Tui trotzt Hitzewellen und Nahost-Konflikt: Solide Wachstumsaussichten trotz Herausforderungen
Während die Sommerhitze am Mittelmeer und die geopolitischen Herausforderungen im Nahen Osten den Reisemarkt beeinträchtigen, kann der Tourismuskonzern Tui dennoch auf beachtliche Ergebnisse verweisen. Die firmeneigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffe verzeichneten beeindruckende Rekordzahlen. Gleichzeitig beklagte sich das Veranstaltergeschäft über einen Rückgang der Buchungen um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie Tui in Hannover bekannt gab. Besonders kritisch zeigte sich der deutsche Markt, der um fünf Prozent zurücklag, so Vorstandschef Sebastian Ebel in einer virtuellen Zusammenkunft mit der Presse. Trotz dieser Hürden hat Ebel vorsichtig die Gewinnerwartungen für das Geschäftsjahr angehoben. Der Fokus des Konzerns liegt nicht auf der Maximierung jeder einzelnen Buchung, vielmehr hat Tui bislang 86 Prozent der Pauschalreisen für den Sommer absetzen können. Preislich zeigte sich die Branche mit durchschnittlich drei Prozent höheren Tarifen im Vergleich zum Vorjahr dynamisch, wobei die Veranstaltersparte maßgeblich zur Belebung der firmeninternen Hotelketten Riu, Tui Blue und Robinson Club beiträgt. Diese Entwicklungen spiegelten sich auch an der Börse wider, wo die Tui-Aktie früh im Handel um etwa zwei Prozent auf 8,03 Euro stieg und damit zu den Favoriten im MDax zählte, obgleich sie immer noch etwa vier Prozent niedriger als zu Jahresbeginn notiert. Gleichzeitig sieht sich Tui mit dem Phänomen konfrontiert, dass viele Urlauber ihre Buchungsentscheidungen verzögern, bedingt durch dynamische Wettersituationen und politische Spannungen im Gaza-Streifen. Rabattaktionen erweisen sich als ein effektives Instrument, um das Geschäft zu stimulieren. Ebenso könnten sich die Kunden infolge der Hitzewellen vermehrt auf Reisen im September oder Oktober fokussieren. Der Reiseveranstalter zählte im dritten Quartal bis Ende Juni 5,9 Millionen Gäste, eine leichte Abnahme im Vergleich zu den 6 Millionen Gästen des Jahres 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie. Der Umsatz stieg dabei um sieben Prozent auf 6,2 Milliarden Euro und der bereinigte operative Gewinn verzeichnete ein robustes Wachstum von 38 Prozent auf 321 Millionen Euro, den höchsten Stand seit der Fusion mit Tui Travel im Jahr 2014. Der Nettogewinn für Aktionäre wuchs auf 183 Millionen Euro, verglichen mit 52 Millionen im Vorjahreszeitraum. Für das Geschäftsjahr bis Ende September wird mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von fünf Prozent gerechnet, während der operative Gewinn möglicherweise um neun bis elf Prozent steigen könnte, ein Anstieg der bisherigen Prognose von bis zu zehn Prozent. Die finanzielle Stabilität des Unternehmens zeigt sich darin, dass die Nettoverschuldung auf 1,9 Milliarden Euro gesenkt wurde. Mit Mitteln aus einer kürzlich aufgelegten Anleihe plant Finanzchef Mathias Kiep, bisher geleaste Flugzeuge zu übernehmen, was die strategische Flexibilität hinsichtlich der Flottenpolitik des Unternehmens erhöhen soll. Die Auslieferungen neuer Maschinen des US-Flugzeugherstellers Boeing, die auf Grund von Verzögerungen ins Stocken geraten waren, sind für Herbst und das kommende Frühjahr avisiert, was Vorstandschef Ebel hoffnungsvoll stimmt angesichts des Drucks, unter dem Fluggesellschaften weltweit aufgrund beschränkter Produktionskapazitäten stehen.

