Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„unter die Haube bringen“
Bedeutung: Jemand heiratet.

Herkunft: Die Eltern wollen ihre Töchter „unter die Haube bringen“ (verheiraten). In der Antike, im Mittelalter – bis zu den Weltkriegen durften (nach dem germanischen und auch römischen Brauch) verheiratete Frauen ihr Haar nicht mehr offen tragen. Verheiratete Frauen mußten ihre Haare in der Öffentlichkeit unter einer Haube (später unter einem Hut) verbergen. An dem Tag der Hochzeit setzten die Frauen die neue Kopfbedeckung zum ersten Mal auf.
 
„da stehste wie die Kuh vorm Neuen Tor“
Bedeutung: Man ist in einer Situation hilflos.

Herkunft: Im alten Berlin hatten die Straßenbahnlinien Buchstaben. Das „Neue Tor“ war eingleisig und die dort verlaufende Linie "Q" mußte so sehr oft warten.
 
„Mit Fug und Recht“
Bedeutung: Mit vollem Recht – mit der vollen Berechtigung.

Das Wort "Recht" sollte jeder kennen. Das Wort Fug kann man noch in dem Begriff „Unfug“ erkennen. Aus dem mittelhochdeutschen stammt das Wort "vouc". Dieses Wort bedeutete, daß etwas erlaubt ist. „Mit Fug und Recht“ bedeutet somit, daß es erlaubt ist.
 
„jemanden auf den Schlips treten“
Bedeutung: Jemand wird verärgert oder beleidigt.

Herkunft: Mit dem „Schlips“ ist nicht die Krawatte gemeint. Der „Schlips“ war früher in der Mode der „Hemdzipfel oder der „Rockschoß“. Ein Rockschoß war früher bei der Herrenjacke, dem Frack oder der Uniformjacke der längliche hintere Teil eines Herrenrockes, der mit einer Taillennaht unterhalb der Taille angesetzt wurde. Geriet der „Schlips“ (aus dem „Niederdeutschen“: „Slip“) bei einem Modestil zu lang berührte er den Boden. Man konnte man leicht auf diesen Rockschoß treten, wodurch er dreckig wurde.
 
„etwas aus dem "ff" beherrschen“
Bedeutung: Man beherrscht seine Fertigkeit überaus gut – hervorragend. Man kann die Fertigkeit im Schlaf.

Herkunft: Hier gibt es gleich drei Quellen, die diese Redewendung für sich beanspruchen:

Im Mittelalter kennzeichneten Schreiber Zitate aus den „Pandekten“ (die Sammlung altrömischer Rechtsgrundsätze als Grundlagen für das „Corpus Juris“) mit dem griechischen Buchstaben „Pi“ (p). Wenn der Buchstabe unsauber geschrieben wird – wenn man die vertikalen Striche über den horizontalen Balken hinauszieht, erscheint der Buchstabe wie ein "ff". Dadurch kam die Redewendung auf, daß der Jurist aus dem „ff“ sein Wissen schöpfte.

In der Musik steht das F „forte“. Dieses steht für „stark“ oder „laut“. Die Steigerung davon ist das „Fortissimo“, das für „besonders laut“ steht. „Fortissimo“ wird mit den beiden Buchstaben „ff“ abgekürzt. Der Inhalt ist mit dem „ff“ besonders gekennzeichnet – genau, wie das Wissen der Person.

Im 17. Jahrhundert haben Kaufmänner die Waren oftmals mit den kleinen Buchstaben „f“ bzw. „ff“ gekennzeichnet. Das „f“ stand für feine Ware („fino“), „ff“ stand für die sehr feine Qualität (finissimo). Hier kann man die Herleitung für das heute noch gebräuchliche "etwas aus dem FF zu beherrschen" am besten erkennen, denn wenn man etwas aus dem FF beherrscht, dann kann man es "sehr fein".
 
„jemanden den Garaus machen“
Bedeutung: Jemanden töten oder vernichten. Einer Sache ein Ende bereiten.

Herkunft: Das „Garaus“ / "gar aus" stand früher für das „Ganz und gar aus“ bzw. "ganz aus". Im Mittelalter stand das „Garaus“ für das Tagesende. "Gar aus!" war der Ruf, mit dem in vielen süddeutschen Städten das Schließen der Stadttore angekündigt wurde.
 
