Nutzlos, wenn der Verurteilte nicht von jedermann als Verurteilter zu erkennen ist und weiter fröhliche Urständ feiern kann. Und Kainsmale sind in Deutschland verboten - mir wäre auch kein anderes Land bekannt, daß Verurteilte äußerlich erkennbar macht, lediglich die Kinderschänder-Verzeichnisse in GB und den USA.
 
Auch wenn sich das schnittfeste Wasser unserer nordwestlichen Nachbarn sicher dafür eignen würde :mrgreen: , meine ich was anderes.

Wenn der Verurteilte keine andere Auswirkung als das Urteil selbst merkt und von niemand anderem als Verurteilter zu erkennen ist, geht jeder NACH dem Urteil genau so um wie VOR dem Urteil. Der Verurteilte kann also genauso oder evtl. auch besser leben als VOR dem Urteil. Welchen Sin macht dann ein Urteil? Welche Symbolkraft hat es, wenn es überhaupt keine Folgen hat. "Gut, daß wir mal drüber geredet haben!"?

Welchen Grund, sein Verhalten zu überdenken hätte der "Verurteilte"? Welche Reue sollte er haben? Was sollte einen potentiellen Straftäter davon abhalten, sein Potential in Taten umzusetzen, wenn es keine Folgen gibt?
 
Welchen Grund, sein Verhalten zu überdenken hätte der "Verurteilte"? Welche Reue sollte er haben? Was sollte einen potentiellen Straftäter davon abhalten, sein Potential in Taten umzusetzen, wenn es keine Folgen gibt?

Und welchen Grund, sein Verhalten zu überdenken, sollte ein 90-jähriger haben? Welche Reue sollte er haben? Welches Potential sollte er noch in Taten umsetzen?
 
Taliesyn, Du schriebst in Posting #123
Ein Urteil hat immer auch symbolischen Wert.
Sein Alter zählt daher nicht als Argument. Abgesehen davon ist der Kerl mit 90 offensichtlich noch in der Lage, an Gebirgsjäger-Treffen teilzunehmen, was eine gewisse körperliche Fitness nicht unwahrscheinlich erscheinen läßt. Zumal er auf freiem Fuß seine Borniertheit an andere (jüngere) weitergeben kann.

Von den ganzen Alt-Nazis ist wohl eh' wenig Reue zu erwarten. Viel zu lange hat man ihnen die Verdrängung, Rechtfertigung und Glorifizierung ihrer Taten durchgehen lassen. Daß ein Nazi-Prozeß erst 64 Jahre nach Kriegsende stattfindet, ist nahezu unglaublich.

Natürlich war nicht jeder Soldat - und auch nicht jeder Offizier - im 2. Weltkrieg ein Verbrecher. Aber es gab diese Verbrecher, die unschuldige Zivilisten ermordet haben. Sie hätten längst bestraft und gesellschaftlich geächtet gehört.

Und nur zur Klarstellung: Es gab nicht nur in der Wehrmacht des Deutschen Reiches Verbrecher. Kriegsverbrecher gab es sehr wohl auch in anderen Armeen. Ich finde es schlimm, daß Sieger in einem Krieg ungestraft Verbrechen begehen können, ohne dafür belangt zu werden. Daß es auch anders geht, haben die USA im Falle Lynndie England/Abu Ghraib gezeigt.

Leute wie "Bomber" Harris, die den Befehl gaben, ganze Städte in Schutt und Asche zu legen, werden dagegen heute noch daheim als Helden gefeiert. Und nur, weil Japan wenige Tage nach den Atombomben auf Hiroshoma und Nagasaki kapituliert hat, rechtfertigt das noch lange nicht das Atomarisieren zweier ganzer Städte mit der dort (ehemals) lebenden Zivilbevölkerung.

Die Vertreibung in den bis-1945-deutschen Gebieten ist ebenso Unrecht. Sie wird durch ein anderes, vorheriges Unrecht gerechtfertigt. Gerechtigkeit sieht für mich anders aus. Allerdings waren wohl nur wenige Deutsche nach 1945 bereit, im Einflußbereich der Sowjetunion zu leben, was die hohe Quote der Flüchtlinge (Vertriebenen) im "Westen" und die massenhafte Flucht aus der DDR (glaubt wirklich jemand an die Mauer als "antifaschistischen Schutzwall"?) belegen.
 
