We Were Here Tomorrow – PS5 Review

03. November 2026, 13:45 Uhr · Quelle: DailyGame.AT
We Were Here Tomorrow – PS5 Review
Foto: Dailygame
Ein Escape Room Abenteuer dass mit den Gesetzen der Physik spielt.

Zwei Spieler, zwei Bildschirme und jede Menge Rätsel, die einem ordentlich den Kopf zerbrechen können. We Were Here Tomorrow schickt uns in ein futuristisches Escape-Room-Abenteuer, bei dem Kommunikation mindestens genauso wichtig ist wie logisches Denken. Wir haben uns auf der PS5 Pro durch Schaltkreise, Chemikalien und verdrehte Schwerkraft gearbeitet… und hatten dabei auch richtig Spaß.

Ich liebe Escape Rooms. Dieses gemeinsame Herumrätseln, das gegenseitige Erklären, die manchmal völlig absurden Lösungsansätze und vor allem diesen einen Moment, wenn nach einer gefühlten Ewigkeit plötzlich der Groschen fällt. Genau dieses Gefühl bringt die We Were Here-Reihe seit Jahren auf den Bildschirm. Und das gelingt ihnen ziemlich gut.

Mit einem früheren Teil hatte ich bereits gemeinsam mit meinem besten Freund meinen Spaß. Also war recht schnell klar, dass ich mir auch We Were Here Tomorrow mal anschaue. Natürlich wieder mit demselben Freund. Immerhin wissen wir mittlerweile, dass wir gemeinsam einigermaßen brauchbar rätseln können. Meistens zumindest…

We Were Here Tomorrow – Die Story

Die Geschichte führt uns diesmal in eine mysteriöse, retrofuturistische Forschungseinrichtung von Norček Industries. Zwei Personen erwachen dort, ohne wirklich zu wissen, wie sie hingekommen sind. Eine geheimnisvolle Stimme führt uns durch verschiedene Aufgaben und nach und nach sollen wir herausfinden, was hinter der Einrichtung und ihren Experimenten steckt.

Zumindest glaube ich, dass das ungefähr die Geschichte ist.

Denn ich muss gestehen, dass die Handlung ziemlich an mir vorbeigeht. Sie wird in kleinen Häppchen erzählt, häufig durch eine Stimme, die sich genau dann zu Wort meldet, wenn ich eigentlich gerade damit beschäftigt bin, das nächste Rätsel zu verstehen. Meine Aufmerksamkeit liegt dann definitiv woanders.

Das ist natürlich irgendwo schade, denn die Entwickler haben sich offensichtlich Gedanken über ihre Spielwelt gemacht. Gleichzeitig hat mich die Geschichte bisher erstaunlich wenig interessiert. Ich will wissen, was dieser verdammte Schalter macht, warum die Maschine nicht funktioniert und weshalb mein Spielpartner etwas völlig anderes sieht als ich.

Und damit wären wir eigentlich schon beim „Catch“ des Spiels.

Unten ist Oben in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Unten ist Oben in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Zwei Spieler, zwei Bildschirme und ein holpriger Start

Bevor wir allerdings überhaupt rätseln konnten, mussten wir erst einmal ins Spiel kommen. Klingt selbstverständlich? War es bei uns leider nicht.

We Were Here Tomorrow ist ein reines Online-Koop-Spiel für exakt zwei Personen. Beide brauchen eine eigene Kopie des Spiels, ein eigenes Gerät und natürlich die Möglichkeit, miteinander zu sprechen. Bei einem regulären Preis von 19,99 Euro pro Exemplar (zwar echt nicht die Welt aber…) sollte man das vor dem Kauf berücksichtigen.

Was mich allerdings wirklich überrascht hat, war der erste Spielstart. Nach der Installation begrüßte uns ein unglaublich langer Ladebildschirm. Anschließend erwies sich auch das Hinzufügen meines Freundes und das Einladen in eine gemeinsame Partie als unnötig umständlich, obwohl wir bereits über das PlayStation Network miteinander verbunden waren.

Vom Starten des Spiels bis zu unserer ersten gemeinsamen Spielminute vergingen ungelogen rund 20 Minuten.

Zwanzig Minuten! Ich kann mich kaum erinnern, wann ich zuletzt so lange gebraucht habe, um überhaupt in ein Spiel zu kommen.

Wir hatten bereits die Befürchtung, dass uns diese Prozedur jedes Mal erwarten würde. Glücklicherweise war das nicht der Fall. Sämtliche späteren Starts funktionierten wesentlich schneller und auch das gemeinsame Spielen ging anschließend problemlos von der Hand.

Ob das nun ein Problem unserer Vorabversion war oder auch andere Spieler beim ersten Start betrifft, kann ich nicht beurteilen. Erwähnen will ich es trotzdem. Anfangs habe ich außerdem darüber geflucht, dass es keinen Couch-Koop-Modus gibt. Ein Spiel für zwei Personen, das man nicht gemeinsam auf dem Sofa spielen kann? Schade!

