Da wird jedem übel bei. Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste.
Diese - mittlerweile oft gehörte - Plattitüde scheint mir doch etwas unüberlegt.
In fast allen Teilen dieser Welt haben sich Herrschaftssystem die Unternehmensgewinne als Futtertröge auserkoren. Während die Durchschnittsbesteuerung ausgeschütteter Gewinne von europäischer Unternehmen bei geschätzten 40% liegt (Tendenz fallend), liegt sie in den USA traditionell hoch. Dort müssen die Unternehmen 35% corporate tax abdrücken und vom Rest nochmal 15% bei der Ausschüttung (ergibt knapp 45%). Von einer "Privatisierung der Gewinne" kann kaum die Rede sein.
Der eben erst verabschiedede "Bail-out Plan" der US- Regierung kann wiederum kaum seriös als Subvention für den Banksektor interpretiert werden. Die Regierung wird weder Verluste übernehmen noch besichern. Sie wird den Finanzakteuren vielmehr ihre derzeit unverkäuflichen Assets (CDS, MBS und wie sie alle heißen mögen) abkaufen und somit versuchen mehr Vertrauen zwischen den Banken zu schaffen. Dieser Deal wird aber kaum ein schöner für die Banker. Die Regierung hat so die Möglichkeit gewaltige Aktienpakete, Optionen und Partizipationsrechte an zukünftigen Gewinnen abzugreifen. Gleichzeitig hat sie die Möglichkeit, falls sich die abgekauften Rechte später mal schwer verkaufen lassen, Sondersteuern für diese Banken einzuführen und sich das Geld auf diesem Weg zu holen.
Der arme Schlucker Staat – eine inszenierte Tragödie
Ich werd es mir auch nicht entgehen lassen, hier noch meinen Standpunkt zur aktuellen Krise kund zu tun und die gewagte These aufzustellen, dass "Die Gier der Banker ist schuld" zu kurz greift.
Durch das Zusammenwirken aller Marktakteure entsteht ein "natürlicher Marktzinssatz" unabhängig von jeder Nationalbank (auf eine theoretische Abhandlung wird verzichtet). Jeder geldpolitischer Eingriff der Nationalbank verschiebt und verzerrt zwangsläufig den Markt. Dieser Eingriff war in den Jahren 2001- 2005 enorm. Die "federal funds rate" wurde auf nominale 1% gedrückt - deutlich geringer als das Wachstum der Geldmenge.
Das billige Geld war natürlich ein Seegen. Unprofitable Unternehmen wurden plötzlich rentabel und Mindestlohnempfänger konnten sich plötzlich die Raten für ein Einfamilienhaus leisten (den neuen Truck vor der Garage nicht zu vergessen). Mit anderen Worten: Die Nachfrage nach Liquität war enorm. Warum sollte man auch sparen, wenn die Inflation 4-5 höher war als die Sparzinsen?
Für Geschäftsbanken, Mortgage Banks, Investmentbanken aber auch Kreditkartenkonzerne natürlich ein Mordsgeschäft. Die grünen Scheinchen gabs fast gratis von der Fed und Menschen, die ein 500.000 € Haus haben wollten (und sich auch die Raten leisten konnten) gabs plötzlich wie Sand am Meer. Die Banken spielten das Spiel dankbar mit - erfunden hatten sies nicht.
Die Nachfrage nach Geld war so enorm, dass Investmentbanken auf die glorreiche Idee kamen, aus einzelnen Kreditforderungen handelbare Assets zu basteln, die aufgrund ihrer hohen Rendite in keinem Bankportfolio mehr fehlen durften... Doch das dicke Ende ließ nicht lange auf sich warten, wie es bei jeder Marktverzerrung - sei es keynesianistisch oder monetaristisch - kommen muss.
Die unprofitablen Unternehmen werden durch künstlich billiges Geld nicht produktiver, von den Millionen Neo- Hausbesitzer brauch ich gar nicht mehr reden. Das metaphorische Kartenhaus muss wiedermal herhalten und zusammenbrechen.
Mich wundert nur maßlos, dass all die überbezahlten CEOs so ahnungslos waren oder sich so geben. So geblendet von der Mainstream- Ökonomie sahen sie wohl vor lauter "GDP- growth" nicht mehr, dass es sich vielmehr um "monetary growth" handelte. Statt dem wahnwitzigen Kollektivierungsplan ("Bailout- Plan") empfehle ich den blinden Herrschaften, die es besser wissen sollten, der Aufforderung eines "Wall- Street- Demonstranten" nachzukommen, auf dessen Demoschild stand:
Jump,
fucking suckers
fucking suckers
