen sie sich auf den Weg ins Hospital, wo sie erfahren, dassRazieh eine Fehlgeburt erlitten hat. Im Warteraum treffen sie auf den überraschten Hodjat. Als der die Zusammenhänge zu verstehen beginnt, geht er wütend auf Nader los, und kann von Zuschauern und Krankenpflegern nur mühsam zurückgehalten werden. Beim Versuch zu schlichten, handelt sich Simin ein blaues Auge und eine blutende Nase ein.
Am nächsten Tag begegnen sich alle Parteien auf der Polizeiwache, über die hektisch belebten Flure werfen sie sich besorgte, schuldbewusste und wütende Blicke zu. „Viereinhalb Monate, männlich“ konstatiert der Polizeibeamte über das verlorene Baby. Die Streitigkeiten spitzen sich auf die Frage zu, ob Nader wusste, dass Razieh schwanger war, als er sie aus der Haustür schubste. Sollte das der Fall sein, dann drohen ihm ein bis drei Jahre Gefängnis wegen Mordes. Umgekehrt macht Nader geltend, dass sein Vater wegen Raziehs Verhalten in Lebensgefahr gewesen sei, dass er blaue Flecke davongetragen habe und seitdem völlig verstummt ist. Hodjat wiederum bringt immer wieder ins Spiel, dass das Leben eines armen Schluckers weniger zähle, als das einer bürgerlichen Familie, verzweifelt kämpft er um seine Rechte, spricht wilde Drohungen aus, und wird von dem vernehmenden Polizisten zunehmend ungeduldiger zur Raison gerufen. Zwischen den streitenden Parteien sitzen die beiden Mädchen Termeh und Somayeh. Der Tag endet damit, dass Nader wegen Mordes angeklagt ist, und, nach Festsetzung einer hohen Kaution, in Haft genommen wird, obwohl er zuhause seinen hilflosen Vater und seine minderjährige Tochter versorgen müsste.
Stetig erhöht sich der Druck auf beide Familien: Nader ist von einer Mordanklage und anschließender Gefängnisstrafe bedroht. Der arbeitsund mittellose Hodjat hat seine Gläubiger im Nacken, und die Wut auf die Verhältnisse im Bauch. Razieh muss sich gegen die Vorwürfe ihres Mannes verteidigen, obwohl sie nur mit den Rechnungen helfen wollte, und hadert darüber hinaus als gottesfürchtige Muslimin mit Zweifeln an der Rechtmäßigkeit ihrer Anschuldigungen und der Furcht vor der Strafe Gottes. Simin muss das gemeinsame Haus verkaufen, um die Kaution für Nader bezahlen zu können; angesichts von Hodjats Drohungen fürchtet sie auch um die Sicherheit ihrer Tochter Termeh, von der sie sich gleichzeitig vorwerfen lassen muss, dass der Vater nur im Gefängnis sei,weil sie, Simin, die Familie verlassen habe.
Die kleine Somayeh weiß, dass ihre Mutter schon einen Tag zuvor Komplikationen mit ihrer Schwangerschaft hatte, und darum einen Arzt aufgesucht hatte. Termeh ahnt, dass ihr Vater nicht hundertprozentig ehrlich ist, und hakt mit unbequemen Fragen nach, die er zögernd, aber sehr offen beantwortet. Vor allem für die Kinder ist es schwierig, zwischen Recht und Unrecht zu trennen, während sie gleichzeitig nichts so sehr fürchten wie das Auseinanderbrechen ihrer Familien. Aus dem engmaschig geknüpften Netz aus Ängsten und Zweifeln, Anschuldigungen und Schuldgefühlen, Abhängigkeiten und Zwängen entsteht das komplexe Bild der iranischen Gesellschaft mit all ihren Widersprüchen zwischen Tradition und Moderne.
Schließlich verhandelt Simin mit der Familie von Razieh eine Blutgeldzahlung. „Wenn ich bezahle, bedeutet es, dass ich meine Schuld eingestehe“, sagt Nader, dem es vor allem darum geht, dass seine Tochter und seine Frau sein Handeln verstehen. Bei der fest zugesagten Übergabe der Schecks, in Anwesenheit von allen Familienmitgliedern und Hodjats Gläubigern, verlangt Nader von Razieh, dass sie auf den Koran schwört, dass der Vorfall im Treppenhaus tatsächlich die Ursache ihrer Fehlgeburt ist. Es kommt zum Eklat zwischen Razieh und ihrem Mann.
Das nächste Mal stehen sich Nader und Simin erneut in den langen Fluren des Gerichtsgebäudes gegenüber. Schweigend warten sie auf eine schwere Entscheidung: Ihre Tochter Termeh muss dem Richter mitteilen, bei welchem Elternteil sie bleiben möchte…