250. Gründungstag des US-Heers

Trump bekommt Militärparade - und Massenproteste

15. Juni 2025, 03:51 Uhr · Quelle: dpa
Schon Stunden bevor die Parade in Washington beginnt, formieren sich im Land riesige Proteste gegen den Präsidenten. Die Lage ist angespannt, nicht nur wegen eines tödlichen Angriffs am selben Tag.

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump grinst an seinem 79. Geburtstag. Denn er bekommt etwas, das er sich lange gewünscht hat: eine Militärparade durch die Hauptstadt Washington. Er grinst, als er am Abend (Ortszeit) mit seiner Ehefrau Melania die Tribüne betritt. Und salutiert, während Soldaten an ihm vorbeimarschieren. Dass im ganzen Land gerade Massenproteste gegen ihn stattfinden, ist ihm zumindest äußerlich nicht anzumerken.

«Jedes andere Land feiert seine Siege», sagt Trump bei seiner Rede - und hält sich dabei für seine Verhältnisse ungewöhnlich genau an das vorbereitete Skript. «Es ist an der Zeit, dass Amerika das auch tut.» Sein Vizepräsident JD Vance gratuliert ihm zum Geburtstag. Der Country-Musiker Lee Greenwood singt «God Bless the USA» - ein Lied, das bei Trumps Wahlkampfveranstaltungen regelmäßig gespielt wurde. Schließlich das große Finale: Feuerwerk.

Offiziell ist es ein Festakt zum 250. Gründungsjubiläum des US-Heeres, der größten und ältesten Teilstreitkraft des Landes. Doch für viele im Land wirkt die Inszenierung eher wie ein persönliches Geschenk für den Präsidenten - und wie eine politische Machtdemonstration à la Trump, nach innen wie nach außen. Die Kosten werden von US-Medien auf bis zu 45 Millionen US-Dollar (rund 39 Millionen Euro) geschätzt. Auch mögliche Straßenschäden durch die schweren Militärfahrzeuge werden befürchtet.

Mutmaßlich politisch motivierter, tödlicher Angriff schürt Sorgen

Trumps Traum von militärischem Pomp wird von der Realität auf eine harte Probe gestellt. Wegen unsteten Wetters muss das Programm kurzfristig angepasst werden. Gleichzeitig hängt die Sorge vor einer Eskalation wie die dicke Wolkendecke über Washington - nicht nur wegen der landesweiten Proteste, sondern auch wegen einer sehr konkreten Gefahrenlage.

In den frühen Morgenstunden hatte ein Mann im Bundesstaat Minnesota eine demokratische Politikerin und deren Ehemann erschossen. Ein weiterer Demokrat und dessen Ehefrau wurden ebenfalls angeschossen und schwer verletzt. Die Behörden gehen von einer politisch motivierten Tat aus. Der mutmaßliche Täter ist weiter flüchtig. In seinem Wagen fanden Ermittler eine Liste mit den Namen zahlreicher weiterer Amtsträger.

Auch die Eskalation im Nahen Osten wirft ihren Schatten

Die Situation an diesem Samstag könnte angespannter kaum sein, nicht nur im Inland: Noch am Morgen hatte Trump erneut mit Kremlchef Wladimir Putin telefoniert. Es war ein Geburtstagsanruf, bei dem es beiden Seiten zufolge aber vor allem um den Krieg zwischen Israel und dem Iran ging. 

Der eskalierende Konflikt in Nahost dürfte die außenpolitische Agenda Trumps durchkreuzt haben: Erst kürzlich hatte der Präsident noch betont, dass er einen israelischen Angriff auf den Iran ablehne, solange er an ein Abkommen mit Teheran glaube. Die eigentlich für Sonntag geplanten Gespräche zwischen Teheran und Washington über das iranische Atomprogramm im Oman? Abgesagt. 

Pompöse Parade mit Panzern, Helikoptern und Fallschirmspringern 

Die Militärparade in Washington findet dagegen statt, «Rain or Shine» (bei jedem Wetter), wie Trump auf Truth Social ausdrücklich betont hatte. Allerdings etwas früher als geplant. Am Vortag hatte es hier stark gewittert, die Schwüle ist geblieben. Die Kleidung klebt am Leib - das bekommen vor allem die Tausenden Soldatinnen und Soldaten zu spüren, die in teils historischen Uniformen entlang der National Mall in Richtung Weißes Haus marschieren. Trump sitzt währenddessen zusammen mit Melania und Mitgliedern seiner Regierung auf der Tribüne - und klatscht. 

