Was passiert mit dem Geld in der Wirtschaftskrise?

  • Es kommt zu einer Inflation

    Stimmen: 18 58,1%
  • Es kommt zu einer Deflation

    Stimmen: 1 3,2%
  • Es bleibt alles so wie es ist

    Stimmen: 12 38,7%

  • Umfrageteilnehmer
    31
Da wird jedem übel bei. Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste.

Diese - mittlerweile oft gehörte - Plattitüde scheint mir doch etwas unüberlegt.

In fast allen Teilen dieser Welt haben sich Herrschaftssystem die Unternehmensgewinne als Futtertröge auserkoren. Während die Durchschnittsbesteuerung ausgeschütteter Gewinne von europäischer Unternehmen bei geschätzten 40% liegt (Tendenz fallend), liegt sie in den USA traditionell hoch. Dort müssen die Unternehmen 35% corporate tax abdrücken und vom Rest nochmal 15% bei der Ausschüttung (ergibt knapp 45%). Von einer "Privatisierung der Gewinne" kann kaum die Rede sein.

Der eben erst verabschiedede "Bail-out Plan" der US- Regierung kann wiederum kaum seriös als Subvention für den Banksektor interpretiert werden. Die Regierung wird weder Verluste übernehmen noch besichern. Sie wird den Finanzakteuren vielmehr ihre derzeit unverkäuflichen Assets (CDS, MBS und wie sie alle heißen mögen) abkaufen und somit versuchen mehr Vertrauen zwischen den Banken zu schaffen. Dieser Deal wird aber kaum ein schöner für die Banker. Die Regierung hat so die Möglichkeit gewaltige Aktienpakete, Optionen und Partizipationsrechte an zukünftigen Gewinnen abzugreifen. Gleichzeitig hat sie die Möglichkeit, falls sich die abgekauften Rechte später mal schwer verkaufen lassen, Sondersteuern für diese Banken einzuführen und sich das Geld auf diesem Weg zu holen.

Der arme Schlucker Staat – eine inszenierte Tragödie

Ich werd es mir auch nicht entgehen lassen, hier noch meinen Standpunkt zur aktuellen Krise kund zu tun und die gewagte These aufzustellen, dass "Die Gier der Banker ist schuld" zu kurz greift.

Durch das Zusammenwirken aller Marktakteure entsteht ein "natürlicher Marktzinssatz" unabhängig von jeder Nationalbank (auf eine theoretische Abhandlung wird verzichtet). Jeder geldpolitischer Eingriff der Nationalbank verschiebt und verzerrt zwangsläufig den Markt. Dieser Eingriff war in den Jahren 2001- 2005 enorm. Die "federal funds rate" wurde auf nominale 1% gedrückt - deutlich geringer als das Wachstum der Geldmenge.

Das billige Geld war natürlich ein Seegen. Unprofitable Unternehmen wurden plötzlich rentabel und Mindestlohnempfänger konnten sich plötzlich die Raten für ein Einfamilienhaus leisten (den neuen Truck vor der Garage nicht zu vergessen). Mit anderen Worten: Die Nachfrage nach Liquität war enorm. Warum sollte man auch sparen, wenn die Inflation 4-5 höher war als die Sparzinsen?

Für Geschäftsbanken, Mortgage Banks, Investmentbanken aber auch Kreditkartenkonzerne natürlich ein Mordsgeschäft. Die grünen Scheinchen gabs fast gratis von der Fed und Menschen, die ein 500.000 € Haus haben wollten (und sich auch die Raten leisten konnten) gabs plötzlich wie Sand am Meer. Die Banken spielten das Spiel dankbar mit - erfunden hatten sies nicht.

Die Nachfrage nach Geld war so enorm, dass Investmentbanken auf die glorreiche Idee kamen, aus einzelnen Kreditforderungen handelbare Assets zu basteln, die aufgrund ihrer hohen Rendite in keinem Bankportfolio mehr fehlen durften... Doch das dicke Ende ließ nicht lange auf sich warten, wie es bei jeder Marktverzerrung - sei es keynesianistisch oder monetaristisch - kommen muss.