Taliesyn, Du schriebst in Posting #123

Sein Alter zählt daher nicht als Argument. Abgesehen davon ist der Kerl mit 90 offensichtlich noch in der Lage, an Gebirgsjäger-Treffen teilzunehmen, was eine gewisse körperliche Fitness nicht unwahrscheinlich erscheinen läßt. Zumal er auf freiem Fuß seine Borniertheit an andere (jüngere) weitergeben kann.

Im Gegensatz zu dir bin ich ja vom symbolischen Gehalt jedes Urteils überzeugt, also kann ich das schreiben und trotzdem das Alter als Argument anführen - als Beispiel dafür, dass gleichmacherische Urteile nichts nützen.

Zu der Teilnahme an den Treffen: na und? Es ist gut und richtig, dass der Mann seine "Borniertheit" an andere (jüngere) weitergeben kann! Gedanken- und Meinungsfreiheit sind ein sehr hohes Gut, und niemand sollte davon ausgeschlossen werden. Seine Ansichten als Grund für eine Inhaftierung zu nennen ist nicht besser als die Praktiken jedes politischen Regimes, das Oppositionelle unterdrückt und einsperrt.
 
Auch ich halte Meinungsfreiheit für ein hohes Gut. Allerdings sehe ich im Faschismus keine Meinung sondern ein Verbrechen, weil Faschismus auf der Unterdrückung von Meinungen beruht.
 
Auch ich halte Meinungsfreiheit für ein hohes Gut. Allerdings sehe ich im Faschismus keine Meinung sondern ein Verbrechen, weil Faschismus auf der Unterdrückung von Meinungen beruht.


Solange Faschismus nur gedacht und nicht praktiziert wird, ist er kein Verbrechen. Ein gedachter Überfall wird doch auch nicht vor Gericht gestellt.
 
Auch ich halte Meinungsfreiheit für ein hohes Gut. Allerdings sehe ich im Faschismus keine Meinung sondern ein Verbrechen, weil Faschismus auf der Unterdrückung von Meinungen beruht.

Unterdrückt werden Menschen überall.

Hier unterdrücken wir zum Beispeil Scheungraber, dass er nicht Morden darf.

Eine sinnvolle Unterdrückung meiner Meinung nach, aber Menschen werden überall in Regeln gezwängt und somit unterdrückt.

Aufgabe der Gesellschaft ist es heruaszufinden, welche Unterdrückung den meisten Menschen am meisten bringt. Das gelingt aber nur, wenn man über alle Formen der Unterdrückung frei sprechen darf.
 
Faschisten denken? Das wäre mir neu. Den Spruch "Führer befiehl, wir denken drüber nach" kenn ich noch nicht.

Es wäre deiner Meinung nach also richtiger, wenn die Demokraten in der Demokratie die Faschisten unterdrückten, so, wie im Faschismus die Faschisten die Demokraten unterdrücken - weil das jeweilige Gedankengut in der jeweiligen Staatsform verbrecherisch sei?
 
Das führt zwar langsam immer weiter weg vom ursprünglichen Fred-Thema, aber sei's drum :D

In einer funktionierenden Demokratie (gibt's die?) gibt es keine Unterdrückung irgendeiner Meinung, weil die Argumente zählen, und sonst nix. Eine Demokratie darf auch durchaus wehrheft sein, um sich gegen die zu verteidigen, die sie zerstören wollen.

Der Faschismus ist auch wehrhaft, denn auch er will sich nicht zerstören lassen. Man kann nichtmal argumentieren, daß sich die Demokratie nur verteidigt, der Faschismus aber angreift. Wie an Beispielen wie dem Irak oder Afghanistan zu sehen ist, wird die "Demokratie" (absichtlich in "") gewaltsam exportiert. Mich würde eine anonyme Volksbefragung interessieren, ob die Afghanen lieber unter den Taliban oder "unter" den Amis leben wollen. Der US-Argumentation ("den Afghanen geht es jetzt besser") trau ich nämlich nicht.

