Original: Youth without Youth
Regie: Francis Ford Coppola
Darsteller: Dragos Bucur, Tim Roth
Laufzeit: 124min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Thriller, Drama, Romanze (Deutschland, Frankreich, Italien)
Filmstart: 10. Juli 2008
Bewertung: 7,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
Rumänien, 1938: Am Ostersonntag steigt Dominic Matei (TIM ROTH) in seiner Heimatstadt Piatra Neamt in den Zug nach Bukarest. Bei seiner Ankunft gerät er in einen heftigen Regenguss. Sein Plan: Er will sich fern von seiner Heimat das Leben nehmen, indem er eine tödliche Menge Strychnin schluckt, das er in einem blauen Umschlag unter seinem Arm versteckt hat. Aber das Schicksal kommt ihm zuvor. Als er seinen Regenschirm aufspannt, wird er vom Blitz getroffen und über den Bürgersteig geschleudert.
Er wird ins Ortskrankenhaus gebracht und überlebt nicht nur, sondern erscheint nach kurzer Zeit um Jahrzehnte jünger, als es seinen tatsächlichen 70 Jahren entsprechen würde. Die elektrische Aufladung hat einen regenerativen Prozess in Gang gesetzt – oder so ähnlich. Das glaubt sein behandelnder Arzt, Professor Stanciulescu (BRUNO GANZ).
Im Laufe seiner Genesung wird Dominic von Erinnerungen an Laura (ALEXANDRA MARIA LARA) heimgesucht, seiner unersetzlichen Jugendliebe. Sie hatte seinerzeit ihre Verlobung gelöst, weil sie fand, dass Dominic sie aus seinem Leben ausschloss. Später starb sie im Kindbett. Dominic blieb unverheiratet und widmete sein Leben dem Studium des Ursprungs der Sprache. Er glaubt, dass die Sprache das menschliche Bewusstsein bestimmt und eine bedeutende Rolle bei der Entstehung unseres Zeitgefühls spielt. Seine Theorien und Grübeleien sind Teil seines Opus Magnum, das er unbedingt vor seinem Tod abschließen möchte.
Als er erfährt, dass seine Jugend zurückkehrt – sogar neue Zähne wachsen ihm – reagiert er ungläubig, aber begeistert. Kann er jetzt das Leben nochmals erneut anpacken – mit mehr Zeit für das Schreiben und Forschen?
Vielleicht – doch es lauert Gefahr. Rumänische Extremisten sind von den Nazis, deren Spione und Agenten überall sind, begeistert. Fragwürdige Parteien zeigen jetzt Interesse an Dominic, der aufgrund der veröffentlichten Artikel von Professor Stanciulescu ein berühmter Sonderling ist. Er fühlt sich unsicher und wünscht, er hätte jemanden, mit dem er reden kann. Plötzlich hat er eine Erscheinung, die exakt aussieht wie er und ihm ein Angebot macht: „Sag dem Professor, was er wissen will, bitte ihn dann um eine falsche Identität.“ Dominic gehorcht seinem „Doppelgänger“ und verlässt das Krankenhaus bald darauf in einem 1938er Citroën.
Die Klinik: Professor Stanciulescu erwartet Dominics Ankunft mit Notizbüchern und einem Tonbandgerät. „Schreib’ oder nimm alles auf, was du denkst, siehst oder liest“, lautet die Anweisung des Professors. Bald spricht Dominic Lateinisch, Chinesisch und Armenisch auf das Tonbandgerät und schreibt Anmerkungen in sein Tagebuch. Seine Erinnerung drängt zurück ins Leben – genau wie seine Libido. Davon zumindest kann man ausgehen, wenn die Notizen in seinem Tagebuch etwas zu bedeuten haben.
Beunruhigt von dem, was er liest, warnt der Professor seinen Patienten, sich vor der „Frau aus Zimmer 6“ (ALEXANDRA PIRICI) in Acht zu nehmen, da sie sich dem Geheimdienst verpflichtet hätte. Dominic beharrt darauf, dass sie wohl kaum das Produkt der erotischen Träume wäre, die er neuerdings habe. Dennoch ist er bei ihrer nächsten Begegnung geschockt, als er auf ihrem Strumpfband ein eingesticktes Hakenkreuz entdeckt, und alarmiert, als bei einem weiteren Schäferstündchen eine Kopie von „Mein Kampf“ zum Vorschein kommt. In diesem Moment taucht der „Doppelgänger“ erneut auf, um den Wahrheitsgehalt seiner Existenz zu beweisen. Und um Dominic einen Ratschlag zu geben, den er in einen Zaubertrick mit Rosen verpackt ... Zwei Rosen werden ihm überreicht, aber nicht die Dritte ...
