Trump kehrt auf die Weltbühne zurück: Zwischen Eigenlob und diplomatischer Zurückhaltung
Der Auftritt des US-Präsidenten auf der UN-Generalversammlung in New York verspricht, ein großes diplomatisches Spektakel zu werden, bei dem alle Augen auf Donald Trump gerichtet sind. Zum ersten Mal seit 2019 tritt Trump wieder persönlich vor die Vollversammlung der Vereinten Nationen und spricht zu über 140 Staats- und Regierungschefs. Viele Beobachter fragen sich, ob er sich als Friedensstifter stilisieren wird, in der Hoffnung, den Nobelpreis einzuheimsen, oder ob er möglicherweise einen drastischen Schritt wie den Austritt der USA aus den Vereinten Nationen ankündigen könnte.
Trump hat sich in der Vergangenheit nicht immer als einfacher Partner im internationalen Gefüge gezeigt. Sowohl in seiner ersten Amtszeit als auch in der aktuellen prägten Alleingänge seine Mex- und Außenpolitik. Kritiker werfen ihm vor, die regelbasierte multilaterale Ordnung zu destabilisieren und autoritären Regimen Vorschub zu leisten. Karoline Leavitt, die Sprecherin des Weißen Hauses, kündigte an, dass Trump aufzeigen wird, wie "globalistische Institutionen" die Weltordnung gefährdet hätten. Genaueres bleibt im Unklaren, aber er plant Gespräche mit wichtigen Figuren wie UN-Generalsekretär António Guterres und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Indes blieben Trumps diplomatische Erfolge bislang überschaubar. Sein Ruf als Friedensstifter wird von seinen politischen Kontrahenten in Frage gestellt, denn sowohl eine Lösung im Nahost-Konflikt als auch ein Ende des Krieges in der Ukraine blieben bislang aus. Auch auf nationaler Ebene wird ihm vorgeworfen, die Gesellschaft zu spalten und grundlegende demokratische Freiheiten zu unterminieren.
Besonders gespannt sind viele auf Trumps Haltung gegenüber Russland und China. Unterstützer der Ukraine hoffen, dass er härtere Worte für China als eines der Hauptabnehmer von russischem Öl und Gas finden wird, um so Russlands Kriegskasse zu belasten. Vor seinem Amtsantritt hatte Trump versprochen, den Ukraine-Konflikt rasch zu lösen, doch auch ihm gelang es nicht, Russland an den Verhandlungstisch zu bringen. Stattdessen sieht er sich Vorwürfen ausgesetzt, den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf internationaler Ebene gestärkt zu haben. Ihm werden weitere Gespräche mit Wolodymyr Selenskyj sowie möglicherweise mit der UN-Präsidentin Annalena Baerbock nachgesagt.
Trump hat ohnehin eine zwiespältige Beziehung zu den Vereinten Nationen. Er sieht die Organisation als überholt an und beschuldigt sie der Einseitigkeit. Diese Unzufriedenheit manifestierte sich in der Entscheidung, Beitragszahlungen drastisch zu kürzen und das UN-Klimaschutzabkommen aufzukündigen. US-Außenminister Marco Rubio verkündete zudem den geplanten Austritt aus der Unesco, was von vielen in Zusammenhang mit der Aufnahme des "Staates Palästina" als Mitglied gesehen wird.

