Regie: Juraj Herz
Darsteller: Mark Waschke, Hannah Herzsprung
Laufzeit: 104min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Deutschland)
Filmstart: 25. November 2010
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Der junge Unternehmer August Habermann, der das Sägewerk und die Mühle seiner Familie bereits in der vierten Generation führt, ist in seinem kleinen Heimatstädtchen im Sudetenland ein angesehener und sehr beliebter Mann. Aufgeregt empfängt er seine bildhübsche Verlobte, die seit dem Tod ihrer Eltern in einem Nonnenkloster erzogene Tschechin Jana. Alle freuen sich mit dem glücklichen Paar, vor allem Jan Brezina, Habermanns bester Freund, engster Mitarbeiter und Trauzeuge. Die Feierlichkeiten sind ein großer Erfolg, sogar August Habermanns schweigsamer jüngerer Bruder Hans tanzt mit, und als Janas Geburtsurkunde verrät, dass ihre leiblichen Eltern Juden waren, sorgt selbst das nicht für Irritation. Viel zu sehr ist August mit dem Pläneschmieden für eine rosige Zukunft beschäftigt.
Ein knappes Jahr später wird Janas und Augusts Tochter Melissa geboren. Das Glück der beiden scheint immer noch ungetrübt, und auch die Freundschaft zwischen August und Jan ist so eng wie immer. Doch am Horizont ziehen dunkle Wolken auf: Jan steckt – wie mancher andere im Ort – in großen Geldschwierigkeiten und fürchtet, sein Haus zu verlieren. August hilft ihm ohne großen Aufhebens aus der Klemme, dennoch ist es dem Freund sichtlich unangenehm, dieses Angebot annehmen zu müssen.
Der Nationalsozialismus wirft bald seine ersten Schatten auf Habermanns Mühle: Augusts Bruder Hans schwärmt mit fanatischem Eifer für Hitler und sympathisiert offen mit den Nazis. Als der frisch gebackene Vater August mit seinen Mitarbeitern und Angehörigen voller Freude auf die Geburt seiner Tochter Melissa anstoßen möchte, lauscht Hans lieber einer Hitlerrede im Radio. Wenig später bejubeln die Deutschen im Ort, dass Hitler das Sudetenland annektieren will. Jan und andere Tschechen sehen die Entwicklungen mit Sorge, nur der unpolitische Habermann bleibt unbeeindruckt: „Was wird sich denn groß ändern, ob die Grenze nun hier oder da verläuft?“
Am Tag von Melissas Taufe am 30. September 1938 wird die Bedrohung durch die Nationalsozialisten endgültig greifbar: Mit dem Satz „Wir haben heute das Sudetenland heim ins Reich geholt“ poltert Sturmbannführer Koslowski (BEN BECKER) in das Hotel, in dem die Tauffeier der Habermanns stattfindet. Mit seinem uniformierten Gefolge platzt er in das Familienfest und beleidigt mit den Worten „Haben Sie denn kein passendes deutsches Mädel gefunden?“ Habermanns tschechische Frau. Andererseits kann er seine Augen nicht von der schönen Jana und ihrem kostbaren Halsschmuck lösen...
„Das Herz kennt ja bekanntlich keine Rassen“, erwidert August und entschärft damit geschickt die brenzlige Situation. Doch es werden bald ähnlich riskante Momente kommen, aus denen Habermann sich und die Seinen nicht immer herausretten kann.
Koslowski fordert für seine Besatzungstruppen wöchentlich zwei Doppelzentner Mehl. Der umsichtige Habermann weigert sich, da er dem Rest des Dorfes sonst nicht mehr die üblichen Mengen liefern könne. Aber der wirtschaftliche und gesellschaftliche Druck verstärkt sich, und auch August gelingt es nicht mehr, seine Familie und seine Firma aus allem herauszuhalten. Die Schikanen nehmen zu, so veranstaltet die SS etwa plötzlich eine Razzia in seinem Betrieb, um dort nach angeblichen Waffenlagern und heimlich gedruckten Flugblättern zu suchen. Hans meldet sich freiwillig und gegen Augusts ausdrückliches Verbot an die Front. Und als Jana versucht, ihren Schwager vor der Ostfront zu bewahren und deswegen alleine zu Koslowski geht, begibt sie sich in große Gefahr...
Wirklich gefährlich wird es für Habermann, seine Familie und seine Mitarbeiter allerdings erst kurz vor Kriegsende, als zwei SS-Leute auf einer Patrouille erschossen werden. Der aufgebrachte Koslowski fordert blutige Vergeltung. „Ein Deutscher ist soviel wert wie zehn Tschechen“, pöbelt er.
Nach dieser Rechnung verlangt er die sofortige Erschießung von zwanzig Dorfbewohnern. Habermann muss auswählen, welche es sein sollen – und weigert sich. Er beginnt damit den Familienschmuck einzusetzen, um die Leben seiner Mitmenschen zu retten. Geschickt erpresst der Sturmbannführer, der längst die Zeichen der Zeit erkannt hat und Pläne schmiedet, sich nach Argentinien abzusetzen, den ehrenhaften Habermann so noch um dessen letzte Wertgegenstände.
Doch von dieser großherzigen Tat Habermanns will der aufgebrachte Mob im Dorf wenige Tage später nichts mehr wissen. Die Rache der ehemaligen Angestellten, Nachbarn und Freunde an dem zwischen die Stühle geratenen Deutschen Habermann ist fürchterlich und gnadenlos...