XRP 2026 unter Druck: Analyst warnt vor fehlenden Kurstreibern und möglichem Rückfall auf 1 Dollar
Rally ohne Anschlussfantasie?
Die Hoffnungen vieler XRP-Anleger auf eine Fortsetzung der starken Kursentwicklung ins Jahr 2026 hinein bekommen einen Dämpfer. Der US-Finanzanalyst Sean Williams (The Motley Fool) erwartet, dass der Token im laufenden Jahr deutlich unter Druck geraten könnte – mit einem möglichen Rückfall bis auf 1 US-Dollar.
Sein zentrales Argument: Die außergewöhnliche Abfolge positiver Nachrichten, die XRP seit Ende 2024 getragen hat, ist weitgehend abgearbeitet. Neue, vergleichbar starke Katalysatoren seien derzeit nicht in Sicht.
Die Rally-Treiber sind eingepreist
Williams verweist auf drei Schlüsselfaktoren, die den Kurs in den vergangenen 14 Monaten beflügelt haben:
- Der Wahlsieg Donald Trumps im November 2024, der an den Kryptomärkten als Signal für eine regulatorisch freundlichere Gangart interpretiert wurde.
- Das Ende des jahrelangen Rechtsstreits zwischen Ripple und der US-Börsenaufsicht SEC, das die größte juristische Unsicherheit aus dem Markt nahm.
- Die Zulassung von XRP-Spot-ETFs im November 2025, die innerhalb weniger Wochen Nettozuflüsse von über einer Milliarde US-Dollar verzeichneten.
Diese Faktoren hätten, so Williams, einen perfekten Sturm aus Euphorie, Rechtssicherheit und institutionellem Kapital ausgelöst. Genau darin liege nun aber das Problem: Ein Großteil der guten Nachrichten sei bereits in den Kursen reflektiert.
Zweifel an der realen Nutzung
Kritisch sieht der Analyst zudem die fundamentale Nachfrage. Zwar wirbt Ripple seit Jahren mit dem Einsatz von XRP im internationalen Zahlungsverkehr, doch die Realität bleibe überschaubar:
- Rund 300 Finanzinstitute nutzen aktuell den XRP Ledger.
- Dem stehen über 11.000 Banken gegenüber, die weiterhin auf das SWIFT-System setzen.
- Zudem ist der Einsatz von XRP als Brückenwährung im Ripple-Netzwerk technisch nicht zwingend erforderlich.
Williams stellt deshalb die These in Frage, dass XRP über eine tragfähige, eigenständige Wertbasis verfügt. Ohne klaren Nutzungszwang könne die Kryptowährung im nächsten Abschwung schnell an Attraktivität verlieren.
Erste Risse bei den ETFs
Auch die institutionelle Nachfrage zeigt erste Ermüdungserscheinungen. Am 7. Januar 2026 verzeichneten die US-XRP-Spot-ETFs erstmals seit ihrem Start Nettoabflüsse in Höhe von 40,8 Millionen US-Dollar – und beendeten damit eine Serie von 36 Handelstagen ohne Mittelabzug. Zwar liegen die kumulierten Zuflüsse weiterhin bei rund 1,2 Milliarden Dollar, doch der Trendwechsel nährt Zweifel an der Nachhaltigkeit des Interesses.
Historisch schwacher Jahresauftakt
Der Blick auf die Kursgeschichte mahnt ebenfalls zur Vorsicht:
- Allzeithoch: 3,65 US-Dollar (Juli 2025)
- Jahresschluss 2025: 1,84 US-Dollar
- Q4 2025: rund –8 Prozent
- Median-Rendite im Januar (12 Jahre): –7,8 Prozent
Zwar erholte sich XRP Anfang Januar 2026 kurzfristig um etwa 25 Prozent auf rund 2,30 US-Dollar. Analyst Ray Youssef rechnet jedoch mit einer Seitwärtsphase zwischen 2 und 2,50 Dollar – solange kein neuer makroökonomischer oder regulatorischer Impuls entsteht.
Krypto ohne Story tut sich schwer
Die Warnung von Sean Williams läuft auf eine nüchterne Kernthese hinaus: Märkte brauchen Narrative und Katalysatoren. Für XRP waren diese in den vergangenen Monaten außergewöhnlich stark – politische Wende, juristischer Befreiungsschlag, ETF-Zulassung. Für 2026 fehlen bislang vergleichbare Treiber.
Sollte sich der Kryptomarkt insgesamt abkühlen und in eine neue Konsolidierungs- oder Korrekturphase eintreten, könnte XRP überproportional leiden. Ein Rückfall in Richtung 1 US-Dollar wäre dann kein Ausreißer, sondern eine Rückkehr in einen Bewertungsbereich, in dem die Euphorie der vergangenen Rally nicht mehr eingepreist ist.


