Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„Seine Felle davonschwimmen sehen“
Bedeutung:

Wenn man sagt, daß man seine Felle davonschwimmen sieht, dann ist damit gemeint, daß man seine Hoffnungen zerrinnen sieht.

Herkunft:
Diese Redewendung stammt vermutlich aus der Sprache der Lohgerber. Lohgerberei ist ein ziemlich altes Handwerk. Die Lohgerber verarbeiteten Rinderhäute zu kräftigem Leder, das dann für Schuhsohlen, Sättel oder auch Stiefel verwendet wurde. Bei der Herstellung wurde viel Wasser benötigt, denn die Tierhäute mußten stundenlang gewässert und gespült werden. Dabei konnte es passieren, dass die Felle aus Versehen in den Fluss fielen und davon trieben. Damit war die Arbeit der Lohgerber umsonst, denn sie sahen ihre Felle davonschwimmen.
- 3.jpg
 
„Den Faden verlieren“
Bedeutung:

Beim Sprechen vergessen, was man sagen wollte; den gedanklichen Zusammenhang verlieren.

Herkunft:
In der ursprünglichen Bedeutung aus dem Bereich der Handarbeiten: den Faden aus der Hand rutschen lassen, so daß der Fortgang der Arbeit gestört ist.

Andere Erklärung: der „Ariadnefaden“, der den Weg durch ein Labyrinth markiert. Verliert man ihn, verliert man auch die Orientierung:
- 2.jpgIn der griechischen Sagenwelt gibt es den Stierkopfmonster Minotaurus, der auf Kreta in einem Labyrinth eingesperrt ist. Alle neun Jahre mußten die Athener sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen nach Kreta senden. Hier wurden sie in das Labyrinth des Minotaurus geschickt und so dem Minotaurus geopfert.
Ariadne, die Tochter vom König Minos auf Kreta, war in Theseus – einem der Athener Opfer verliebt. Dessen Herz schlug auch für die holde Ariadne. Theseus, der das Monster töten wollte ging in das Labyrinth und tötet den Minotaurus. Mit Hilfe eines Fadens, den Ariadne ihm mitgab (.. und den er auf dem Weg zu dem Stierkopfmonsters abrollte) fand er aus dem Labyrinth wohlbehalten wieder heraus.
Theseus hat den Faden also nicht verloren, konnte also seine Geliebte für sich gewinnen. Allerdings nur für kurze Zeit … Aber das ist eine andere Geschichte:
 
„Die Salamitaktik anwenden“
Bedeutung:

Mit der Redewendung "Die Salamitaktik anwenden" will man verdeutlichen, daß jemand einer anderen Person etwas vorsichtig beichtet, indem er nach und nach die Wahrheit erzählt.

Herkunft:
- 3.jpg
Eine teure Salami wird in hauchdünne Scheiben geschnitten. Dadurch entstand die Redewendung "Die Salamitaktik anwenden". Damit der Ärger nicht all zu groß wird, versucht man – wie bei einer Salami - die Wahrheit scheibchenweise zu erzählen.
 
„Maulaffen feilhalten“
- 2.jpg
Bedeutung:
„Maulaffen“ haben mit Kletterkünstlern wie Schimpansen, Gorillas, Orang Utans und anderen Affen nicht im Geringsten etwas zu tun! Im Gegenteil: Ein „Maulaffe“ war früher eine menschenähnliche Tonfigur mit weit offenem Mund - eine Art Kerzenhalter. Deshalb nennt man noch heute jemanden, der nur mit offenem Mund herumsteht, statt mit anzupacken, einen Maulaffen.

Herkunft:
Doch was steckt hinter dem ungebräuchlichen Wort "feilhalten" ("zum Kauf anbieten")? Der Begriff hat sich vermutlich aus einer anderen Redewendung eingeschlichen: "Affen und Narren feilhalten", sagte man früher - und meinte damit Leute, die dumm herumstehen, anstatt sich sinnvoll zu beschäftigen.
 
