Du glaubst ernsthaft, die Mehrheit der Wähler würde sich Gedanken über die Finanzierung der Ziele der von ihnen präferierten Partei machen? Die Wähler wählen eine Partei, weil sie etwas versprochen bekommen. Wenn die FDP in den Wahlkampf geht mit einer Forderung nach einfachen Steuersystemen mit 18%, 28% und 38% als Steuersätze, dann fragt auch kein Wähler, ob das alles durchdacht und finanzierbar ist oder ob vielleicht 22,32,42 besser wären, oder? Warum also bei der Linken?Verwunderlich von der Seite, dass (wie Du schon sagst) sich scheinbar keiner der Linken-Wähler Gedanken gemacht hat, welche Auswirkungen die Umsetzung der Forderung dieser Partei bedeuten würde.
Nein, die Linken sind für diese Leute keine Protestpartei, sondern die einzig verbliebene Alternative. Wer heute soziale Themen vertreten haben möchte in der Politik, der kann nur noch die Linke wählen. Die Rentner, die Arbeitslosen, Alleinerziehende Mütter... wer besetzt denn diese Themen besser als die Linke? Mit "besetzen" meine ich übrigens nicht "sinnvoll und gut vertreten", sondern einfach "auf die Tagesordnung bringen".Einfach nur "Opposition" zu wählen in dem Gefühl "Ui - endlich jemand der die Grossen ärgern kann" zeugt von wenig Weitblick.
Was ist an dieser Forderung so schlimm? Man könnte diese "Umlagenfinanzierung" ja mal mit Beamten, Selbstständigen und unter Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze durchrechnen... Ich habe es nicht gemacht, aber Fakt ist doch, dass unser Rentensystem seit 2 Jahrzehnten nur noch durch extreme Steuerzuschüsse finanziert werden kann. Ist das besser?Bestes Beispiel dafür ist die Forderung der Linken, einer steuerfinanzierten Angleichung der Renten in Ost & West und die Abschaffung der Riesterrente zugunsten einer "solidarisch Umlagenfinanzierung".
Das siehst Du so, ich könnte mir da auch andere Dinge vorstellen, siehe oben. Besser als "Die Rente ist sicher!" ist das allemal."Solidarische Umlagenfinanzierung" das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen ...
Einzige Möglichkeit dies zu erreichen ist die drastische Anhebung der Rentenbeiträge und das für alle weil solidarisch.
Auch hier wieder: Kennst Du Fälle, wo man es versucht hat und es nicht funktioniert hat? Der umgekehrte Versuch hat ja auch noch nicht stattgefunden. Warum also verurteilen, was man noch nicht probiert hat?Die hanebüchne Forderung der Linken nach einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich um die Arbeitslosigkeit zu verringern verursacht bei mir immer noch das Gefühl, fast vor Lachen zu platzen und mir gleichzeitig vor Fassungslosigkeit an den Kopf zu fassen.
Und wieso sollte man Wähler dafür verurteilen, dass sie solch eine Partei wählen? Immerhin versucht man dort, mal andere Gedankengänge zu gehen und nicht immer nur "Unternehmenssteuern und Löhne runter = Arbeitsplätze rauf" zu propagieren. Dass das nicht funktioniert, haben wir gesehen.
Marty