Twitter

Musk schaltet Reporter-Accounts frei - Weiter Sperrungen

18. Dezember 2022, 22:17 Uhr · Quelle: dpa
Er hoffe, dass selbst seine «schlimmsten Kritiker auf Twitter blieben», hatte Elon Musk noch vor einigen Monaten verkündet. Doch wie ernst ist es ihm damit?

San Francisco (dpa) - Nach internationaler Kritik hat Twitter mehrere gesperrte Accounts von US-Journalisten wieder freigeschaltet. Twitter-Chef Elon Musk kündigte den Schritt unter Verweis auf eine Umfrage unter Nutzern des Online-Netzwerks an, bei der sich eine Mehrheit der knapp 3,7 Millionen Teilnehmer für ein sofortiges Ende der Sperren ausgesprochen hatte.

Die Vereinten Nationen begrüßten den Schritt, es blieben allerdings «ernste Bedenken». Musk solle sich verpflichten, Entscheidungen auf der Grundlage öffentlich zugänglicher Richtlinien zu treffen, welche die Rechte, einschließlich der Redefreiheit, respektierten, forderte der Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk.

Mehrere der ursprünglich gesperrten Accounts von Journalisten unter anderem der «New York Times», der «Washington Post» und von CNN konnten am Samstag wieder aufgerufen werden - allerdings nicht alle. Der Account der «Business Insider»-Journalistin Linette Lopez war auch am Sonntagmorgen (Ortszeit) weiter gesperrt. Ihr Konto war am Freitag ohne Erklärung gesperrt worden. Sie hatte zuvor immer wieder über den von Musk geführten Elektroautobauer Tesla berichtet. Am Samstagabend (Ortszeit) wurde außerdem der Account einer Journalistin der «Washington Post» gesperrt, die über Tech-Themen und Musk berichtet. Im Laufe des Sonntags wurde er wieder freigeschaltet.

Am Donnerstagabend hatte Twitter die Konten der prominenten US-Journalisten gesperrt. Die Sperrungen seien ohne Vorwarnung erfolgt, berichtete die «Washington Post».

Die Vereinten Nationen hatten sich daraufhin zutiefst beunruhigt über die Entwicklung des Online-Netzwerkes unter ihrem neuen Besitzer Musk gezeigt. Auch die Bundesregierung kritisierte die Sperrungen.

Musk bezieht sich bei Sperrung auf «Doxxing»

Bereits am Mittwoch hatte Twitter einen Account gesperrt, über den man den Privatjet von Konzernchef Elon Musk verfolgen konnte. Einige der zeitweise gesperrten Journalisten hatten darüber berichtet sowie über Musks Äußerung, er und seine Familie seien durch die Weitergabe von Standortdaten gefährdet worden. In mehreren Tweets in der Nacht zum Freitag schrieb Musk, für Journalisten gälten dieselben Regeln wie für alle anderen.

Er bezog sich dabei auf «Doxxing», nämlich die Weitergabe von persönlichen Daten einer Person, einschließlich Informationen wie der Adresse. «Sie haben meinen exakten Echtzeit-Standort gepostet, im Grunde die Koordinaten für ein Attentat», schrieb Musk. Er sprach von einem Verstoß gegen die Twitter-Nutzungsbedingungen.

Der Journalist Tony Webster, der ebenfalls von der Sperrung betroffen war, schrieb nach seiner Entsperrung auf Twitter, es habe kein «Doxxing» gegeben - «auch wenn ein leicht erregbarer, niemandem rechenschaftspflichtiger Oligarch das gesagt hat».

Auch die «Washington Post» wies die Vorwürfe zurück: «Die Post konnte keine Beweise dafür finden, dass die fraglichen Reporter Informationen über den Aufenthaltsort von Musk oder seiner Familie weitergegeben hatten.»