Begleitet von Fanfaren und «USA, USA»-Rufen blickt er auf Soldaten, die Blasinstrumente spielen oder trommeln. Auf militärische Fahrzeuge, unter denen sich auch schwere Panzer befinden. Und auf Fallschirmspringer, Drohnen und Helikopter. 

Während sich der Zug fortbewegt, wird auf die Geschichte des US-Heeres zurückgeblickt. Es wurde am 14. Juni 1775 gegründet – noch vor der offiziellen Unabhängigkeitserklärung der USA von Großbritannien. Heute sind nach Militärangaben weltweit 450.000 aktive Soldatinnen und Soldaten für das Heer im Dienst.

Schon am Nachmittag: lange Schlangen für das Spektakel

Ursprünglich wurden Hunderttausende zu den Feierlichkeiten erwartet. Ob diese Zahl erreicht wurde, ist fraglich. Was man aber sagen kann: Die Parade hat Unterstützerinnen und Unterstützer aus dem ganzen Land angezogen. Jonas Williams aus dem Bundesstaat North Carolina etwa arbeitet am Tag des Events an einem Stand in Washington, an dem man Trump-Fanartikel kaufen kann. «Ich glaube, dass es großartig für unsere Jugend ist, die Leidenschaft für Amerika wiederzubeleben», sagt er über die Militärparade. 

Schon am Nachmittag haben sich lange Schlangen von Menschen gebildet, die auf das Gelände kommen wollen. Viele der Wartenden halten US-Flaggen in der Hand, einige tragen rote «Make America Great Again»-Kappen. 

Nicole Lovvorn aus dem Bundesstaat Alabama hat sich bereits mehr als drei Stunden vor Beginn der Parade einen Platz mitten auf der National Mall gesichert. Sie blickt von dort direkt auf die Tribüne, wo Trump ein paar Stunden später Platz nimmt. «Wir wollten den Präsidenten sehen und hoffentlich auch ein paar Militärfahrzeuge», sagt Lovvorn. Die 47-Jährige sieht das Event als «Sache an, die man nur einmal im Leben erlebt.»

Veranstalter: Mehr als fünf Millionen Demonstranten in den USA

Ganz anders sieht der Tag für viele andere Amerikanerinnen und Amerikaner aus - sie stehen ebenfalls auf der Straße, allerdings aus Protest. Unter dem Motto «No Kings» (Keine Könige) finden im ganzen Land Demonstrationen statt. Die Teilnehmer werfen Trump autoritäres Auftreten vor. Pünktlich zu Beginn der Militärparade vermelden die Veranstalter insgesamt mehr als fünf Millionen Teilnehmer in rund 2.100 Städten - weitaus mehr als noch bei Demonstrationen im April.

Im Inland gibt es seit Tagen Spannungen, bei denen das Militär keine unwichtige Rolle spielt: Der Einsatz Tausender Soldaten der Nationalgarde und Hunderter Marineinfanteristen bei Protesten gegen Trumps Migrationspolitik in Los Angeles sorgte für viel Kritik. Der Schritt erfolgte gegen den ausdrücklichen Willen des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom und löste landesweit neue Proteste aus.

In Washington bleibt es am Tag der Parade weitgehend ruhig, Tausende Sicherheitskräfte schützen das Event. Die Veranstalter der «No Kings»-Bewegung hatten ausdrücklich nicht zu Protesten in der Hauptstadt aufgerufen. Stattdessen gab es den «DC Joy Day» - ein bewusst fröhlich gehaltenes Gegenprogramm zur Militärinszenierung.