Ein paar Wochen später kehrt der Professor mit merkwürdigen Neuigkeiten zurück. Die „Frau aus Zimmer 6“ gab der Gestapo Aufnahmen ihrer nächtlichen Konversationen mit Dominic und verschwand anschließend. Der Professor fürchtet, Dominic könnte gekidnappt und an Dr. Josef Rudolf (ANDRE M. HENNICKE) übergeben werden, einen deutschen Nazi-Wissenschaftler, der die Auswirkungen von Hochspannungs-Elektrizität auf Tiere untersucht. Ein Assistent unterbricht ihre Unterhaltung und erklärt, dass Offiziere des Dritten Reichs bereits im Haus seien, Aktenordner stehlen würden und Dominic in Gewahrsam nehmen wollen. Der eiserne Professor verweigert die Herausgabe von Dominic mit der Aussage, sein Patient sei nicht transportfähig. „Wir kommen wieder“, warnen die Offiziere, „mit einem deutschen Arzt.“
In größter Eile bereitet der Professor gefälschte Papiere für Dominic vor und schickt ihn in die neutrale Schweiz. Es ist das letzte Mal, dass Dominic seinen geliebten Wohltäter sehen wird. Jetzt ist er wirklich ganz allein – allein mit seinem „Doppelgänger“.
Genf – Bern – Genf, 1941–1955: Während der Kriegsjahre bleibt Dominic sein eigener Berater. Seine Lernfähigkeit verbessert sich und versetzt ihn in die Lage, die Inhalte ganzer Bücher aufzunehmen, indem er sie einfach durchsieht. Doch noch immer hat er Angst um seine Sicherheit, wechselt häufig seine Unterkunft, lernt, Dokumente zu fälschen und bereitet Verkleidungen vor, vermehrt sein eigentlich schwindendes Vermögen, indem er seine neu gewonnenen Kräfte einsetzt, um Roulette-Ergebnisse im Casino vorherzusagen.
Eines Nachts bei der Veranstaltung eines Literaturkreises stellt sich ihm ein freundlicher Kerl als „Dr. Monroe“ vor – ein Gerontologe, der gerne über Dr. Stanciulescus Arbeit über Verjüngung reden würde. „Sei vorsichtig“, zischt da sein „Doppelgänger“, „er weiß, wer du bist.“ Dominic leugnet alles und stürzt hinaus in die Nacht, gefolgt von dem Fremden, der ihm hinterher ruft: „Mr. Matei, was machen wir mit der ,Zeit‘, der höchsten Unklarheit des menschlichen Daseins?“ Dominic gerät in Versuchung zu antworten, dann rettet ihn „Die „Frau aus Zimmer 6“, die sich in ihn verliebt hat. „Glaub ihm nicht!“, schreit sie. Sie sagt Dominic, dass es sich bei Monroe tatsächlich um Dr. Rudolf handeln würde – und dass die Gestapo Professor Stanciulescu getötet hätte. Dr. Rudolf holt eine Pistole hervor und erschießt die Frau, dann zeigt die Waffe auf Dominic. Durch seine telekinetischen Fähigkeiten kann Dominic jedoch die Waffe langsam in entgegengesetzte Richtung lenken – und begeht einen Mord, indem er den Wissenschaftler zwingt, sich selbst zu erschießen.
Nach dem Krieg lebt Dominic weiter in der Schweiz. Er entwickelt eine neue Sprache, um seine Ängste über die nukleare Zerstörung in der Zukunft aufzuzeichnen und arbeitet an seinem Buch über die Ursprünge der Sprache. Aber über seine hart erarbeitete Ruhe fällt bald ein Schatten. Beim Wandern in den Bergen begegnet er zwei Touristinnen, Gertrude und Veronica (ALEXANDRA MARIA LARA), die nach dem Weg zum Gipfel fragen. Er warnt sie vor einem drohenden Sturm, aber Veronica verweist auf ihren Regenschirm und sagt, das würde ihnen nichts ausmachen.
Nach dem Sturm fährt Dominic mit dem Taxi die Bergstraße ab, um nach den Schwestern zu suchen. Er findet Hinweise auf einen Blitzeinschlag, ihr Auto in einem Graben und Gertrudes leblosen Körper neben Veronicas brennendem Regenschirm. Veronica hockt in einer Höhle und spricht Sanskrit. Dominic, ungläubig, beruhigt sie mit ein paar ihm bekannten Sanskrit-Ausdrücken, bevor ein Krankenwagen eintrifft.
Im Krankenhaus stellt sich Veronica als „Rupini“ vor, eine Schülerin des Chandrakirti aus dem 7. Jahrhundert, dessen Arbeit sie in der Höhle rezitiert habe, als der Sturm losbrach. Verblüffte Autoritäten holen Experten aus dem Orientalischen Institut von Rom, um sie zu untersuchen. Daraufhin empfiehlt der weltbekannte Sanskrit-Wissenschaftler Professor Giuseppe Tucci (MARCEL IURES) eine Reise nach Indien, um die sachliche Grundlage von Veronicas Aussagen zu prüfen. Sie wird vor der Abreise in einen tiefen Schlaf versetzt und aufgeweckt, um genau die Höhle zu finden, von der sie sprach – und festzustellen, ob sie wirklich existiert.