Nachdem wir allerdings die ersten Rätsel gelöst hatten, war mir vollkommen klar, weshalb die Entwickler darauf verzichten. Mein letztes We Were Here game war eindeutig zu lange her.

Der Reaktor dreht durch in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Der Reaktor dreht durch in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Wenn eine einzige Linie den Unterschied macht

Das Besondere an We Were Here Tomorrow , bzw an der ganzen Reihe, ist die asymmetrische Spielweise. Beide Spieler befinden sich oftmals an unterschiedlichen Orten oder betrachten denselben Raum aus völlig verschiedenen Perspektiven. Jeder hat Informationen, die dem anderen fehlen.

Man ist also darauf angewiesen, seinem Spielpartner möglichst genau zu erklären, was man sieht. Und mit genau meine ich wirklich GENAU.

Da kann eine einzelne Linie auf einem Symbol darüber entscheiden, ob man den richtigen Knopf erwischt oder wieder einmal völlig auf dem Holzweg ist.

Wer schon einmal versucht hat, jemandem telefonisch eine komplizierte Zeichnung zu beschreiben, dürfte ungefähr wissen, wovon ich spreche. Wir hatten vom Weber Grill mit Antenne bis hin zum Hinternsymbol so ziemlich Alles dabei.

Und genau deshalb würde ein Splitscreen hier vieles kaputtmachen. Könnte ich ständig sehen, was mein Freund auf seinem Bildschirm hat, wären zahlreiche Rätsel innerhalb weniger Sekunden gelöst. Stattdessen müssen wir uns gegenseitig erklären, was wir entdecken, verschiedene Informationen miteinander kombinieren und manchmal auch feststellen, dass wir die letzten zehn Minuten komplett aneinander vorbeigeredet haben.

Das sorgt durchaus für Frust. Allerdings für genau jene Art von Frust, die ich an guten Escape Rooms so liebe.

Wo geht es weiter in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Wo geht es weiter in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Die Rätsel selbst sind dabei wirklich stimmig und cool gestaltet. Thematisch bewegt sich das Spiel stark im technischen und futuristischen Bereich. Man beschäftigt sich mit Schaltkreisen, Platinen, Maschinen und dem Mischen verschiedener Chemikalien. Später wird es dann teilweise richtig abgedreht, buchstäblich.

Während mein Freund beispielsweise an der Decke eines Raumes herumspaziert, befinde ich mich aus seiner Sicht ebenfalls an der Decke. Nun sollen wir gemeinsam einen Laserstrahl durch verschiedene Mechanismen lenken, die sich aus unserer jeweiligen Perspektive völlig unterschiedlich darstellen.

Links, rechts, oben, unten… irgendwann muss man erst einmal verstehen, was für den jeweils anderen überhaupt oben und unten bedeutet. Das ist richtig cool gemacht.

Besonders gefällt mir dabei die Mischung aus unterschiedlich anspruchsvollen Aufgaben. Manche Rätsel versteht man relativ schnell. Ein kurzer Blick, ein bisschen logisches Denken und schon weiß man, was zu tun ist. Bei anderen sitzt man hingegen 15, 20 oder sogar 30 Minuten und überlegt, probiert, verwirft Ideen und beginnt wieder von vorne.

Bis plötzlich einer von beiden diesen einen Gedanken hat. Moment mal… was wäre, wenn wir das so machen? Und auf einmal ergibt alles einen Sinn.

Dieses Erfolgserlebnis ist großartig. Vor allem, weil man sich die Lösung tatsächlich gemeinsam erarbeitet hat. Die Entwickler von Total Mayhem Games verstehen wirklich etwas davon, dieses klassische Escape-Room-Gefühl in ein Videospiel zu übertragen.

Enjoy the Ride in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Enjoy the Ride in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Optisch schlicht, akustisch teilweise nervig

Wer bei We Were Here Tomorrow auf eine grafische Offenbarung hofft, wird allerdings enttäuscht werden. Die Optik ist relativ einfach gehalten, mit einem leicht cartoonartigen Stil und wenig aufwendigen Details. Technisch beeindruckend ist das alles nicht. Allerdings stellt sich für mich die Frage, ob ein Spiel wie dieses überhaupt eine aufwendigere Grafik braucht.

Muss ich wirklich jede einzelne Hautpore meiner Spielfigur erkennen können, während ich versuche, irgendeinen Schaltkreis richtig zu verbinden? Brauche ich wehende Haare, realistische Stoffsimulationen oder unglaublich detaillierte Oberflächen? Natürlich nicht.

Die grafische Gestaltung erfüllt ihren Zweck und passt zum Spiel. Ich würde die Optik keinesfalls als Stärke bezeichnen, sehe darin aber auch keinen wirklichen Kritikpunkt. Das Spiel braucht keine High-End-Grafik, um zu funktionieren. Es würde auch überraschend gut als VR Spiel funktionieren hatten wir beim Spielen fesztgestellt.