Ok, die Talibans als Faschisten zu bezeichnen, mag auf den 1. Blick seltsam anmuten, aber was sonst sind sie denn? Betrachtet man den Faschismus des 20. Jahrhunderts (1. Hälfte), stellt man fest, daß der deutsche Faschismus auf Expansion ausgelegt war ("Lebensraum im Osten"), der italienische (von Äthiopien mal abgesehen) aber eher nicht und der spanische auch nicht. Jedem Faschismus ist zueigen, daß er darauf beruht, Menschen, die nicht freiwilig mitmachen wollen, zum Mitmachen zwingen zu wollen.

Es wäre gut, wenn alle Menschen so leben könnten, wie sie es wollen. Ich kenne derzeit keine einzige Staats- oder Gesellschaftsform, die das gewährleistet. Für Hinweise darauf wäre ich also dankbar. Wenn eine Demokratie sagt: "Jeder kannst leben, wie Du willst, nur nicht hier", ist das ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Staat ist eine Organisationseinheit, und innerhalb derselben Organisationseinheit verschiedene Formen der "Herrschaftsstruktur" zu handhaben, ist alles andere als praktikabel.

Sorry, für mehr fehlt mir grad die Zeit :(
 
In einer funktionierenden Demokratie (gibt's die?) gibt es keine Unterdrückung irgendeiner Meinung, weil die Argumente zählen, und sonst nix. Eine Demokratie darf auch durchaus wehrheft sein, um sich gegen die zu verteidigen, die sie zerstören wollen.

Du weichst einer klaren Antwort aus: soll die Demokratie das Denken von faschistischen Gedanken vor Gericht stellen oder nicht?
 
Denken kann man nicht vor Gericht stellen (geht schon technisch nicht, wenn man keinen Gedanken-Lese-Apparat nutzt), nur was geäußert wird, kann man be- und verurteilen. Solange nur gedacht wird, geht auch keine Gefahr für nix und niemanden davon aus. Scheungraber und seine Kumpanen belassen es aber nicht beim Denken, sondern äußern ihre Ansichten auch öffentlich. Und dagegen soll eine Demokratie m. E. auch gerichtlich vorgehen können.
 
Zuletzt bearbeitet:
Du meinst Freisler & Cons.? Was hatte der Volksgerichtshof mit nem Gericht gemeinsam - außer dem Namen?
 
Wenn Du jede Meinung zuläßt, dann auch die, daß DU Deine Meinung nicht sagen darfst?

Klar darf jemand die Meinung haben. Er darf sie nur nicht gewaltsam durchsetzen.

Aber mich kann gerne versuchen jemand mit Argumenten zu überzeugen, dass ich meine eigene Meinung nicht sagen darf. Wenn ich der Meinung bin er hat recht, werde ich diese Auffassung ebenfalls vertreten und sollte irgendwann die Mehrheit der Menschen in einem Land diese Auffassung vertreten wird sie wohl auch durchgesetzt werden.

Im Ideal wird es aber nicht mehr nötig sein irgendwelchen Menschen irgendwelche Meinungen zu verbieten, weil im Ideal irgendwann die Menschen einen Weg gefunden haben, der für alle optimal scheint.

Übrigens machst du ja bei den Faschisten nichts anderes. Du willst ihnen gerichtlich verbieten, dass sie ihre Meinung sagen dürfen. Du lässt diese Meinung also nicht nur zu, du vertrittst sie auch noch!
 
Klar darf jemand die Meinung haben. Er darf sie nur nicht gewaltsam durchsetzen.

Übrigens machst du ja bei den Faschisten nichts anderes. Du willst ihnen gerichtlich verbieten, dass sie ihre Meinung sagen dürfen. Du lässt diese Meinung also nicht nur zu, du vertrittst sie auch noch!
Die Erfahrung lehrt mich, daß Faschisten es mit ihrer Meinung nicht beim Sagen belassen, wenn man sie nicht frühzeitig (nämlich schon beim Sagen) stoppt. Die NSDAP wurde (zu) lange nicht für voll genommen.

Seine Meinung haben soll jeder dürfen. Seine Meinung sagen können muß der nicht dürfen, der sagt, daß andere keine eigene Meinung haben dürfen und sie erst recht nicht sagen dürfen sollen (ich hoffe, man kann's verstehen).