Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„Kokolores“
Zwischenablage01.jpgDas Wort "Kokolores" bedeutet so viel wie "Geschwätz" oder "Prahlerei". Es ist mit dem Ausdruck "Kuckelöres" verknüpft - einer veralteten Variante des heute gebräuchlichen "Kikeriki". Man sagt deshalb "Das ist doch Kokolores!" und meint damit, daß sich jemand gewaltig aufplustert und prahlerisch herumkrakeelt - genau wie ein Hahn. "Seht mich an! Bin ich nicht ein prachtvoller Gockel?", krakeelt der Hahn. "Ich ernenne mich hiermit selbst zum König aller gefiederten Tiere!" Da füllt sich die Luft mit dem Rauschen vieler tausend Flügelschläge und im Geäst der Bäume versammelt sich eine jubilierende Vogelschar. Nur der Pfau bleibt am Boden und schlägt stolz und abweisend ein Rad: "Das ist doch Kokolores! Ein Pfau lässt sich nicht von einem König auf dem Misthaufen regieren …"
 
„Einen Stein im Brett haben“
Bedeutung:

Jemandes Wohlwollen genießen, bei jemandem gut angesehen sein.

Herkunft:
Diese Redensart ist schon ziemlich alt und lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals spielten die Leute gerne ein bestimmtes Brettspiel namens Wurfzabel. Bei dem ging es darum, seine Steine besonders gut auf dem Brett zu platzieren. Es ähnelt unserem heutigen Backgammon. Wenn man bei Wurfzabel zwei Felder nebeneinander mit seinen Steinen besetzt hatte, erhöht man seine Gewinnchancen. Man hatte "einen guten Stein im Brett". Daraus hat sich das heutige "einen Stein im Brett haben" entwickelt. Ein guter Freund, der einem zur Seite steht (wie ein Stein dem anderen), hat bei uns einen Stein im Brett.
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„Sich verbreiten wie ein Lauffeuer“
Bedeutung:

ZZZ.jpgEine Nachricht, eine Meldung oder ein Gerücht, das „sich verbreitet wie ein "Lauffeuer“. Es wird sehr schnell weitererzählt und dadurch in der Öffentlichkeit bekannt werden, rasch um sich greifen, sich rapide über einen weiteren Umkreis bekannt werden.





Herkunft:
Der Begriff "Lauffeuer" stammt aus dem 17. Jahrhundert. Man bezeichnete damit ursprünglich eine Spur aus Schieß- oder Schwarzpulver, die man zur Fernzündung einer Sprengladung anzündete. Die Redewendung bezieht sich darauf, wie rasend schnell die Pulverspur verbrannte und die Flammen sich ihren Weg bahnten. Und genauso rasch geht es, wenn sich Klatsch und Tratsch durch Weitererzählen verbreiten.
 
„Schwedische Gardinen“
Bedeutung:

Sitzt jemand im Gefängnis, so sagt man dazu auch: "Er sitzt hinter schwedischen Gardinen."

Herkunft:
Aber was haben denn nun schwedische Gardinen mit Gefängnis zu tun? Ganz einfach: Der schwedische Stahl galt früher als besonders stabil. Deshalb wurden die Gitter vor den Gefängnisfenstern oft aus diesem festen Stahl aus Schweden gefertigt. Und so kam es, daß es von nun an hieß: der Gefangene sitzt hinter "schwedischen Gardinen".
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„Etwas durch die Blume sagen“
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Bedeutung:

Etwas durch die Blume sagen oder verblümt sagen (seit dem 16. Jahrhundert belegt) ist eine Redewendung, mit der das vorsichtige, freundliche Üben von Kritik – oft in bildhaften Andeutungen – ausgedrückt werden soll.