Bundesregierung begrüßt Freischaltung

Die deutsche Bundesregierung begrüßte nun die Freischaltung der Accounts. Bundesjustizminister Marco Buschmann sprach Musk «Respekt» dafür aus, eigene Fehler zu korrigieren. «Nicht gefällt mir, dass darüber abgestimmt wurde. Denn Meinungsfreiheit ist Minderheitenschutz», so der FDP-Politiker.

Musk hatte noch vor einigen Monaten geschrieben, er hoffe, dass selbst seine «schlimmsten Kritiker» auf Twitter blieben, denn das bedeute Meinungsfreiheit. Musk scheine nun aber auf willkürliche Weise seine Macht auszuspielen und Konten zu löschen, die ihm persönlich missfielen, schrieb die «New York Times». «Wie William Randolph Hearst und Rupert Murdoch vor ihm kontrolliert auch Musk heute ein einflussreiches Mittel der Massenmedienproduktion.»

Die «Washington Post» merkte an, dass sich nach der Sperrung der Accounts die Führung der betroffenen Medien zwar schnell kritisch über Musks Vorgehen geäußert habe. Aber alle - inklusive der «Post» - hätten weiter auf ihren offiziellen Accounts getwittert. «Die Verleger haben viel in Personal investiert, dessen Hauptaufgabe darin besteht, Geschichten über die sozialen Medien (...) zu bewerben.»

Online-Dienst zentral für Öffentlichkeitsarbeit

Der Online-Dienst hatte sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Kommunikationsplattform entwickelt: Auf der ganzen Welt nutzen Regierungen, Behörden und Politiker Twitter für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Tech-Milliardär Musk hatte Twitter im Oktober übernommen und setzt bei dem Online-Dienst seitdem seine Vorstellungen durch. Musk hat sich auch immer wieder eindeutig politisch positioniert, die US-Republikaner beworben und Verschwörungstheorien geteilt.

Im November ließ der Tech-Milliardär den Account des früheren US-Präsidenten Donald Trump freischalten. Trump war seit Januar 2021 von Twitter verbannt. Er hatte am 6. Januar auf Twitter Sympathie für seine Anhänger bekundet, die den Sitz des US-Parlaments gestürmt hatten. Musk ließ auch andere Accounts wieder freischalten, die gegen die Nutzungsregeln des Dienstes verstoßen hatten.