Die unprofitablen Unternehmen werden durch künstlich billiges Geld nicht produktiver, von den Millionen Neo- Hausbesitzer brauch ich gar nicht mehr reden. Das metaphorische Kartenhaus muss wiedermal herhalten und zusammenbrechen.

Mich wundert nur maßlos, dass all die überbezahlten CEOs so ahnungslos waren oder sich so geben. So geblendet von der Mainstream- Ökonomie sahen sie wohl vor lauter "GDP- growth" nicht mehr, dass es sich vielmehr um "monetary growth" handelte. Statt dem wahnwitzigen Kollektivierungsplan ("Bailout- Plan") empfehle ich den blinden Herrschaften, die es besser wissen sollten, der Aufforderung eines "Wall- Street- Demonstranten" nachzukommen, auf dessen Demoschild stand:

Jump,
fucking suckers
 
Kannst du bitte mal erklären wie unprofitable Unternehmen, auf einmal durch billige Kredite profitabel werden? Verstehe das nicht so ganz^^
 
[N] Eilmeldung: Bund garantiert sichere Sparkonten

Folgende News wurde am 05.10.2008 um 16:48:49 Uhr veröffentlicht:
Eilmeldung: Bund garantiert sichere Sparkonten
DPA-News

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat angesichts der sich verschärfenden Bankenkrise erstmals eine Komplettgarantie für private Spareinlagen in Aussicht gestellt. «Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag in Berlin. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) betonte: «Ich möchte unterstreichen, dass (. . . ) wir dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren. »Wie es in Regierungskreisen hieß, würde damit über die bisherigen Sicherungssysteme hinaus eine Staatsgarantie für private Spareinlagen in ganz Deutschland greifen. Die bisherigen gesetzlichen und weiteren Sicherungssysteme der deutschen Kreditwirtschaft gelten bereits als die weltweit besten. Es gibt aber keinen Komplettschutz.
 
Kannst du bitte mal erklären wie unprofitable Unternehmen, auf einmal durch billige Kredite profitabel werden? Verstehe das nicht so ganz^^

Klar.

Nehmen wir an wir haben ein Unternehmen, dass eine Bilanzsumme von 1.000.000 bei einer Fremdkapitalquote von 70% aufweist. Vor Zinsen kann dieses Unternehmen einen operativen Gewinn von 50.000 erwirtschaften.

Angenommen der (natürliche) Fremdkapitalzinssatz beträgt 8%, dann fallen Zinsen iHv. 56.000 an (700.000 * 8%). Ergebnis: Verlust iHv. 6.000. Es ist kontraproduktiv dieses Unternehmen weiterzuführen, wenn eine Verbesserung nicht anzunehmen ist.

Dann wird der Referenzzinssatz gesenkt und der Fremdkapitalzinssatz vermindert sich auf 5%. Die Zinsbelastung fällt auf 35.000. Ergebnis: Gewinn iHv. 15.000. Beim Eigenkapital iHv. 300.000 bedeutet das eine Eigenkapitalrendite von 5%. Das Unternehmen ist plötzlich konkurrenzfähig.

Zumindest scheinbar. Die Folge ist nämlich Überproduktion und Ausweitung der Kreditmenge mit bekannten, jetzt sichtbaren Folgen. Hoffe ich konnte helfen.
 
[OT]

Hoffe ich konnte helfen.

Prinzipell leuchtet mir ja ein, dass Kredite wesentlich günstiger werden, wenn der Zins dafür fällt und dass unrentable Unternehmen zu besseren Konditionen Geld leihen können und damit nicht zwangsläufig ihre Profitabilität steigern müssen ist mir auch einleuchtend. Was ich nicht verstehe sind offensichtlich bertribswirtschaftliche Abkürzungen wie iHv oder GDP-growth, nach denen ich auch nicht unbedingt erst suchen möchte. Es wäre sehr nett, wenn du solche Abkürzungen nur dann verwendetest, wenn du sie wenigstens bei erster Nennung erklärst.