„Hals- und Beinbruch“
Bedeutung: Man wünscht einer Person (ohne daß es die meisten, die diese Redewendung verwenden es wissen) „Glück und Segen“.
Man wünscht einer Person bei einem Vorhaben alles erdenklich Gute und viel Erfolg.

Herkunft: Die eingedeutschte Redewendung „Hals- und Beinbruch“ stammt eigentlich aus dem Hebräischen und lautet im Original: "hazloche un broche" (hazlachá = Glück; b´rache = Segen).
 
„Jemand etwas abknöpfen“
Bedeutung: Einer Person Geld oder Wertsachen abnehmen.

Herkunft: Reiche Herren trugen früher an ihren Jacken („Röcken“) häufig goldene oder silberne Knöpfe, manchmal auch Münzen oder Medaillen. Diese wertvollen Zier-Knöpfe benutzten die Herren, um Rechnungen zu begleichen. Aber in Geberlaune schenkten sie auch gelegentlich solche Knöpfe den Untergebenen. Die Herrschaft knöpfte die wertvolle Münze für den Untergebenen oder den Dienstleister ab.
 
„einen Vogel haben“ / „bei Dir piept´s wohl“
Bedeutung: Man hat etwas Dummes erzählt oder getan – man ist nicht bei Verstand.

Herkunft: Früher wurde diese Redewendungen nur für Geistesgestörte benutzt. Nach dem alten Volksglauben waren Geistesgestörte nicht nur von Hexen verhext, in manchen Fällen nisteten Vögel in ihrem Kopf. Wenn jemand etwas tat, was die anderen nicht verstehen konnten – dann hatte diese Person einen Vogel – im Kopf. Daher auch: "Bei Dir piept´s wohl!".
 
„als Prügelknabe herhalten“
Bedeutung: Jemand, der ungerechtfertigt für Missstände oder Verfehlungen einer anderen Person bestraft wird.

Herkunft: An jungen Edelleuten durfte man früher nicht körperliche Strafen vollziehen. An ihrer Stelle mußten untergebene Kinder, die für diesen Zweck herhalten. Die „Prügelknaben erhielten die Strafe, die eigentlich die adeligen Kinder verdient hatten. Die wirklich Schuldigen mußten der Prozedur zusehen, die von Rechts wegen ihnen galt.
 
„ein X für ein U vormachen“
Bedeutung: Man wird getäuscht, man wird betrogen.

Herkunft: Diese Redewendung kommt von der Tafel*1, auf der die Wirte die Schulden der Gäste aufschrieben. Mit der Kreide schrieben sie die Zahlen gerne mit den römischen Zahlen. Wenn ein hinterhältiger Wirt aus dem „V" (die Ziffer „V“, die auch neben der Zahl „5“ für den Buchstaben „U“* steht.) unten mit zwei kleinen Strichen ein "X" machte hatte er sich die doppelte Summe ergaunert.
Der Kunde hatte sich „ein X für ein U vormachen“ lassen.

*1 siehe: „in der Kreide stehen“:
https://www.klamm.de/forum/f5/wisse...stimmt-nie-braucht-481123-15.html#post8152255

* siehe unteres Bild: Hier wird als Beispiel „Senatus“ als „Senatvs“ geschrieben.
1703776723388.jpeg
 
Zuletzt bearbeitet:
„das ist schon die halbe Miete“
Bedeutung: Die Hälfte der Tätigkeit ist bereits erledigt.

Herkunft: Früher lagerten die Bauern die geernteten Rüben und andere Ernteprodukte vor dem Transport zur Scheune auf einem Platz neben dem Feld. Dieser Platz wurde „Miete“ genannt. Wenn diese „Miete“ zur Hälfte gefüllt war hatte der Bauer bereits die Hälfte der Rüben-Ernte eingebracht.
 
„mehrere Eisen im Feuer haben“
Bedeutung: Es ist besser, wenn man mehrere Pläne, Möglichkeiten bereit liegen hat.

Herkunft: Früher - vor dem elektrischen Bügeleisen - hatten die Schneider und Hausfrauen nur Bügeleisen, die auf dem Herdfeuer erhitzt worden sind. Mit diesen Bügeleisen konnten sie aber nur so lange bügeln, bis das Bügeleisen abgekühlt war. Dann mußte erst das Bügeleisen wieder lange erhitzt werden. Wer klug war hatte aber bereits ein weiteres „Eisen“ im Feuer bereit stehen. So konnte man ohne Pause weiterbügeln.
 
