Filmkritik - Johannes der XXIII - Für eine Welt in Frieden (2003)
 
 

Johannes der XXIII - Für eine Welt in Frieden

DVD / Blu-ray :: :: IMDB (7,0)
Original: Il Papa buono / The good Pope
Regie: Ricky Tognazzi
Darsteller: Carlo Cecchi, Francesco Carnelutti
Laufzeit: 103min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Drama, Biografie (Italien)
Verleih: Central
Filmstart: 04. August 2005
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Es sind Tausende. Schweigende, betende Menschen auf dem Petersplatz in Rom. Es ist der 2. Juni 1963. In seiner Wohnung im Apostolischen Palast ringt Papst Johannes XXIII. (Bob Hoskins), den die Gläubigen "Guter Papst" nennen, mit dem Tod. Vergeblich versucht Kardinal Mattia Carcano (Carlo Cecchi) zum Sterbenden vorzudringen. Geplagt von Trauer und schlechtem Gewissen verfasst der Kardinal in dieser Nacht einen langen Brief des Abschieds an den Papst. Einen Brief, in dem er um Verzeihung bittet, für den Verrat an seinen Freunden. Denn einst waren sie Freunde, der Papst, der Kardinal und einer, der heute keine Kirche mehr betreten darf. Als Angelo, Mattia und Nicola (Francesco Venditti) haben sie sich damals im Priesterseminar kennengelernt. Damals, vor fast einem Menschenleben. Es wird eine lange Nacht… Priesterseminar Rom, 1904. Sie sind unzertrennlich: der tiefgläubige Bauernsohn Angelo Giuseppe Roncalli, der ehrgeizige und konservative Mattia und der freidenkende und philosophisch interessierte Nicola. Doch schon bald fallen dunkle Schatten auf die unbeschwerte Freundschaft. Der reformhungrige Nicola wird aufgrund seiner „modernistischen“ Ansichten an ein anderes Priesterseminar strafversetzt und fortan können sich die Freunde nur noch heimlich treffen: Nicolas liberale Geisteshaltung gilt in Kirchenkreisen als höchst verdächtig, wenn nicht gefährlich. Bald gerät auch Angelo in die Kritik seiner Kirche: Als er als junger Sekretär des Bischofs von Bergamo (Ricky Tognazzi) bei einem Streik den Dialog mit den demonstrierenden Arbeitern sucht, wird ihm fehlende Distanz zu politischen Aufrührern vorgeworfen. Mattia erhält von seinem konservativen Onkel, einem katholischen Würdenträger, den eindringlichen Rat, den Kontakt zu Angelo Roncalli zu meiden. Mattia fügt sich und verrät so den Freund zum ersten Mal - um seiner Karriere willen. Roncalli selbst lässt sich nicht einschüchtern. Er versteht seinen bedingungslosen Glauben als Auftrag auch politisch zu handeln und rettet als Apostolischer Delegat für die Türkei und Griechenland 1934 in letzter Minute das Leben von 600 todgeweihten jüdischen Kindern. Dies gelingt dem schlitzohrigen Glaubensmann durch eine List, mit der er den deutschen Botschafter Franz von Papen (Erland Josephson) auf seine Seite zieht. Übrigens wird er nach dem Krieg von Papens Hilfe nicht vergessen: Seine positive Stellungnahme bewahrt von Papen vor einer Verurteilung in den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen. Während Roncallis konsequentem Aufstieg in der katholischen Kirche - nach einigen Jahren als Nuntius von Paris wird er, jetzt Kardinal, Patriarch von Venedig - kreuzen sich die Lebenswege von Mattia, Angelo und Nicola immer wieder auf höchst unterschiedliche Weise. Während Angelo und Mattia Karriere gemacht haben, ist Nicola aufgrund seiner reformerischen Vorstellungen exkommuniziert worden. Ihm bleibt fortan der Zutritt zu jeglicher Kirche