Bei der akustischen Gestaltung sieht die Sache für mich etwas anders aus. Die Soundkulisse ist größtenteils vollkommen belanglos. Oft fällt sie überhaupt nicht auf, was bei einem solchen Rätselspiel grundsätzlich kein Problem wäre. Allerdings gibt es immer wieder musikalische Einspielungen, die für mich überhaupt nicht zur jeweiligen Situation passen.

Da läuft plötzlich irgendeine merkwürdige Hintergrundmusik, während ich eigentlich nur in Ruhe überlegen möchte, wie ich das nächste Rätsel lösen kann. Mich hat das eher genervt.

Gerade weil die Kommunikation zwischen den Spielern so wichtig ist, hätte ich mir hier eine etwas zurückhaltendere und stimmigere akustische Gestaltung gewünscht. Die Musik hat mich bisher jedenfalls deutlich häufiger gestört als begeistert.

Eine Materiekanone in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Eine Materiekanone in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Ein Spiel, bei dem man auch einmal aufgeben muss… zumindest vorübergehend

Mittlerweile haben mein Freund und ich bereits einiges an Zeit in We Were Here Tomorrow verbracht und ich sehe aktuell noch kein Ende in Sicht.

Das liegt allerdings primär daran, dass uns manche Rätsel wirklich ordentlich beschäftigen.

Unsere letzte gemeinsame Sitzung haben wir beispielsweise an einem Punkt beendet, an dem wir einfach nicht mehr weiterwussten. Wir hatten verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, überlegt und diskutiert… aber die zündende Idee blieb aus.

Also haben wir abgeschaltet. Und ich freue mich jetzt schon darauf, beim nächsten Mal wieder genau dort weiterzumachen.

Das zeigt für mich ziemlich gut, was We Were Here Tomorrow richtig macht. Die Rätsel sind anspruchsvoll genug, um einen tatsächlich zu beschäftigen. Gleichzeitig hatte ich bisher nie das Gefühl, dass ich einfach nur wahllos irgendwelche Knöpfe drücken müsste, bis zufällig etwas funktioniert.

Man muss nachdenken. Man muss kommunizieren. Und manchmal muss man eben akzeptieren, dass man gerade einfach auf der Leitung steht.

Natürlich können wir die Geschichte und das gesamte Abenteuer noch nicht abschließend beurteilen, solange wir das Ende nicht erreicht haben. Für das bisherige Spielerlebnis kann ich allerdings bereits eine ziemlich klare Einschätzung abgeben.

Pinguine verboten in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Pinguine verboten in We Were Here Tomorrow © Total Mayhem Games, Screenshot: DailyGame

Lohnt sich We Were Here Tomorrow?

Wer gerne rätselt, Escape Rooms liebt und einen passenden Spielpartner zur Verfügung hat, wird mit We Were Here Tomorrow ziemlich sicher seinen Spaß haben.

Die Rätsel sind kreativ, teilweise wirklich knifflig und nutzen das Zusammenspiel zweier Menschen hervorragend aus. Es macht Spaß, sich gegenseitig durch die verschiedenen Aufgaben zu lotsen und gemeinsam herauszufinden, was die Entwickler da eigentlich wieder von einem wollen.

Die Präsentation ist dagegen eher zweckmäßig. Die Grafik erfüllt ihren Zweck, während die Musik stellenweise sogar störend wirkt. Auch unser erster Spielstart war alles andere als gelungen.

Und dennoch hatten wir bislang richtig viel Spaß.

Würde ich We Were Here Tomorrow deshalb als absolutes Meisterwerk bezeichnen, das jeder unbedingt gespielt haben muss? Nein. Dafür fehlt mir dann doch einiges.

Es ist ein gutes, stellenweise sogar richtig starkes Rätselspiel, das ziemlich genau weiß, was es sein möchte. Wer mit solchen Spielen nichts anfangen kann, wird hier vermutlich auch nicht glücklich werden. Wer allerdings gerne gemeinsam knobelt und die Geduld mitbringt, auch einmal eine halbe Stunde an einer Aufgabe zu sitzen, sollte sich das Spiel definitiv ansehen.

Gerade bei einem Angebot oder falls es irgendwann einmal in einem Spieleabo landen sollte, wäre es für mich eine ziemlich klare Empfehlung. Einer der nachwievor kniffeligsten Punkte aus meiner Sicht, ist es dass 2 Erwachsene Spieler gleichzeitig Zeit und Bock haben. Dafür gibt es einfach zu viel andere coole Games zum gemeinsam zocken.

Bis dahin müssen mein bester Freund und ich aber erst einmal herausfinden, wie wir bei unserem aktuellen Rätsel weiterkommen. Irgendeine Kleinigkeit haben wir garantiert wieder übersehen…

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[dailygame.at] · 03.11.2026 · 13:45 Uhr
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