Wassersport in Deutschland: Demografischer Wandel als Herausforderung und Chance
Deutschlands Wassersportbranche steht vor großen Herausforderungen, die durch den demografischen Wandel ausgelöst werden. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der privat genutzten Boote um etwa 40.000 auf rund 440.000 gesunken, wie Karsten Stahlhut, Geschäftsführer des Verbandes Maritime Wirtschaft Deutschland (VMWD), im Vorfeld der Messe Boot in Düsseldorf mitteilte. Stahlhut betonte, dass dieser Abwärtstrend gestoppt werden müsse und verstärkte Marketingmaßnahmen erforderlich seien. Insbesondere soll der Nachwuchs frühzeitig für den Wassersport begeistert werden, idealerweise bereits im Schulalter.
Derzeit liegt das durchschnittliche Alter der Bootseigner in Deutschland bei über 62 Jahren, und auch in den nächsten Jahren wird ein weiterer Anstieg erwartet. Bisher seien die Folgen des demografischen Wandels für den Wassersport eher beiläufig wahrgenommen worden, doch das Thema gewinnt zunehmend an Dringlichkeit. Die Erfahrung zeigt, dass ältere Bootseigner, die 75 Jahre und älter sind, den aktiven Wassersport nach und nach aufgeben.
Ein positives Beispiel gibt Schleswig-Holstein, wo Schulklassen bereits frühzeitig segeln lernen. Diese Initiative könnte eine entscheidende Rolle dabei spielen, dass die Kinder dem Wassersport auch im Erwachsenenalter verbunden bleiben. Stahlhut ist begeistert von der Begeisterung der Kinder, die oft langfristig dabei bleiben, wenn sie einmal Feuer gefangen haben.
Während der Pandemie erlebte das Bootfahren einen Boom, da Urlaubsreisen eingeschränkt waren und viele Deutsche sich aufs Wasser begaben. Dennoch ist die Zahl der jährlichen Bootsführerscheine seitdem auf unter 80.000 gesunken, was ebenfalls auf die alternde Bevölkerung zurückzuführen ist. Der Direktor der Messe Boot, Petros Michelidakis, unterstrich, dass sich die Branche zunehmend auf ältere Bootsfahrer einstellt, indem sie beispielsweise technische Hilfsmittel zur Vereinfachung des Segelns anbietet oder Motorboote als Alternative ins Spiel bringt.
Trotz rückläufiger Zahlen hat der Trend auch positive Seiten: In den Marinas an der Ostsee sind Liegeplätze wieder verfügbar, während sie in der Vergangenheit rar waren. Wer einen Liegeplatz sucht, findet inzwischen leichter einen, auch wenn es nicht immer die Wunsch-Marina ist.
Die Registrierung von Booten erfolgt in Deutschland unter anderem über den ADAC, wo circa 126.000 Boote registriert sind. Etwa die Hälfte davon sind Motorboote, gefolgt von Schlauchbooten mit Motor und Segelbooten.
Mit über 1.000 ausgestellten Booten und verschiedenen Mitmachaktionen lockt die Boot Düsseldorf zahlreiche Besucher an. Die Messe bietet Wassersportbegeisterten die Gelegenheit, sowohl innovative als auch luxuriöse Boote zu erleben. Deutschlands Wassersport-Branche erzielt jährlich einen Umsatz von schätzungsweise 6,3 Milliarden Euro, wobei viele der genutzten Boote aus dem Ausland importiert werden.

