US-Notenbank

US-Notenbank behält Leitzins bei

29. April 2026, 20:06 Uhr · Quelle: dpa
Fed sezt bei erster Sitzung nach Trumps Start auf Zinspause
Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa
Der Zinsentscheid dürfte der letzte mit Jerome Powell an der Spitze des Fed-Zentralbankrates sein – oder doch nicht? (Archivfoto)
Wieder ändert die Federal Reserve nichts an den Zinsen. Überraschend ist das nicht. Während es bei den Zinsen weiterhin ruhig bleiben dürfte, wird es bei den Personalien spannend.

Washington (dpa) - Die US-Notenbank Federal Reserve lässt den Leitzins angesichts von Energiekrise und Inflationssorgen infolge des Iran-Krieges unangetastet. Eine Mehrheit des Zentralbankrates stimmte dafür, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Zugleich richten sich alle Augen auf den möglichen Nachfolger von Noch-Fed-Chef Jerome Powell. Experten befürchten, dass die Fed mit der Bestätigung des von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagenen Kandidaten Kevin Warsh an Unabhängigkeit und damit Glaubwürdigkeit verlieren wird.

2025 hatte die Fed aus Sorge um den Arbeitsmarkt den Leitzins dreimal um jeweils einen Schritt (25 Basispunkte) gesenkt. Bei ihren ersten beiden Sitzungen dieses Jahres legte sie dann Pausen ein. Angesichts der unsicheren Weltlage bei zeitgleich hoher Inflation rücken Zinssenkungen in weite Ferne. 

«Der Ölpreisschock lässt keine andere Wahl», sagte Lena Dröger vom Kiel Institut für Weltwirtschaft zu der Entscheidung des Gremiums. Ökonomen erwarten, dass es im Jahresverlauf maximal noch zu einer Lockerung um 25 Basispunkte auf 3,25 bis 3,5 Prozent kommen könnte. Entscheidend dürfte dabei sein, wie sich die Lage im Iran weiter entwickelt und welche Rolle Warsh spielt.

Powells Nachfolger steht vor Ausschuss

Dieser war nur wenige Stunden vor dem Fed-Entscheid vom Bankenausschuss des Senats bestätigt worden. Nun muss der gesamte Senat noch grünes Licht geben. Mittlerweile stehen die Chancen dafür etwas besser: Vergangene Woche hatte Bezirksstaatsanwältin Jeanine Pirro angekündigt, ihre Ermittlungen gegen Powell wegen angeblich ausufernder Renovierungskosten an einem Fed-Gebäude einzustellen. Der republikanische Senator Thom Tillis wollte erst wieder einer Fed-Personalie zustimmen, wenn der Sachverhalt lückenlos aufgeklärt sei.

Die Untersuchungen wurden über die Parteigrenzen hinweg und von führenden Zentralbankern als Angriff Trumps auf die Unabhängigkeit der Fed interpretiert. Der Präsident hatte über Monate Powell öffentlich verbal angegriffen und ihn für aus seiner Sicht zu langsame Zinssenkungen verantwortlich gemacht. Anders als von Trump wiederholt verkürzt dargestellt, entscheidet der Fed-Chef nicht allein über den Leitzins. Stattdessen stimmt der Zentralbankrat in regelmäßigen Abständen über den weiteren geldpolitischen Kurs ab.

Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Teuerungsrate und möglichst starker Vollbeschäftigung finden. Das Problem derzeit: Lockert die Fed das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie vermeiden. Zuletzt erhöhte die Notenbank ihre Erwartungen an die Teuerungsrate von 2,4 auf nun 2,7 Prozent im laufenden Jahr. Sie liegt damit deutlich über ihrem eigenen Zwei-Prozent-Ziel.