Herkunft:
Blumen können sprechen - naja, nicht wirklich. Aber viele Blumen haben eine Bedeutung und sagen deshalb etwas aus. Rote Rosen zum Beispiel stehen für die Liebe, Disteln sind stachelig und bei Vergissmeinnicht sagt der Name ja schon alles.
Traut sich ein Verehrer zum Beispiel nicht, seiner Angebeteten zu sagen, daß er in sie verliebt ist, könnte er rote Rosen schenken. So weiß sie gleich, was er mit den Blumen sagen möchte und er muß es nicht direkt aussprechen. Der Verehrer hat seine Liebe so durch die Blume gestanden: Er hat etwas angedeutet und symbolisch gezeigt.
„Durch die Blume sagen“ kann man jedoch auch unerfreuliche Dinge. Diese lassen sich "durch die Blume" indirekter und freundlicher formulieren. Statt "Ich mag das Fleisch nicht, das du gekocht hast!" könnte man zum Beispiel sagen "Die Kartoffeln und das Gemüse schmecken mir besonders gut. Ich verzichte auf das Fleisch!". So fühlt sich niemand gekränkt.
 
„Jemanden ins Bockshorn jagen“
Bedeutung:

Jemanden einschüchtern, Angst einflößen.

Herkunft:
Woher die Redensart ursprünglich kommt, ist nicht mehr eindeutig zu klären. Vielleicht hängt sie mit dem früher in Bayern üblichen Haberfeldtreiben zusammen. Verbrecher wurden in ein Ziegenfell gekleidet vor Gericht gejagt. Der peinliche Aufzug sollte sie zur Reue bewegen. Haber ist eine Abwandlung des lateinischen Wortes caper (= Ziegenbock).
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Eine andere Erklärung geht auf einen Aberglauben aus dem 15. Jahrhundert zurück. Die Menschen hatten Angst vor Flüchen, in denen das Wort "Gott" vorkommt. Deshalb erfanden sie andere Bezeichnungen wie "Box". Waren sie wütend auf jemanden, wünschten sie ihm "Box' Zorn" an den Hals. Das klingt so ähnlich wie "Bockshorn".
 
„Wie bei Hempels unterm Sofa“
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Bedeutung:

Wenn jemand sagt, daß es in einem Zimmer aussehe "wie bei Hempels unterm Sofa", dann ist damit gemeint, daß sich das Zimmer in heilloser Unordnung und Chaos befindet.

Herkunft:
Aber wer sind diese "Hempels"? So genau weiß das keiner, denn die Herkunft der Redewendung ist nicht eindeutig geklärt. Es scheint sich aber nicht um eine real existierende Familie mit dem Namen "Hempel" gehandelt zu haben, die die Redewendung prägte.

Fest steht, daß "Hempel" sich aus dem Wort "Hampel" herleitet, womit man früher einen einfältigen und unkultivierten Menschen bezeichnete. Dieser Begriff war schon zu Zeiten Martin Luthers (1483-1546) bekannt. Erst im 20. Jahrhundert verbreitete sich dann die Redewendung von "Hempels Sofa". In manchen Gegenden sagt man übrigens auch "bei Hempels unterm Bett". Nicht zuletzt der deutsche Liedermacher Reinhard Mey verhalf diesem Ausdruck zu Bekanntheit, als er 1991 ein Lied mit dem Titel "Wie bei Hempels unterm Bett" schrieb.
 
„Sich mit fremden Federn schmücken“
Bedeutung:

Daß jemand sich mit fremden Federn schmückt, bedeutet, daß jemand die Verdienste von jemand anderem als seine eigenen ausgibt. Er bekommt also Lob und Anerkennung für Dinge, die er gar nicht getan hat.

Herkunft:
Die Redewendung "Sich mit fremden Federn schmücken" beruht auf einer Fabel des römischen Dichters Phaedrus:

ZZZ.jpgEine Krähe sah auf dem Boden lauter herrliche Pfauenfedern liegen. Sie überlegte nicht lange und beschloss, ihr eigenes fades Gefieder ein bisschen aufzuhübschen. Sie steckte die schönen Pfauenfedern einfach zwischen ihr eigenes Gefieder. Stolz auf ihre neue Federpracht, begab sie sich mitten in eine Gruppe von Pfauen, um sie an der neu gewonnen Eleganz Anteil haben zu lassen.
Aber ach, die fanden das so gar nicht lustig und stürzten sich auf die Krähe und rupften ihr nicht nur die fremden, sondern auch noch ziemlich viele eigene Federn aus. Als die rachsüchtigen Pfaue von der Krähe abließen, stand die Krähe gerupft und wesentlich armseliger als zuvor da. Und die Moral von der Geschicht: Mit fremden Federn schmückt man sich nicht.
 