versagt. In Venedig versucht er, Kontakt zu Angelo aufzunehmen und bittet Mattia, der Roncalli - wie stets erfüllt von Neid und Bewunderung - in päpstlichem Auftrag besucht, einen Brief zu übermitteln. Obgleich er es verspricht, wird Mattia dieser Bitte niemals Folge leisten. So verrät er die Freundschaft ein zweites Mal. Als Johannes XXIII. am 28. Oktober 1958 zum Papst gewählt wird, steht Nicola unerkannt in der Menge auf dem Petersplatz - während Mattia vom neuen Papst zum Kardinal ernannt wird. Auch als Papst verleugnet Angelo Roncalli nicht seine Herkunft als einfacher Mann aus dem Volke. Er nimmt die Aufgaben des Bischof von Rom genauso ernst wie die des Pontifex. Seelsorge ist ihm ein Hauptanliegen und er pflegt den zwischenmenschlichen Kontakt, indem er in Gefängnissen das Gespräch mit Häftlingen sucht oder todkranke Kinder im Krankenhaus besucht. Kaum auf dem Petrusstuhl, macht sich der 77jährige gegen den Widerstand vieler Kardinäle an die Realisierung seiner Vision von einem internationalen Konzil. Bereits vom Magenkrebs gezeichnet, begleitet er die Vorbereitungen zu diesem 2. Vatikanischen Konzil, mit dem es ihm gelingen soll, die verstaubten Fenster der Kirche weit aufzureißen. Tausende Bischöfe aus aller Welt kommen nach Rom und die Römer feiern den Beginn des Konzils mit einem Fackelzug. Der Papst steht an seinem Fenster und richtet seine Worte an die Welt: "Meine lieben Kinder, ich höre eure Stimmen. Meine Stimme ist nur eine, aber sie fasst die Stimme der ganzen Welt zusammen; hier ist in der Tat die ganze Welt versammelt. Es scheint, als habe sich heute Abend auch der Mond beeilt... Wir beschließen einen großen Tag des Friedens, ja des Friedens: Ehre sei Gott, und Frieden den Menschen, die guten Willens sind..." Das Ende des Konzils wird der todkranke Papst nicht mehr erleben. Es ist unerhört! Während Ereignisse wie der Bau der Berliner Mauer und der Krieg in Vietnam die Welt erschüttern, ruft Johannes XXIII. "alle Menschen guten Willens" zu einer internationalen Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit im Sinne der Menschenrechte auf! Als wenig später die Welt im Oktober 1962 mit der Kuba-Krise an der Schwelle zu einem Atomkrieg steht, wiederholt der Papst seine Botschaft und versucht, zwischen dem sowjetischen Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow und dem US-Präsidenten John F. Kennedy zu vermitteln. Die Zeit wird knapp für den kranken Pontifex. Er bricht zusammen und wird bettlägerig. Seine engsten Vertrauten sind bei ihm: Sein Sekretär Loris Capovilla (Roberto Citran) und sein Diener Guido Gusso (Sergio Bustric). Auch Kardinal Mattia weiß, dass es nur noch eine letzte Möglichkeit gibt, dem Jugendfreund die lebenslange Hassliebe und seinen Verrat am gemeinsamen Freund Nicola zu gestehen. Endlich ruft Papst Johannes XXIII. seine Kardinäle nach der letzten Ölung zu sich. Vor dem Eingang zum Apostolischen Palast tritt plötzlich eine Gestalt in den Weg des Kardinal Mattia: Es ist Nicola, der den vermeintlichen Freund bittet den Sterbenden zu grüßen. Diesmal schlägt Mattia Nicolas Bitte nicht ab. Er tritt an das Bett des Papstes mit den Worten: "Nicola ist draußen und wacht." Am Abend des 3. Juni 1963 stirbt Papst Johannes XXIII. - betrauert von der Welt und seinen Freunden. Seine Botschaft für Frieden jedoch lebt weiter...

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