Ich finde es ja nett, wenn sich jemand auskennt und konstruktive Beiträge bringt, aber allein zur Verständniserweiterung scheint mir eine etwas "einfacherer" Ausdrucksweise angebracht.

Vielen Dank.

[/OT]
 
Du möchtest etwas erklärt haben, bekommst diese Erklärung und bist dann zu faul, zwei Abkürzungen nachzuschlagen, die man in Sekunden findet. "iHv" ist wohl die gängige Abkürzung von "in Höhe von". Fragst Du demnächst auch nach einer Erklärung für "MfG" und "usw"?

immune macht sich Arbeit um Dir einen Sachverhalt zu erklären und Du siehst nicht ein, auch nur drei Sekunden in die Erklärung eines Fremdworts zu stecken.

Ich habe "GDP" in 10 Sekunden gefunden und als "gross domestic product" identifiziert. Das dürfte wohl die englische Bezeichnung für Bruttosozialprodukt sein.

Marty

Folgende News wurde am 05.10.2008 um 16:48:49 Uhr veröffentlicht:
Eilmeldung: Bund garantiert sichere Sparkonten
DPA-News

Woher nimmt der Staat den die 563 Mrd. Euro, die aktuell für diese Garantie notwendig wären? Lasst mich raten: Eine Sondervermögenssteuer auf Spareinlagen in Höhe von 50%?

Marty
 
Diese - mittlerweile oft gehörte - Plattitüde scheint mir doch etwas unüberlegt.
[...]
Das mag alles Stimmen, und du bist sicherlich näher an der Materie als ich.

Was mich maßlos ärgert, ist die Glücksspiel-Mentalität, die dadurch ausgebrochen ist. Daran ist nicht de Staat schuld, sondern die Allmachtsphansasien der Brocker.

Von daher kann ich das hier:

Mich wundert nur maßlos, dass all die überbezahlten CEOs so ahnungslos waren oder sich so geben. So geblendet von der Mainstream- Ökonomie sahen sie wohl vor lauter "GDP- growth" nicht mehr, dass es sich vielmehr um "monetary growth" handelte. Statt dem wahnwitzigen Kollektivierungsplan ("Bailout- Plan") empfehle ich den blinden Herrschaften, die es besser wissen sollten, der Aufforderung eines "Wall- Street- Demonstranten" nachzukommen, auf dessen Demoschild stand:

Jump,
fucking suckers

... voll unterschreiben :yes:
 
Was mich ehrlich gesagt erschreckt ist, dass durch die Schieflage einiger Banken ein solch arges Misstrauen im Markt entsteht, welches andere Banken auf halbwegs solider Basis an den Rand des Ruins bringt.

Jedenfalls scheinen die Deutschen nicht hysterisch zu reagieren und plündern ihre Bankkonten, wie es in UK der Fall war.
 
Bei den Deutschen gibt es doch nichts zu plündern (es geht uns ja soo schlecht)

Liegt vielleicht daran weil die meisten in GER noch bei Sparkasse und Volksbank sind.

Ich finds auch krass, dass vor allem die Aktien von diversen Banken so in den Kellern gehen, siehe Hypo.

Ich wär ja mehr so für ne Währung ala Startrek (Wie Geld?)
 
Was mich ehrlich gesagt erschreckt ist, dass durch die Schieflage einiger Banken ein solch arges Misstrauen im Markt entsteht, welches andere Banken auf halbwegs solider Basis an den Rand des Ruins bringt.

Genau das ist ja nicht der Fall. Banken auf halbwegs solider Basis werden als Gewinner aus dieser Krise hervorgehen.

Den ganzen Banken, denen es schlecht geht, die haben entweder ich langfristigen Forderungen mit kurzfrsitgen Verbindlichkeiten gedeckt oder haben zuviel in Schrott (Subprimes) investiert.

Gerade die Banken, die im Moment viel liquide Mittel zur Verfügung haben profitieren doch extrem von der aktuellen Marktlage, da sie das Geld gegen hohe Zinsen verleihen können oder (fremde) Unternehmen(-santeile) günstig erwerben können.
 