„Floh im Ohr“
Ist jemand ein wenig durcheinander oder denkt die ganze Zeit nur an ein einziges Thema, dann hat er "einen Floh im Ohr". Dieser kleine "Floh" hüpft unruhig im Ohr auf und ab - und macht denjenigen ganz verrückt. Klar, daß bei einem springenden Floh kein vernünftiger Gedanke zu fassen ist. Keine schöne Vorstellung.
Kein Wunder also, daß die Redewendung "einen Floh im Ohr haben" darauf anspielt, daß jemand ein wenig durcheinander ist. Man kann aber auch andere verrückt machen, indem man sie zum Beispiel auf dumme Ideen bringt - dann setzt man ihnen nämlich auch einen Floh ins Ohr.
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„Den Kürzeren ziehen“
Bedeutung:

Verlieren, einen Nachteil akzeptieren müssen.

Herkunft:
"Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste. Ene, mene, meck und du bist weg." - Es gibt mehrere Kuchenstücke und man kann so gar nicht entscheiden, wer das Größte bekommen soll. Ganz klar: Bevor es Streit gibt, müßen in solchen Situationen manchmal Abzählreime oder Spielchen herhalten.
So kann man zum Beispiel eine Münze werfen oder "Schnick, schnack, schnuck" (auch bekannt als "Schere, Stein, Papier") spielen. Der Sieger bekommt dann das größere Stück.
Es gibt viele solcher Praktiken, die eine Entscheidung erleichtern sollen. Man kann beispielsweise auch zwei unterschiedlich lange Holzstäbchen in der geschlossenen Hand halten. Wer dann das längere Stäbchen zieht, hat gewonnen. Wer „den Kürzeren zieht“ hat eben Pech.
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„Eine schöne Stange“
Eine "schöne Stange", das ist redensartlich jede Menge. Und bestimmt kennt man auch eine Stange Geld: In der Bank gibt es sie. Dort sind die Münzen hintereinander aufgereiht in eine Rolle Papier gewickelt. So wird das Kleingeld aufbewahrt, das man auch manchmal beim Kassierer im Supermarkt an der Kasse sehen kann. Münzgeld wird also in Stangen verwahrt - und eine hübsche oder schöne Stange ist halt besonders lang und enthält deshalb eben ziemlich viel Kleingeld. Kostet etwas also eine ganze Stange Geld, dann ist es ziemlich teuer.
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„Sich wie gerädert fühlen“
Bedeutung:

Völlig erschöpft sein, aufgrund von Strapazen sehr ermüdet sein.

Herkunft:
Das "Rädern" meinte im Mittelalter eine grausame Art der Todesstrafe. Dabei wurde der Verbrecher auf einer Unterlage (meist ein großes Rad) festgebunden. Dann wurden ihm (an den Füßen beginnend) die Gliedmaßen zerschlagen – meist mit einem anderen großen Rad oder auch einem Hammer.
Mitunter wurde der so Gepeinigte dann mit dem Rad auf einem Pfahl zur Schau gestellt. Nicht selten dauerte der Todeskampf dann noch mehrere Tage. Wer heute sagt: "Ich fühle mich wie gerädert", übertreibt also ziemlich.
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„Jemanden übers Ohr hauen“
Die meisten wissen wahrscheinlich, daß "übers Ohr hauen" soviel wie "betrügen" heißt. Aber wohl weniger bekannt ist, daß diese Redensart aus der Fechtkunst stammt und ursprünglich "jemanden mit der Waffe am Kopf oberhalb der Ohren treffen" bedeutete.
Im Fechtsport gilt es als äußerst unfein und unverschämt, einen Schlag über die Ohrenlinie zu erteilen. Der tut nämlich ganz besonders weh. Gleichzeitig erfordert so ein Schlag übers Ohr aber ein Höchstmaß an Geschicklichkeit. Somit schwingt in der Redewendung ein kleines bisschen Anerkennung für den Bösewicht mit, da seine Betrügerei besonders gewitzt und hinterhältig ist.
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„Kohldampf schieben“
Bedeutung:

Ist der Hunger so richtig groß, dann schieben viele Menschen Kohldampf. Und das, obwohl sie manchmal eigentlich keinen Kohl mögen. Kein Wunder also, daß diese Redewendung mit dem Gemüse so gar nichts zu tun hat...

