Zollstreit sorgt für Unruhe auf den europäischen Börsen: DAX und MDAX unter Druck
Die erneuten Sorgen um Zölle haben den deutschen Aktienmarkt nachhaltig belastet. Nachdem der DAX bereits zu Wochenbeginn unter die wichtige Marke von 25.000 Punkten gefallen war, setzt sich die Korrektur seiner jüngsten Rekordjagd fort. Analytische Blicke auf die Kursbewegungen zeigen, dass er erstmals seit Dezember seine 21-Tage-Durchschnittslinie unterschritten hat, die als Indikator für kurzfristige Trends dient. Im frühen Handel gab der DAX um 1,1 Prozent auf 24.682 Punkte nach. Noch in der Vorwoche hatte er einen Höchststand von 25.507 Punkten verzeichnet. Auch der MDAX lag mit einem Rückgang von 1,3 Prozent auf 30.970 Punkten unter Druck, während der EuroStoxx 50 um 0,9 Prozent fiel, nachdem er ebenfalls zuvor Rekorde erzielt hatte.
Der Auslöser für diese Bewegung war US-Präsident Donald Trump, der wegen des Streits um Grönland neue Strafzölle ankündigte. Diese sollen zunächst im Februar eingeführt und bis Juni weiter erhöht werden, sofern keine Einigung über einen Erwerb Grönlands durch die USA zustande kommt. Die Zölle betreffen acht europäische NATO-Staaten, darunter Deutschland.
Beata Manthey von der Citigroup weist auf die negativen Auswirkungen hin, die der Konflikt auf die europäische Wirtschaft haben könnte. Sie hat ihre Empfehlung für kontinentaleuropäische Aktien auf neutral zurückgesetzt – ein Schritt, den sie seit über einem Jahr nicht mehr getan hat. Besonders skeptisch zeigt sie sich gegenüber der Automobil- und Chemiebranche, wo sie Schwierigkeiten bei der Gewinnentwicklung sieht.
Anders sieht es Marina Zavolock von Morgan Stanley: Trotz der Herausforderungen könnten positive Impulse für die europäische Eigenständigkeit und die Reformagenda entstehen. Am Vortag hatten vor allem Auto- und Technologiewerte gelitten. Der Automobil-Index drohte, auf den niedrigsten Stand seit Oktober zu fallen. Doch einige Unternehmen erholen sich langsam. BMW konnte zulegen, während Mercedes und VW ihre Vortagestiefs hinter sich ließen. Adidas schaffte es, sich knapp über dem Vorjahrestief zu stabilisieren, während Siemens Energy von Gewinnmitnahmen betroffen war. Die Aktie hatte seit ihrem Rekordhoch im Vorjahr beeindruckende Gewinne erzielt.
Im Gegensatz dazu fiel FMC auf den tiefsten Punkt seit Herbst 2024 zurück, da laut Richard Felton von Goldman Sachs der Gegenwind für den Dialysekonzern zugenommen hat. Auch Hypoport geriet unter Druck. Die Aktien fielen um 12 Prozent und näherten sich einem Zwischenhoch aus dem November. Das Unternehmen spürt einen leichten Rückgang bei der Nachfrage nach Immobilienkrediten im vierten Quartal. Auf der positiven Seite steht Salzgitter, dessen Aktien ein neues Hoch seit 2018 erreichten, nachdem Oddo BHF seine Einstellung positiv geändert und eine Empfehlung ausgesprochen hat.

