In meinem ersten Post war ich ja den Gebühren einigermaßen aufgeschlossen, wenn auch mit der Kritik verbunden, dass sich dadurch nicht wirklich was verbessert habe. Nun, wo ich gehört habe, aus welchen furchtbaren Begründungen heraus andere für Gebühren sind und mit welchen Vorurteilen und Ahnungslosigkeiten sie aus mangelnder Bildung heraus auf Abiturienten und Studenten blicken, wird mir echt anders zumute.
Naja, was heißt Vorurteile.
Nachdenken und recherchieren
Im Beratungsgespräch wird ein Prozess angestoßen, der Ratsuchende muss aber bereit sein, zu Hause selbstständig weiterzuarbeiten. Denn bevor man sich für ein Fach entscheidet, sollte man sicher sein, dass die Vorstellungen richtig sind und die Studieninhalte einen nicht überfordern. Obwohl die Zahl der Studienabbrecher zurückgeht, geben nach aktuellen Berechnungen der Hochschulinformations-System GmbH (HIS) immer noch 21 von 100 Studierenden, die zwischen 1999 bis 2001 ihr Studium begonnen haben, ihr Erststudium ohne Examen auf.
1/5 brechen das Studium ab. Finde ich schon recht hoch.
Welcher vernünftige Mensch im 21. Jahrhundert will denn bitte noch bestreiten, dass Bildung der wichtigste "Rohstoff" der Zukunft ist, und man alles dafür tun muss, diese möglichst zu verbessern? Wir müssen als Wirtschaftsnation immer ganz vorne in der modernen Technologie mitspielen, wenn wir weiter Exportnation und Wirtschaftsmacht bleiben wollen, mit allen Vorteilen und Bequemlichkeiten, die das mit sich bringt. Deshalb darf in der Bildung nicht gespart werden. Das gilt für Studium, Berufsausbildung, Weiterbildung. Jeder sollte dafür nur so viel beisteuern müssen, wie er tragen kann. Verschuldung wegen Bildung sollte die Ausnahme sein. Keiner sollte gezwungen sein, große Kredite aufnehmen zu müssen, nur um eine Berufsqualifizierung zu erlangen. Ein Abiturient kann nunmal ohne Erstausbildung keinen Beruf ergreifen. Er ist auf staatliche Unterstützung angewiesen. Ob er später mal, wenn er gut verdient, etwas extra zahlen sollte, steht auf einem anderen Blatt. Die derzeitigen Studiengebühren belasten diejenigen, die aufgrund ihres Bildungsweges sowieso schon finanziell schlecht gestellt sind.
Niemand wird dies bestreiten. Von mir aus könnte auch jedem erfolgreichen Studenten, welcher nicht genügend verdient, die Kredite wieder erlassen werden. Aber Quantität war noch nie Qualität. Und meines erachtens ist Qualität wichtiger. Soll ja nun auch nicht heißen, dass alle Studenten schlecht sind, aber die eben genannte Zahl der abspringer find ich extrem hoch. In der Schweiz gab es dazu mal ein nettes Konzept von staatlich Zinsfreien Krediten, die nur zurück bezahlt werden müssen, wenn man ein gewisses Einkommen erreicht. Da wären auch weniger Ängste da denke ich.
Mockingbird schrieb:Außerdem gehst du mir an das Studium viel zu idealistisch dran, kein "logisch denkender Mensch" würde bei der Wahl studieren/nicht studieren nur berücksichtigen ob man es sich zutraut, sondern auch alle anderen Faktoren berücksichtigen.
Vielleicht liegt es daran, dass ich einige Menschen kenne die studieren. Keiner bekommt sein Studium durch seine Eltern finanziert und alle schaffen es dennoch die nun anfallenden Studiengebühren aufzutreiben. Bei Schulden sind Perspektiven immer wichtig. Daher ist schon wichtig mit welcher Einstellung man ins Studium geht.
Ihr sagt: Studiengebühren sollten den Finanzhaushalt des Staats entlasten, der nicht genug Geld hat. Dann sagt ihr, der Staat soll zinslose Kredite für Studenten bewilligen, die nur im "Erfolgsfall" zurückgezahlt werden müssen.