Herkunft:
Der Ausdruck "Kohldampf schieben" kommt nämlich aus dem Rotwelschen. Rotwelsch ist eine Gaunersprache; eine Art Geheimsprache, die sich aus verschiedenen Dialekten entwickelt hat und vor langer Zeit unter Landstreichern und Gaunern gesprochen wurde. Die Worte "Koller" und "Dampf" bedeuten in dieser Sprache "Hunger"; "schieben" ist aus dem rotwelschen Wort "scheffen" entstanden, was soviel wie "machen" oder "sein" heißt.
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Es gibt mehrere Ausdrücke, die auf die Gaunersprache zurückgehen: "Wache schieben" kommt also auch vom rotwelschen "scheffen", und auch das Wort "ausbaldowern" für "erkunden" oder "nachforschen" stammt ursprünglich aus dem Rotwelschen.
 
„Von Tuten und Blasen keine Ahnung haben“
Für diese Redewendung geht es ins Mittelalter: Alarmsysteme wie heute, die vor Bränden, Angriffen oder Einbrechern warnen, gab es damals natürlich noch nicht. Deshalb gab es in jeder Stadt Nachtwächter, die nachts umhergingen und nach dem Rechten sahen. Galt es, die Bürger der Stadt zu warnen, bliesen sie in ein Horn.
Nachtwächter zu sein, war damals alles andere als hoch angesehen. Denn mehr als nachts wach zu bleiben und "tuten und blasen" zu können war nicht nötig dafür. Wer nicht einmal das kann, gilt noch heute als besonders dumm - auch wenn es Nachtwächter heute nur noch als Touristenattraktion gibt. Er oder sie hat dann meist - wie man sagt - "von Tuten und Blasen keine Ahnung", weil man als Touristenattraktion die einzelnen verschiedenen Warnsignale aus jener Zeit einfach nicht mehr in der Nacht braucht.
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Zuletzt bearbeitet:
„Nachts ist es kälter als draußen“
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Streng genommen ist dieser Ausdruck keine Redewendung. Denn eine Redewendung zeichnet sich dadurch aus, daß sie aus einer bestimmten Abfolge von Wörtern besteht, deren Gesamtbedeutung man nicht direkt aus der Bedeutung der einzelnen Wörter ableiten kann.
Bei dem Spruch "nachts ist es kälter als draußen" trifft das nicht zu, denn der Ausdruck hat überhaupt keine Gesamtbedeutung. Er ist genauso unsinnig und bedeutungslos wie die Aussagen "Das Pferd ist vorne hinten als höher", "Cola schmeckt besser als aus einem Glas" oder "zu Fuß ist es weiter als über den Berg".

Man merkt schon, wie paradox diese Sätze sind, auch wenn sie im ersten Moment korrekt klingen. In Wirklichkeit handelt es sich aber um sinnentleerte Wortaneinanderreihungen, die man häufig in den Raum wirft, um absurde Diskussionen abzuwürgen. So macht man darauf aufmerksam, dass einige Vergleiche und Argumente ziemlich sinnlos sind.
 
„Sich einen Ast lachen“
Bedeutung:

Überaus stark lachen.

Herkunft:
Wir Menschen beugen uns vor Gekicher nach vorne; wir halten uns den Bauch und lachen uns sprichwörtlich krumm und schief. Und genauso entsteht auch der Ast auf unserem Rücken. "Ast" war nämlich im 19. Jahrhundert ein anderes Wort für Buckel, krummer Rücken. Und wer zu viel lacht, steht also zu selten gerade und bekommt demnach vor lauter Lachen nach damaliger Ansicht einen Buckel.
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