Investmentweek

Was der Blackout über die Schwächen unseres Stromsystems verrät

02. Mai 2025, 19:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Der Stromausfall in Spanien und Portugal war mehr als eine technische Panne. Er entlarvt die strukturellen Lücken in Europas Energiearchitektur – und offenbart Risiken, die auch Deutschland nicht ignorieren darf.

Plötzlich war es still – und das System überfordert

Züge blieben stehen, Menschen saßen in Aufzügen fest, Krankenhäuser mussten im Notstrombetrieb weiterarbeiten. Binnen Sekunden war am Montagmittag in Spanien und Portugal das Licht aus – wortwörtlich. Der Blackout legte ganze Städte lahm.

Und während Politiker auf eilends einberufenen Pressekonferenzen beschwichtigten, stellte sich eine einfache, beunruhigende Frage: Wie konnte das passieren – trotz stabiler Netzfrequenz und intakter Erzeugungskapazitäten?

Noch um 13 Uhr war das Stromnetz der Iberischen Halbinsel im Gleichgewicht. Spanien exportierte sogar Energie. Doch dann riss etwas. Und innerhalb weniger Minuten fehlten rund 2,2 Gigawatt Leistung – so viel wie zwei mittlere Atomkraftwerke.

Der Spannungsabfall war so plötzlich, dass das System kollabierte. Die Netzfrequenz sackte ab, automatische Schutzmechanismen griffen – zu spät.

Eine europäische Schwäche – und ihre strukturellen Ursachen

Der Fall zeigt exemplarisch, was Energieexperten seit Jahren fordern – und was politisch immer wieder aufgeschoben wurde: Europas Stromnetze sind nicht ausreichend miteinander verbunden.

Spanien gilt als energiepolitische Halbinsel. Der physikalische Anschluss an das kontinentale Netz ist schwach. Wenn es in Madrid eng wird, kann Berlin kaum helfen – weil schlicht die Leitungen fehlen.

Solarstrom zu Unrecht verdächtigt: Experten wie Bruno Burger vom Fraunhofer ISE widersprechen – weder die Einspeiseleistung noch der Tagesverlauf deuten auf ein Überangebot aus Photovoltaik hin.

Bruno Burger vom Fraunhofer-Institut bestätigt: Der Strom hätte kurzfristig nicht nachgeliefert werden können, weil die grenzüberschreitende Infrastruktur zu schwach ausgelegt ist. Das Problem ist also weniger ein Strommangel, sondern ein Mangel an Netzkapazität.

Solarstrom? Nein, das war nicht die Ursache

In sozialen Medien kursierten schnell Schuldzuweisungen: zu viel Solarstrom, zu viele Erneuerbare. Doch Experten widersprechen.

Am Tag des Ausfalls war die Einspeisung aus Photovoltaik eher durchschnittlich, die Spitzenlast lag später. Auch die Netzfrequenz war zunächst stabil – ein Indiz dafür, dass der Strom nicht „übergeschwappt“ ist, sondern schlicht nicht rechtzeitig ersetzt werden konnte.

Der Blackout war also kein Kollaps durch grüne Energie, sondern eine Folge von unzureichender Netzresilienz. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.

Deutschland – besser vernetzt, aber nicht unverwundbar

Was bedeutet das für Deutschland? Vieles. Zwar ist das deutsche Übertragungsnetz besser integriert, und durch flexible Systeme wie Pumpspeicher oder Lastmanagement lassen sich kurzfristige Ausfälle bis zu 2 Gigawatt ausgleichen. Doch Entwarnung wäre verfrüht.

Cyberangriffe im Hinterkopf: Energieexperten halten nicht den Strommangel, sondern mögliche digitale Attacken auf Netzsteuerungssysteme für das realistischste Szenario eines großflächigen Blackouts in Mitteleuropa.

Denn während die Hochspannungsnetze vergleichsweise stabil sind, wird das Verteilnetz zunehmend fragil. Hier, wo der Strom tatsächlich in die Haushalte fließt, steigen die Anforderungen durch wachsende Solarleistung rasant. Besonders an sonnigen Feiertagen – Ostern, Pfingsten – ist die Last hoch, die Nachfrage aber gering. Das Ergebnis: Rückstau, Überlastung, Abschaltungen.

Brownouts – die unterschätzte Gefahr

Deutschland droht deshalb weniger ein Total-Blackout wie in Spanien – aber dafür zunehmend sogenannte Brownouts: gezielte oder ungewollte Unterbrechungen in lokalen Stromnetzen. Der Begriff klingt harmlos, beschreibt aber realwirtschaftlich spürbare Effekte: instabile Versorgung, flickende Netzbetreiber, teure Nachrüstungen.

Größere Betreiber wie Netze BW oder E.On bestätigen die wachsenden Herausforderungen: Solarstrom muss teils kurzfristig vom Netz genommen werden – technisch allerdings nicht immer möglich. Es fehlt an smarter Steuerung, an digitaler Infrastruktur und an politischer Aufmerksamkeit.

Eine europäische Pflicht – Interkonnektoren statt nationaler Alleingänge

Der Vorfall in Südeuropa zeigt: Die Energiewende endet nicht an der Grenze. Wenn Europa ernst machen will mit Versorgungssicherheit, braucht es grenzüberschreitende Netze. Die EU-Kommission hat im Februar im Rahmen des „Clean Industrial Deal“ genau das gefordert: mehr Verknüpfung, mehr Flexibilität, mehr Resilienz.

Das klingt abstrakt – ist aber konkret: Mehr Leitungen von Spanien nach Frankreich. Schnellere Genehmigungen für grenznahe Infrastruktur. Und vor allem: Koordinierte Energiepolitik, die nicht nur Erzeugung, sondern auch Transport und Verbrauch zusammen denkt.

Cybersicherheit – die stille Achillesferse

Ein weiteres Risiko bleibt häufig unerwähnt: Cyberattacken. Wenn irgendwo im Netz Datenströme manipuliert werden oder Steuerungszentralen lahmgelegt werden, nützt auch das stabilste Netz nichts. Fachleute warnen seit Jahren, doch die öffentliche Debatte bleibt vage. Spanien und Portugal zeigten: Selbst ohne Sabotage reicht ein Systemfehler, um alles zu stoppen.

Für Deutschland bedeutet das: Netze müssen nicht nur technisch stark sein, sondern auch digital gesichert. Hier gibt es Nachholbedarf, wie mehrere Sicherheitsbehörden zuletzt betonten.

Finanzen / Energy
[InvestmentWeek] · 02.05.2025 · 19:00 Uhr
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