Trump eskaliert Zollstreit: 50-Prozent-Abgabe auf EU-Importe ab Juni – Brüssel kündigt Gegenmaßnahmen an
Der transatlantische Handelsstreit spitzt sich erneut zu. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, ab dem 1. Juni 2025 pauschal 50 Prozent Zoll auf sämtliche EU-Importe zu erheben. Die Maßnahme soll laut Trump „unfaire Handelspraktiken“ der Europäischen Union sanktionieren. Eine Einigung über ein neues Handelsabkommen sei gescheitert, erklärte er auf seiner Plattform Truth Social.
Nur wenige Stunden zuvor hatte die EU-Kommission in einem Telefonat mit US-Vertretern noch auf einen konstruktiven Dialog gesetzt. Handelskommissar Maroš Šefčovič zeigte sich „entschlossen, die europäischen Interessen zu verteidigen“ und warnte, dass transatlantischer Handel „auf Respekt, nicht Drohungen“ basieren müsse.
Die angekündigte Maßnahme übertrifft das bisherige Strafzollniveau deutlich: Bereits im April hatte Washington eine 20-Prozent-Abgabe eingeführt, diese jedoch bis zum 8. Juli halbiert – als Verhandlungsangebot. Trump bekräftigte nun: „Der Deal steht. 50 Prozent.“ Ein Aufschub sei nur denkbar, wenn europäische Unternehmen in den USA produzierten.
Europäische Börsen reagierten umgehend: Stellantis verlor 4,6 Prozent, Deutsche Bank 4,2 Prozent, der Stoxx Europe 600 schloss 0,9 Prozent im Minus. Auch die US-Märkte gerieten unter Druck. Der S&P 500 sank um 0,7 Prozent, belastet zusätzlich durch Trumps Androhung, Apple mit Sonderzöllen zu belegen, sollte der Konzern seine Produktion nicht in die USA verlagern.
Ökonomen warnen vor schwerwiegenden Konsequenzen. Laut Capital Economics könnte der neue Zollsatz das deutsche BIP über drei Jahre um bis zu 1,7 Prozent drücken. Austan Goolsbee, Präsident der Chicago Fed, nannte die Maßnahmen ein „ernstes Risiko für globale Lieferketten“ und betonte, sie erschwerten die Lage für weitere Zinssenkungen in den USA.
Während Trump öffentlich kein Interesse an einem Kompromiss zeigt, deutete Finanzminister Scott Bessent an, die Strafzölle sollten Druck auf Brüssel ausüben. Er rechne mit mehreren „großen Handelsabschlüssen“ in den kommenden Wochen. Die Aussagen stehen im Widerspruch zur offiziellen US-Linie und sorgen in europäischen Hauptstädten für Irritation.
Brüssel arbeitet bereits an einer Antwort: Ein Maßnahmenpaket in Höhe von 21 Milliarden Euro, das Zölle von bis zu 50 Prozent auf US-Produkte wie Mais, Motorräder oder Kleidung vorsieht, wurde von den Mitgliedstaaten genehmigt. Die Kommission prüft zudem eine zweite Liste im Umfang von 95 Milliarden Euro, darunter Boeing-Flugzeuge, Bourbon-Whiskey und Autos.
Die Situation droht nicht nur das transatlantische Verhältnis, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität Europas zu belasten. Nordea-Stratege Kasper Elmgreen bringt es auf den Punkt: „Jeder Tag ohne Deal erhöht das Risiko ernsthafter wirtschaftlicher Schäden.“