Gerade die Banken, die im Moment viel liquide Mittel zur Verfügung haben profitieren doch extrem von der aktuellen Marktlage, da sie das Geld gegen hohe Zinsen verleihen können oder (fremde) Unternehmen(-santeile) günstig erwerben können.

Genau DAS wäre ja aber wieder Roulette - siehe Hypo Real Estate. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass - auch "gesunde" Banken hier Kredite nur mit Staatsgarantie geben wollen.

Apropos: Was sind das für Banker bei der HRE, die einfach so 16 Mrd. Risiken VERGESSEN??? :-?:-?:-?
 
Genau das ist ja nicht der Fall. Banken auf halbwegs solider Basis werden als Gewinner aus dieser Krise hervorgehen.

Ich meinte damit eher die Gerüchte, die tagtäglich ins Kraut schiessen und den Markt aufwirbeln.
Bestes Beispiel ist heute das Gerücht der Kapitalerhöhung der Deutschen Bank, welches einen drastischen Kursverlust zur Folge hatte.
 
Ich hätte mal eine Frage zu der HRE.
Geht es im Moment bei dieser Bank nur darum den Kapitalfluss zu sichern (also das sie weiter Geld an ihre Kreditnehmer vergeben kann) oder hab ich da etwas falsch verstanden?
 
Ich glaube sogar, dass ein Großteil des Problems von der HRE-Tochter Depfa ausgeht.

Wenn ich es richtig verstanden habe, vergibt diese kurzfristige Kredite, die sie wiederum mit der Aufnahme langfristiger Kredite refinanzierte. Weil die kurzfristigen Mehr an Zinsen einbringen als die langfristigen Kosten, hat man an dem Geschäft verdient.

Nun gibt es im Zuge der Bankenkrise halt keine lukrativen langfristigen Kredite mehr - und die HRE muss einspringen, kriegt aber ihrerseits kein Geld bzw. hat keine liquiden Mittel.
 
[N] Gigantische Verluste wegen Finanzkrise

Folgende News wurde am 07.10.2008 um 22:26:01 Uhr veröffentlicht:
Gigantische Verluste wegen Finanzkrise
DPA-News

Washington/Luxemburg (dpa) - Die US-Immobilienkrise kostet die Finanzindustrie weltweit 1,4 Billionen Dollar. Diese Hiobsbotschaft verkündete der Internationale Währungsfonds (IWF) und warnte vor weiteren dramatischen Verlusten. Zudem wächst die Gefahr, dass die Turbulenzen im Finanzsystem nun auch die Realwirtschaft bedrohen. Nach den Bankenpleiten in Europa und den USA steht mit Island erstmals ein Staat vor dem Ruin. Auch zur Beruhigung ihrer 500 Millionen Bürger gibt die EU ihren größten Banken eine Überlebensgarantie. Vor allem Bankaktien verloren an den Weltbörsen am Dienstag weiter dramatisch an Wert. Kanzlerin Merkel hat sich angesichts der Finanzkrise für ein «neues System» des Zusammenwirkens ausgesprochen.
 
Hatte ja eher gedacht, dass es wegen Öl knallt. Aber so wie das im Moment aussieht (und anscheinend auch nicht so schnell wieder aufhört), gibt es andere Mittel und Wege...
Wenn das mal gut geht :pray:
 
Na hoffentlich hat da mal nicht Bin Sein Laden was mit zu tun.
Oder könnte so jemand sowas nicht schüren`?

Das ganze fing doch mit der Imobilienkriese in Amerika an ?
Oder bin ich da verkehrt?
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich hätte da noch einmal eine Frage und zwar aber doch im Moment etliche Millarden vernichtet, auch wenn das meiste 'nur' auf dem Papier passiert.

Trotzdem wollte ich fragen, ob das der Inflation entgegenwirkt und deshalb heute die wichtigsten Leitzinsen gesenkt wurden?

Danke euch