Politik / Internet / Medien / Elon Musk / Twitter / Volker Türk / New York Times / Washington Post / CNN / Doxxing / USA
18.12.2022 · 22:17 Uhr
[3 Kommentare]
Facebook-Gründer Zuckerberg
Los Angeles (dpa) - Der Facebook-Konzern Meta und die Google-Videoplattform YouTube haben eine Niederlage in einem US-Prozess um das Suchtpotenzial von Online-Diensten einstecken müssen. Geschworene in Los Angeles kamen zu dem Schluss, dass die Plattformen fahrlässig handelten und Nutzer ungenügend über Risiken informierten, wie US-Medien aus dem […] (00)
vor 43 Minuten
Auseinandersetzung in Regionalzug
Sulzbach (dpa) - Bei einem Messerangriff in einem Regionalzug ist eine 18 Jahre alte Frau in der Nähe der saarländischen Stadt Sulzbach schwer verletzt worden. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht, ist aber nicht lebensgefährlich verletzt, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage sagte.  Ein 21 Jahre alter Mann soll die junge Frau attackiert haben. Die […] (02)
vor 1 Stunde
Chip Taylor
(BANG) - Der gefeierte Songwriter Chip Taylor ist im Alter von 89 Jahren verstorben – nur zwei Tage nach seinem Geburtstag. Der Musikstar – zu dessen Werk der prägende Hit 'Wild Thing' gehört, bekannt geworden durch The Troggs – starb am Montag (23. März). Die Nachricht wurde von seinem langjährigen Freund Billy Vera geteilt, der auf Instagram eine […] (00)
vor 4 Stunden
MotoGP 26  bringt neues Gameplay Video
Milestone und MotoGP Sports Entertainment GroupDorna Sports S.L. präsentieren mit einem neuen Video erste Einblicke in das Gameplay von  MotoGP26 . Das Spiel erscheint am 29. April 2026 für PlayStation5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch2, Nintendo Switch, ROG Xbox Ally, ROG Xbox Ally X sowie für PC über Steam, Microsoft und im Epic Games Store. Der […] (00)
vor 2 Stunden
«Harry Potter»-Serie startet Weihnachten 2026
Der Streamingdienst setzt auf eine werkgetreue Neuverfilmung. An Weihnachten und Anfang 2027 werden die ersten Episoden zu sehen sein. HBO hat den ersten Trailer zur kommenden Harry Potter -Serie veröffentlicht und damit den Startschuss für eines der ambitioniertesten Serienprojekte der nächsten Jahre gegeben. Die erste Staffel soll nach aktuellem Stand zu Weihnachten 2026 erscheinen und die […] (00)
vor 2 Stunden
Kai Havertz und Antonio Rüdiger
Herzogenaurach (dpa) - Noch bevor Kai Havertz auf dem DFB-Podium warmherzig über seine ziemlich ungewöhnliche Esel-Liebe sprach, plauderte er angeregt mit seinem Kollegen Antonio Rüdiger. Die heimische Tierwelt dürfte dabei kaum das Thema gewesen sein. Die beiden so grundverschiedenen Stellvertreter von DFB-Kapitän Joshua Kimmich radelten vor dem […] (00)
vor 6 Stunden
nahaufnahme von bitcoin-symbolschildern im freien, die moderne kryptowährungstrends widerspiegeln.
Der Krypto-Analyst Crypto Patel hat einen Plan skizziert, wie Bitcoin auf $300.000 steigen könnte. Er prognostiziert, dass Investoren die Möglichkeit haben werden, zu niedrigeren Kursen einzusteigen, da er erwartet, dass BTC zunächst auf $44.000 fallen wird. Roadmap für den Bitcoin-Anstieg auf $300.000 In einem Beitrag erläuterte Crypto Patel die […] (00)
vor 40 Minuten
Chaos für Ford-Kunden: Fünf KBA-Rückrufe und Mini-Kulanz setzen Ford-Kuga-Fahrer unter Druck
Lahr, 25.03.2026 (lifePR) - Beim Ford Kuga hat sich das Rückruf-Chaos wegen Brandgefahr und weiterer sicherheitsrelevanter Mängel weiter zugespitzt. Nach Einträgen in der Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts und nach der Kanzlei vorliegenden Ford-Schreiben an betroffene Halter reicht die Problemlage inzwischen von Brandgefahr durch die Hochvoltbatterie über Kraftstofflecks bis hin zu […] (00)
vor 3 Stunden
 
OpenAI stellt Video-KI Sora überraschend ein
Im vergangenen September hatte OpenAI mit Sora seine zweite offizielle iPhone-App […] (01)
Elektroauto Afeela von Sony Honda Mobility
Tokio (dpa) - Die ambitionierten Autopläne des japanischen Elektronik-Riesen Sony […] (00)
MacBook Neo von Apple
Berlin (dpa/tmn) - Mit dem neuen MacBook Neo mischt Apple den hart umkämpften […] (01)
Iran-Krieg - Iran
Washington/Teheran/Tel Aviv (dpa) - Im Iran-Krieg laufen Bemühungen zu einer […] (04)
Nintendo Switch 2: Alle aktuellen Game-Key Card Videospieltitel
Mit dem Release der Nintendo Switch 2 hat Nintendo ein neues Format für physische […] (00)
Stefan Horngacher
Planica (dpa) - Ob auf dem Rad oder in Wanderschuhen: Stefan Horngacher wird man im […] (01)
Orlando Bloom
(BANG) - Orlando Bloom ist Berichten zufolge mit einem Model liiert. Es heißt, der […] (00)
woman, crypto, bitcoin, digital, currency, coin, blockchain, happy, success, business
Der Bitcoin-Kurs steht weiterhin unter erheblichem Verkaufsdruck und bewegt sich um […] (00)
 
 
Suchbegriff