Der lange Weg ans Licht

DVD / Blu-ray / Trailer :: Website :: IMDB (5,1)
Regie: Douglas Wolfsperger
Darsteller: Edeltraut Hertel
Laufzeit: 100min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentation (Deutschland)
Filmstart: 28. Februar 2008
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Eine Frau wandert über einen steinigen Boden in Tansania hinunter zum Fluss. Sie ist weit entfernt von zuhause – Edeltraut Hertel kommt aus Meerane in Sachsen, 40 Kilometer von Chemnitz entfernt. Dort ist die Zeit stehen geblieben, die Einwohner des Städtchens altern still, die Jungen wandern in die alten Bundesländer aus. Die Meeraner nehmen es mehr oder weniger gelassen zur Kenntnis – die bezopfte Künstlerin bedauert es, kann es aber verstehen. Der lokale Fotograf meint, dass die Mädels nach Bayern „rübermachen“, der Uhrmacher sorgt sich ums Aussterben der Deutschen, zwei tätowierte Meeraner Jungmänner raten den Menschen per „Thumbs Up“, einfach mehr Kinder zu zeugen. Edeltraut Hertel arbeitet als Hebamme in Meerane und in Tansania. Ihre ruhige zupackende Art schafft Vertrauen und Respekt, ob in dem provisorischen Krankenhaus in Afrika, in dem eine Mutter ohne zu schreien – denn das ist dort verpönt – ihr Kind entbindet, oder in Deutschland. Und auch nach Jahren ist die Hebamme noch begeistert von ihrem Beruf und ergriffen von jeder Geburt. Auch in einem Krankenhaus wird schwangeren Frauen geholfen. Krankenschwestern und Ärzte einer Klinik in der Nähe von Meerane reden über ihre Erfahrungen mit den Hebammen – sie behandeln sie mit Respekt, sind sich aber manchmal auch gegenseitig nicht ganz geheuer. In ihrer Hebammenpraxis begleitet Edeltraut Hertel die Frauen nicht nur medizinisch – sie lässt sie Blumen und Comicfiguren auf ihre Bäuche pinseln und nebeneinander auf den Gymnastikbällen wippen, um den Rücken zu entlasten. Dabei ist Edeltraut Hertel über Umwege zu ihrem Beruf gekommen. Um sich ihren lang gehegten Wunsch erfüllen zu können nach Afrika zu gehen, war die Ausbildung zur Hebamme die beste Möglichkeit. So schulte sie nach Jahren als Krankenschwester um. Die beiden souverän sächselnden, selten schweigenden Klinikärzte des Krankenhauses Chemnitz-Rabenstein sind überzeugt, dass ihre Klinik Frauen das Beste bieten kann, und zeigen stolz den neuen Trakt. Der Konkurrenzkampf zwischen Krankenhaus und Geburtshäusern ist groß, und nimmt absurde Formen an: Wie ein Hotel preisen die Klinikärzte ihre Stationszimmer samt automatischer Toilettenspülung an und reden von den Tricks, mit denen sie die schwangeren Frauen „kriegen“. Auch den Hebammen aus dem Geburtshaus ist das schon aufgefallen... Wenn Edeltraut Hertel durch Meerane fährt, kennt sie viele der kleinen Kinder, die mit ihren Müttern im Eiscafé sitzen, aus ihrer Hebammenpraxis. Dabei waren Hausgeburten im Osten Deutschlands lange verpönt und werden immer noch von vielen Ärzten als zu gefährlich eingestuft. Sie selber hat keine Kinder, ihr wurde mit Anfang 30 die Gebärmutter entfernt. Vor dem Krankenhaus wartet ein Mann auf seine Frau, die drinnen in den Wehen liegt und vor Schmerzen stöhnt. Ob Männer bei der Geburt dabei sind oder nicht ist Privatsache. Die Einstellung dazu hat sich aber verändert. Früher war es unüblich, heute entschließen sich immer mehr werdende Väter dazu, ihre Frauen bei der Entbindung zu unterstützen. Der Mann vor dem Krankenhaus sitzt lieber draußen und findet allein den Schlafmangel schon recht anstrengend. „Wenn Männer die Kinder kriegen würden“, sagt der nie um einen Spruch verlegene Klinikarzt, „wäre die Menschheit schon lange ausgestorben.“ Drinnen schließt die Frau ihr Kind in den Arm. Etwas ganz Alltägliches, das überall auf der Welt passiert, in Tansania, in Meerane, als normale Geburt, manchmal auch als Kaiserschnitt. Doch immer ist es ein Wunder.

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