„Da brat mir einer einen Storch“
Bedeutung:

Die Redewendung "Da brat mir einer einen Storch" nutzt man, wenn etwas sehr verwundert.

Herkunft:
- 3.jpgDer Storch ist nach der germanischen Mythologie ein Glücksbote. Aus den Sagen wird überliefert, daß er Neugeborene aus der Quelle des Lebens holt und sie den Eltern übergibt. Der Storch ist demnach auch ein Symbol der Fruchtbarkeit. Nistet er auf einem Dach, so sollen die Bewohner Glück erfahren.
Vertreibt man den Vogel mit den langen Beinen vom Dach, bringt dies Unheil. Deshalb bemühen sich die Menschen Störche zu schützen. So wäre es undenkbar, einen Storch zu braten.
 
„Etwas aufs Tapet bringen“
Bedeutung:

Meist wird das Wort in der Redewendung „etwas aufs Tapet bringen“ benutzt, welche „etwas ansprechen“, „etwas zum Thema machen“ oder „etwas zur Diskussion stellen“ bedeutet.

Herkunft:
"Tapet ist eine alte Bezeichnung für die grüne Filzbespannung, die manche wichtigen Verhandlungstische haben. Wenn man also etwas aufs Tapet bringt, legt man es im übertragenen Sinne auf den Verhandlungstisch."
- 2.jpg
Der diplomatische Verhandlungstisch
Und hat das Wort vielleicht doch etwas mit der Tapete zu tun? Tatsächlich sind die Wörter Tapet und Tapete verwandt. Beide haben ihren Ursprung im französischen Wort für Teppich: tapis. Die ersten Tapeten waren nämlich auch aus Stoff – sie entwickelten sich aus den „Wandteppichen“ (Goblins), die die Räume in den Burgen wärmer und dekorativer werden ließen. In vielen Burgen und Schlössern kann man solche reich bestickten Wandteppiche noch heute besichtigen.
- 3.jpg
Beispiel für einen „Gobelin“ – einem Wandteppich
 
„Sich etwas aus den Fingern saugen“
- 1.jpg
Bedeutung:
Sich (häufig notgedrungen) etwas ausdenken, wie Dichter, Schriftsteller ...
Sich dringend eine Erklärung oder eine Ausrede überlegen.

Herkunft:
Aus den Fingern saugen? Wie soll das denn überhaupt gehen? Jeder kennt den Ausspruch, doch woher er genau kommt, wissen die wenigsten.
Im alten Rom gingen Forscher der Frage nach, wie Bären über Monate hinweg Winterschlaf halten können, ohne dabei zu verhungern. Daß die Tiere vom Fettvorrat leben, den sie sich im Herbst angefressen haben, kam niemandem in den Sinn. Die römischen Wissenschaftler dachten sich eine sonderbare Erklärung aus, als sie den Bären beim Schlafen in ihren Höhlen zusahen. Einige Tiere lutschten im Traum an ihren Pfoten und gaben dabei Schmatzgeräusche von sich. Die Forscher gingen davon aus, daß die Bären Milch aus ihren eigenen Klauen saugten und auf diese Weise den Winter überlebten.
Viele hundert Jahre später griff Johann Wolfgang von Goethe diese Beobachtung in einem Reim auf: "Dichter gleichen Bären, die stets an eignen Pfoten zehren" schrieb er dort. Denn so wie die Bären angeblich Milch aus ihren Pfoten saugten, saugt der Schriftsteller seine Geschichten aus sich selbst heraus.
Schnell entwickelte sich der Ausspruch zu einem geflügelten Wort. Wer sich dringend etwas ausdenken mußte, saugte es sich sprichwörtlich aus den Pfoten. Bis heute existiert die Redewendung. Nur sind die "Pfoten" im Laufe der Zeit den "Fingern" gewichen - das klingt beim Menschen einfach besser.