Indien: In der Nähe der Grenze zu Nepal finden sie die Höhle. Erweckt von einem Pandit (ADRIAN PINTEA) klettert Veronica/Rupini auf einen Hügel zum Eingang – und fällt in Ohnmacht. Als die anderen hinzukommen, finden sie zerstreute Knochen und ein zerfallenes Manuskript. Vielleicht hat Veronica die Wahrheit gesagt; vielleicht sind es ihre Knochen; vielleicht ist/war sie Rupini ...
Nachdem sie wieder bei Bewusstsein ist, stellt sich „Rupini“ als Veronica Buehler vor und erkennt Dominic von ihrer Begegnung am Straßenrand. Sie spricht fließend Deutsch, Französisch und Englisch, aber sie leugnet, irgendeine orientalische Sprache oder eine Frau namens „Rupini“ zu kennen.
Professor Tucci sorgt für Aufruhr, als er bekannt gibt, dass Veronica in einem früheren Leben Rupini gewesen sein muss – „ein eindeutiges Beispiel für Seelenwanderung“. Aber Veronica glaubt nicht an so etwas. Das Medieninteresse macht sie unglücklich. Frisch verliebt entfliehen Dominic und sie der Auseinandersetzung und der Menge.
Malta: Kaum haben sie sich in einer schönen Villa an der Küste Maltas niedergelassen, beginnen für Veronica wiederkehrende regressive Episoden, in denen sie in alten Sprachen wie Altägyptisch und Babylonisch spricht. Dominic ist fasziniert und nimmt jede Äußerung auf Tonband auf, spielt sie ihr vor, wenn sie wieder zu Veronica wird. Sie beginnt schließlich zu glauben ... zumindest ein wenig ...
Aber jede Episode ermüdet sie mehr. Der teuflische „Doppelgänger“ taucht wieder auf, drängt Dominic, Veronicas Leiden zu ignorieren, bis sie sich zur Ursprache zurück entwickelt hat. Dann wäre sein Opus Magnum schließlich endlich vollendet. Dominic folgt dem bösartigen Rat, versteckt sogar Spiegel, damit Veronica den unnatürlichen Alterungsprozess, der sie zerstört, nicht sehen kann.
Ein Sinneswandel stellt sich ein, als sie einen Spiegel verlangt, um ihr gealtertes Gesicht und ergrautes Haar zu sehen. Dominic glaubt jetzt, dass er der Katalysator für ihre rückläufige Entwicklung ist, womöglich deshalb, weil sie sich in einem früheren Leben schon geliebt haben. Er stiehlt ihre Jugend – aber vielleicht kehrt diese zurück, wenn er geht. Sie fleht ihn an, nicht zu gehen, aber in einem letzten Akt der Liebe verschwindet Dominic aus Veronicas Leben.
Piatra Neamt, 1969: Dominic kehrt in seine Heimatstadt zurück und checkt in einem kleinen Hotel ein, wo er danach fragt, ob es das alte Café Select noch immer gäbe. Ermüdet von seiner Reise sitzt er in seinem Zimmer auf dem Bett und nimmt ein kleines Foto hervor. Ein Foto von Veronica. Er erinnert sich, sieht sie aus einem Zug aussteigen, ein Kind an der Hand. Sie ist schön und noch immer jugendlich, genauso wie er es angekündigt hatte. Seine Theorie war richtig. Er nimmt das Manuskript einer wissenschaftlichen Arbeit hervor, das er verfasst hat, und streitet sich heftig mit seinem „Doppelgänger“ über die Bedeutung von Gut und Böse, und ob ein „Ende“ jemals das „Mittel“ rechtfertigen würde. Der „Doppelgänger“ nennt ihn einen Versager, weil er Veronica verlassen hat, bevor sie sich zum absoluten Ursprung der Sprache zurückentwickeln konnte. Seiner selbst schließlich sicher, zerbricht Dominic den Spiegel und eliminiert die Doppelgänger-Erscheinung aus seinem Leben.
Dominic kehrt ins Café Select zurück, wo er alten Freunden begegnet – oder doch nicht? „Ich träume. Es ist wie die Geschichte des Königs, der geträumt hat, er sei ein Schmetterling, der träumte, er wäre ein König, der träumte, er wäre ein Schmetterling.“ Seine Freunde versichern ihm, dass er nicht träumen würde, woraufhin er antwortet: „Aber wenn ich nicht träume, wüsstet ihr von Hiroshima, der Wasserstoffbombe und von Neil Armstrong, der den Mond betreten hat.“ Sie verstehen nicht ...
Ermüdet wendet sich Dominic ab, um einen anderen Freund zu grüßen – und aus ihm wird ganz plötzlich ein alter Mann mit Erinnerungslücken und lockeren Zähnen. Er stürzt hinaus, spuckt Zähne auf die schneebedeckte Straße. Am nächsten Morgen wird Dominics erfrorener Körper im Schnee gefunden. Die Stimme seiner geliebten Laura bietet ihm die dritte Rose an und in einem Moment der Barmherzigkeit erscheint diese Rose in seiner ausgestreckten Hand.