Angst vor politischer Einflussnahme auf Fed durch Trump

Ökonomen befürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt Zinslockerungen erwirken könnte. «Gerade bei steigender Inflation sind Glaubwürdigkeit und Erwartungsteuerung der Fed entscheidend», kommentierte Stephan Bales von der Förderbank KfW. Trump hatte klargemacht, dass er Warsh vorgeschlagen hatte, weil dieser Zinserhöhungen ablehnt. Warsh gilt als lautstarker Kritiker der Notenbank. Auch auf Powell ist er nicht gut zu sprechen.

Unklar ist indes, ob Trumps Kandidat noch bis zum Ausscheiden von Powell als Fed-Chef Mitte Mai bestätigt wird. Die heutige Sitzung war planmäßig der letzte Zinsentscheid mit Powell an der Spitze des Zentralbankrates. Der nächste ist für den 17. Juni geplant.

Sollte seine Nachfolge bis Mitte Mai nicht geklärt sein, könnte sich Powell nach eigenen Worten zumindest zeitweise vorstellen, das Amt weiterzuführen. Ob er danach die Notenbank hinter sich lässt, ist unklar: So könnte der 73-Jährige als normales Vorstandsmitglied weiter in der wichtigsten Zentralbank der Welt arbeiten. Ob er das angesichts der Attacken Trumps will, ist allerdings offen.

Augen auf EZB gerichtet

Ein Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank wird am Donnerstag erwartet. Dabei dürfte die Notenbank den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins erneut bei 2,0 Prozent belassen. Zwar hat der Iran-Krieg die Inflation im Euroraum nach oben getrieben auf 2,6 Prozent im März und damit weit über das mittelfristige Inflationsziel der EZB von 2,0 Prozent. Doch Ökonomen gehen davon aus, dass die Notenbank weitere Daten abwartet, um die Folgen des Iran-Krieges besser beurteilen zu können.

Dass die EZB notfalls bereit wäre zu handeln, hat Präsidentin Christine Lagarde mehrmals betont. Der Krieg im Nahen Osten werde sich kurzfristig durch höhere Energiepreise «erheblich auf die Inflation auswirken», warnte sie kürzlich beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Allerdings würden höhere Zinsen Kredite für Firmen und Verbraucher verteuern. Die EZB steckt in einer Zwickmühle: Erhöht sie die Zinsen, um die Inflation einzudämmen, läuft sie Gefahr, die Wirtschaft abzuwürgen.