Regierung / Leute / Verteidigung / Militär / USA
15.06.2025 · 03:51 Uhr
[1 Kommentar]
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat eine Anordnung unterzeichnet, um die Beschäftigten des Heimatschutzministeriums trotz des andauernden Streits um dessen Finanzierung zu bezahlen. Er weise den Heimatschutzminister an, Mittel, «die in einem angemessenen und logischen Zusammenhang mit den Aufgaben» seines Ministeriums stünden, in Abstimmung […] (00)
vor 16 Minuten
Daniel Radcliffe
(BANG) - Daniel Radcliffe hat "tiefgreifendes Glück" gefunden, seit er Vater geworden ist. Der britische Schauspieler – der bereits im Alter von elf Jahren als titelgebender Zauberlehrling in der 'Harry Potter'-Filmreihe berühmt wurde – glaubt, dass sein jüngeres Ich ihn heute nicht wiedererkennen würde. Damals sei er "zutiefst unglücklich" gewesen, […] (00)
vor 17 Stunden
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen auf ein schwarzes Gehäuse verzichten. Zum Vergleich: Die derzeitige iPhone 17 Pro Serie ist in den markanten Farben Silber, Cosmic Orange und Deep Blue erhältlich. iPhone im Business, Quelle: Unsplash Kein Schwarz für die iPhone 18 Pro Modelle Wie der bekannte […] (00)
vor 12 Stunden
Switch 2: Ehemaliger Nintendo-Mitarbeiter warnt vor kommendem Preisanstieg
Die Nintendo Switch 2 ist seit ihrem Launch eine der meistgekauften Konsolen des Jahres – doch wer noch mit dem Kauf gehadert hat, könnte bald in eine unangenehme Situation geraten. Ein ehemaliger Nintendo-Vertriebsmitarbeiter hat sich öffentlich zu den Preisentwicklungen des Unternehmens geäussert, und seine Einschätzung lässt aufhorchen. Was der Ex- […] (00)
vor 12 Stunden
Tubi kündigt zweite Staffel von «Big Mood» an
Der Streamingdienst setzt die Comedyserie mit Nicola Coughlan und Lydia West im April fort. Der werbefinanzierte Streaminganbieter Tubi hat den Trailer zur zweiten Staffel von Big Mood veröffentlicht. Die neuen Folgen feiern am 16. April Premiere und führen die Geschichte rund um die komplizierte Freundschaft von Maggie und Eddie weiter. Ein Jahr ist vergangen, seit sich die beiden besten […] (00)
vor 16 Stunden
Joachim Löw
Berlin (dpa) - Um Weltmeister-Trainer Joachim Löw gibt es ein überraschendes und wenig glaubhaftes Comeback-Gerücht - und der 66-Jährige räumt es auch schnell aus der Welt. Laut des Portals «ghanasoccernet» könnte Löw für die anstehende Fußball-WM die Nationalmannschaft Ghanas als Trainer übernehmen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. «Mit mir hat […] (03)
vor 13 Stunden
bitcoin, table, courses, finance, virtual, crypto, currency, money, coin, computer
Ethereum könnte Bitcoin in den nächsten vier Jahren deutlich übertreffen, zumindest laut einer der optimistischsten Prognosen aus der traditionellen Bankenwelt. Diese Einschätzung stammt von Geoff Kendrick, dem Global Head of Digital Assets Research bei Standard Chartered, der seine Vorhersage in einem kürzlich erschienenen Podcast erläuterte. Ethereum […] (00)
vor 55 Minuten
Von  "Meuterei auf der Bounty" zur Pn-Domain
Koeln, 03.04.2026 (PresseBox) - Es beginnt, wie große Geschichten oft beginnen: mit zu viel Ordnung. An Bord der HMS Bounty herrscht im Jahr 1789 ein Regiment aus Disziplin und Härte. William Bligh, ein Mann von eiserner Selbstkontrolle, führt seine Mannschaft durch die Weiten des Pazifiks – und zugleich in eine immer engere innere Enge. Denn draußen […] (00)
vor 10 Stunden
 
Holger Münch (Archiv)
Wiesbaden - Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, hat vor einer […] (00)
Schweißer bei der Arbeit (Archiv)
Berlin - In Deutschland ist die Zahl der ausgeschriebenen Stellen in der Industrie […] (00)
Bundespolizei (Archiv)
Köln - Einen Tag nach der Attacke im ICE 19 bei Siegburg mit zehn Leichtverletzten […] (00)
Tankstelle am 29.03.2026
Berlin - Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) fordert wirksame Entlastungen bei […] (00)
Victoria Carl
Planegg/Bonn (dpa) - Langläuferin Victoria Carl ist nach einem positiven Dopingtest […] (02)
Kostenfreier Nahverkehr als Reaktion auf Preisanstieg Die pakistanische Regierung […] (00)
«Charles Manson» kommt bei Kabel Eins Doku
Die mehrteilige True-Crime-Dokumentation widmet sich einem der berüchtigtsten Kriminalfälle der […] (00)
Ricarda Lang
Berlin (dpa) - Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat nach eigener Aussage digitale […] (00)
 
 
Suchbegriff