„Gang nach Canossa“
Bedeutung: Der „Gang nach Canossa“ ist ein sehr beschwerlichen Weg zu einer Person, der man etwas zu beichten hat, der man seine Reue zeigen muß.

Herkunft: Im Jahr 1077 hatten König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. einen Konflikt. Sie stritten darum, in wie weit „kirchliche“ und „weltliche“ Macht wem von beiden zustand. Die Lage wurde ernst, als viele Gefolgsleute König Heinrich untreu wurden und der Papst ihn Exkommunikation und dem Kirchenbann belegte. Heinrich IV. fürchtete um seine Krone. Es gab keinen anderen Weg - um eine Lösung zu besprechen, musste er persönlich zu Papst Gregor gehen. Also zur Burg Canossa, in der sich der Papst damals gerade aufhielt. Der "Gang nach Canossa" ist sprichwörtlich für einen schweren Gang oder Bittgang geworden.
 
„eine Laus über die Leber gelaufen“
Bedeutung: Wenn einer wegen einer Kleinigkeit schlecht gelaunt ist – dann ist ihm eine Laus über die Leber gelaufen.

Herkunft: Früher glaubten die Menschen, daß die Leber der Sitz der Gefühle ist. Hatte eine Person schlechte Laune – dann sagte man: „Ihm ist etwas über die Leber gelaufen. Damit man sich das Sprichwort besser merken konnte versah man es mit einer „Alliteration“. Das bedeutet in diesem Fall, dass Wörter mit dem gleichen Buchstaben beginnen. Man veränderte „Etwas ist ihm über die Leber gelaufen“ zu „Eine Laus ist ihm über die Leber gelaufen“. Die Laus ist nur ein kleines Tier – denn das Sprichwort wird dann gebraucht, wenn man glaubt, daß der „Miesepeter“ nur wegen einer Kleinigkeit schlecht drauf ist.
 
„Tollpatsch“
Bedeutung: Ein „Tollpatsch“ ist eine sehr ungeschickte Person.

Herkunft: Im 17. Jahrhundert ist ein „Talpas“, „Tobatz“, „Tolpatsch“, „Talpatsch“, „Dolpatsch“, „Dalpatsch“ ein ungarischer Infanterist („Fußsoldat“). Diese Soldaten trugen anstatt eines festen Schuhwerks nur mit Schnüren befestigte Sohlen. Die Quelle für „Talpas“ war das "Talp" ("Fuß“, „Fuß-Sohle“, „breitfüßig").
Mit dem Anschluß Ungarns an das Habsburger Reich (Österreich) wurde das „Tolpatsch“ von den österreichischen Soldaten zu einer den ungarischen Kameraden herabsetzenden Spottbezeichnung „Tollpatsch“. Zunächst, durch die für Österreicher unverständlichen Sprache (ungarisch – slavisch) – und dann noch wegen der „Ungeschicktheit“ (sprachliche Mißvertändnisse bei den Befehlen in der deutschen Sprache …) wurde der „ungeschickte“ ungarische Kamerad nicht für voll genommen.
Das verballhornte Wort „Tolpatsch“ zu „Tollpatsch“: Zum Einen wurde dieses Wort im deutschsprachigen Raum mit dem „Tölpel“ verbunden (ein Vogel, der „ungeschickt“ sein soll). Zum Anderen bedeutet das Wort „Toll“ auch „verrückt“. Das „…patsch“ erinnert an die „Ohrfeige“ oder dem Geräusch einer Peitsche. (Die Peitsche war zu jener Zeit eine gängige Strafe für ungeschickte, unbelehrbare oder kriminelle Soldaten.)
Schnell war im deutschsprachigen Raum ein ungeschickter, tölpelhafter Mensch ein „Tollpatsch“.
 
„verballhornen“
Bedeutung: Man verändert, entstellt, verulkt, verunstaltet, parodiert etwas oder jemanden. Man spricht etwas mit Absicht falsch aus, schreibt es falsch - um die Aussage mit einem ähnlich klingenden Wort zu verbinden.

Herkunft: Das Wort kommt von dem Lübecker Drucker Johann „Balhorn“, dem Jüngeren (1550-1603). Diesem unterlief bei der hochdeutschen Übersetzung des Lübecker Stadtrechts ein sinnentstellender Fehler.
Ein Beispiel aus der „heutigen“ Zeit: Wer aus „zum Beispiel“ ein „Zum Bleistift“ macht verballhornt das „Beispiel“.