Filmkritik - Love is the Devil - Studie für ein Portrait von Francis Bacon (1998)
 
 

Love is the Devil - Studie für ein Portrait von Francis Bacon

DVD / Blu-ray :: IMDB (6,6)
Original: Love Is the Devil - Study for a Portrait of Francis Bacon
Regie: John Maybury
Darsteller: Anne Lambton, Adrian Scarborough
Laufzeit: 87min
FSK: ab 16 Jahren
Genre: Drama (Großbritannien)
Filmstart: 01. Oktober 1998
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Swinging London, 1964: Der junge George Dyer (Daniel Craig), ein kleiner Ganove aus dem Londoner East End, bricht ins Haus des Künstlers Francis Bacon (Derek Jacobi) ein, stürzt dabei durchs Oberlicht in dessen Atelier und wird von Bacon überrascht. Statt den Eindringling jedoch der Polizei auszuliefern, macht der Künstler ihn zu seinem Liebhaber. Bacon, erfolgreich und umstritten, ist Zentrum einer Bohème von Künstlern, Fotografen, Literaten, Modellen und Lustknaben, die ihn hofieren und um seine Aufmerksamkeit buhlen. Dyer, der Kleinkriminelle aus dem Arbeiterviertel, entdeckt eine neue Welt: Eine Welt, in der er sich unwohl fühlt, die ihn jedoch magisch anzieht. Beim Sex mit dem Masochisten Bacon übernimmt der junge Proletarier die dominante Rolle; und so glaubt er, auch den Rest unter Kontrolle zu haben: »Ich hab’ das Sagen«, behauptet er gegenüber seinen alten Freunden, die ihn, verständnislos und angewidert, vor seinem neuen Umgang warnen. Bacon hingegen pariert die höhnischen Kommentare seiner Clique über den Mangel an intellektueller Brillanz seines Lovers: »George hat Qualitäten – eine Mischung aus Amoral und Unschuld.« Dyer wird zur Muse des Malers; »ein gewöhnlicher Raufbold, transformiert zum Erzengel«. Er inspiriert den Künstler zu einigen seiner besten und erfolgreichsten Portraits und genießt die Aufmerksamkeit, die Bacon ihm als Modell schenkt. Doch im »Colony Room«, Bacons Lieblingsbar, die das Paar häufig besucht, bleibt er eine Randfigur im Schatten des Meisters und seiner intellektuellen Freunde. Bacon wird als »größter Maler der Welt« im britischen Fernsehen gefeiert – Dyer, Inhalt seiner Bilder, spült das Geschirr und befriedigt den sexuellen Appetit des Künstlers. Als Bacon gefragt wird, ob er in seinen Bildern seine Gefühle zeige, ist die rüde Antwort: »Ich zeige lieber zwei fickende Männer.« Das Wechselbad aus Zärtlichkeit und Kaltherzigkeit zehrt an Dyer, der seine alten Freunde aufgab, ohne neue zu finden. Langsam verliert er jeden Halt. Er leidet unter Alpträumen und betäubt sich durch immer exzessiveren Konsum von Alkohol und Drogen. Bacons Affären mit anderen Männern steht er in hilfloser Eifersucht gegenüber; verzweifelt wehrt er sich gegen die Sticheleien aus Bacons Freundeskreis: »Ihr habt keine Ahnung, was zwischen Francis und mir vorgeht.« »Ich werde bald sterben«, behauptet Dyer gegenüber Bacon, und der erwidert: »Ich werd’ Dir einen Leichenwagen schicken.« Der Maler zeigt sich zunehmend angeödet von seinem Lebensgefährten; gleichzeitig jedoch nutzt er Dyer weiter für seine Kunst, indem er seine Qual und Zerrissenheit in seinen Bildern zum Ausdruck bringt: »Es gibt keine Schönheit ohne Wunde.« Um endlich Aufmerksamkeit zu erregen, erstattet Dyer Anzeige wegen Drogenbesitzes gegen Bacon. Bei der Durchsuchung von dessen Haus findet die Polizei tatsächlich Drogen – sie gehören Dyer. Bacon reagiert auf solche Eskapaden mit Nonchalance und üppigen Geldgeschenken, aber nicht, wie Dyer stets erhofft, mit verstärkter Zuneigung. Bacon ist sich des Dilemmas durchaus bewusst, doch er weiß sich und seinem Geliebten nicht zu helfen: »Trage ich einen zerstörerischen Dämon in mir, oder ist einfach die Liebe der Teufel?« Bei einem Aufenthalt in New York wird Bacon von der Meldung überrascht, dass Dyer sich gerade vom »Seagram«-Hochhaus stürzen will. Dyer, völlig berauscht, lässt sich schließlich retten. Der Künstler glaubt, dass sein Freund sich nicht wirklich umbringen wollte, sondern nur den dramatischen Effekt suchte. Der Lebemann Bacon will seinen Lover nun endgültig loswerden – doch der Maler Bacon will sein Modell behalten. In Paris wird eine große Retrospektive seines Werkes vorbereitet. »Du wirst im Grand Palais hängen, George – das ist viel schicker, als aus einem Hotel auf der falschen Seite Manhattans zu hängen!« Dyer will trotzdem nicht mitkommen, aber Bacon insistiert: »Natürlich kommst Du mit – Du bist die Ausstellung!« 1971, im Grand Palais in Paris: Die Vernissage der Retrospektive gerät zum grandiosen Triumph für Bacon; endgültig und weltweit ist er nun als »der größte unter den lebenden Malern« anerkannt. Dyer ist nicht erschienen; im Hotelzimmer würgt er zur selben Zeit einen todbringenden Cocktail aus Alkohol und Tabletten hinunter. Nur so gelingt es ihm, die Verbindung zu lösen. Bacon trauert, auf seine eigene Art: »Die Sonne verzehrt sich… Es ist das einzige, was gewiss ist im Leben – dass alles erlischt, dass alles stirbt.«

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