Konjunktur / Zinsen / Zentralbank / USA / International / Inflation / Federal Reserve
29.04.2026 · 20:06 Uhr
[1 Kommentar]
Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee
Berlin (dpa) - In eine Art stählernes Aquarium gesperrt wird der Poeler Buckelwal nach Wochen im Flachwasser Richtung Nordsee geschleppt. Dort soll er vom Kahn schwimmen – wo genau, stand nach Angaben der Privatinitiative hinter dem Transport zunächst nicht fest. Vor der Abfahrt konnte der Eindruck entstehen, die gesamte Aktion könne mit dem Verladen […] (12)
vor 46 Minuten
Willst du CBD kaufen, stößt du im Internet auf eine riesige Bandbreite unterschiedlicher Produkte. Jeder Händler bewirbt das eigene Produkt als „das beste“, aber oft steckt dahinter nur Marketing und kein echtes Qualitätsmerkmal. Wenn du wirklich sicher gehen möchtest, dass du ein gutes Produkt erwischst, solltest du eine Checkliste der […] (00)
vor 5 Stunden
Netatmo – Kamera, Flutlicht und Sirene in einem Produkt
Laut aktueller,  jährlichen Statistik des GDV  findet in Deutschland alle sechs Minuten ein Einbruch statt – mit einer durchschnittlichen Schadenssumme von etwa 3.800 Euro. Die Zahlen verdeutlichen, dass Einbruchsversuche keine Einzelfälle, sondern ein alltägliches Risiko darstellen. Der französische Smart-Home-Hersteller Netatmo reagiert darauf und […] (00)
vor 2 Stunden
Steam Deck 2 lebt noch! – Valve arbeitet weiter am Nachfolger
Valve hat den Steam Deck 2 nicht auf Eis gelegt. Im Gegenteil: Laut einer neuen Einordnung von PCGamer.com unter Berufung auf ein aktuelles Gespräch mit Pierre-Loup Griffais ist Valve weiter „hart am Arbeiten“ zum Nachfolger des Steam Decks. Eine konkrete Ankündigung oder einen Starttermin gibt es aber weiterhin nicht. Das ist vor allem deshalb […] (00)
vor 34 Minuten
Conan O'Brien wurde gesagt, dass er für seine Rolle beim Töpfchen-Training in 'Toy Story 5' 'nicht schauspielern muss'..
(BANG) - Conan O'Brien wurde gesagt, dass er für seine Rolle beim Töpfchen-Training in 'Toy Story 5' "nicht schauspielern muss". Die Late-Night-Legende wurde als altmodisches Gadget Smarty Pants im neuesten Film der ikonischen Pixar-Reihe besetzt. Und der Star brauchte nicht viel Überzeugungsarbeit, um das Spielzeug zu spielen, das wie eine […] (00)
vor 2 Stunden
Paris Saint-Germain - Bayern München
Paris (dpa) - Titelverteidiger Paris Saint-Germain muss im Rückspiel des Halbfinal-Krachers der Champions League beim FC Bayern München auf einen wichtigen Abwehrspieler verzichten. Wie der Club mitteilte, erlitt Achraf Hakimi beim 5: 4 im Hinspiel in Paris bei einem Zweikampf mit Konrad Laimer eine Verletzung am rechten Oberschenkel.  Der Marokkaner werde […] (00)
vor 10 Minuten
finance, business, bitcoin, document, money, currency, report, bank, financial, payment
Die US-Notenbank Federal Reserve hat in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, die Leitzinsen zum dritten Mal in Folge unverändert zu lassen. Die Zinsen bleiben somit bei 3,50% bis 3,75%. Diese Entscheidung fiel mit einer Mehrheit von 8 zu 4 Stimmen. Die Hauptargumente der Fed waren die steigenden Kosten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran. […] (00)
vor 42 Minuten
Backup. Firewall. MFA. Und dann? Wenn Recovery scheitert, zählt professionelle Datenrettung
Leipzig, 29.04.2026 (PresseBox) - Backup-Lösungen, Firewalls, Multi-Faktor-Authentifizierung, Endpoint Security und Zero-Trust-Konzepte gehören heute in vielen Unternehmen zur IT-Sicherheitsarchitektur. Sie reduzieren Risiken, schützen Zugänge und schaffen wichtige technische Barrieren. Doch sie beantworten nicht automatisch die entscheidende Frage im […] (00)
vor 3 Stunden
 
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Mittwoch nach einem eher positiven Start in den […] (00)
Strommast (Archiv)
Brüssel - Die Europäische Kommission hat beschlossen, ihren Mitgliedstaaten […] (00)
Industrie
Brüssel (dpa) - Angesichts der Energiekrise lockert die EU ihre strengen Regeln für […] (00)
Sensation 1966 - Der weiße Wal im Rhein
Duisburg/Bonn (dpa) - Ein Wal auf Abwegen - die Geschichte gab es schon einmal: So wie im […] (00)
The Blood of Dawnwalker bestätigt Release-Termin und präsentiert Roadmap
Rebel Wolves enthüllt zusammen mit Bandai Namco Entertainment zahlreiche neue […] (00)
Novartis-Chef warnt: Trumps Arzneimittelpreispolitik wird zur harten Realität
Novartis-CEO warnt vor drastischen Auswirkungen Der Vorstandsvorsitzende von […] (00)
Paris Saint-Germain - Bayern München
Paris (dpa) -  Frankreich «L'Équipe»: «Der Schock kippt ins Irrationale. (...) Nach […] (00)
(BANG) - Lizzo hat ihre Entscheidung erklärt, ihr neues Album 'B****' zu nennen. Die 38-Jährige bereitet sich darauf vor, mit ihrer neuesten Platte 'B****', die im Juni erscheinen soll, […] (00)
 
 
Suchbegriff