Transatlantische Spannungen belasten Dax - Anleger blicken sorgenvoll auf politische Entwicklungen
Die jüngst von den USA angekündigten Strafzölle gegen Deutschland und diverse europäische Staaten trüben zumindest vorerst die optimistische Anlegerstimmung am deutschen Aktienmarkt. Zu Wochenbeginn rutschte die Dax-Indikation zeitweise unter die wichtige Schwelle von 25.000 Punkten, konnte jedoch wieder ansteigen und kletterte zuletzt über diesen Wert. Nur wenige Tage zuvor hatte der Index mit 25.508 Punkten ein neues Allzeithoch erreicht, und Marktexperten zeigten noch gelassenen Optimismus hinsichtlich der Marktaussichten.
Die Hintergründe der Zolldrohungen sind geopolitischer Natur: Präsident Trump zielt darauf ab, die zu Dänemark gehörende Insel Grönland zu erwerben und plant in diesem Zuge höhere Zölle auf Waren aus mehreren europäischen Ländern, um Druck auszuüben. Sollten bis zum 1. Juni keine Fortschritte erzielt werden, steigen die Strafzölle von anfänglich 10 Prozent auf 25 Prozent.
Diese Entwicklungen sorgten zu Wochenbeginn für ein geringeres Engagement ausländischer Investoren, da die US-Börsen wegen des Martin Luther King Day geschlossen blieben. Experten warnen vor Marktrisiken durch mögliche Überraschungen an einem langen Wochenende. Bisher zeigten geopolitische Konflikte wenig Einfluss auf die Börse. Analyst Frank Sohlleder von Activtrades sieht jedoch das Risiko eines Schocks am Markt, falls politische oder militärische Eskalationen nicht eingepreist sind.
Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg warnt ebenfalls vor vielfältigen Risiken: "Trump formt eine neue Weltordnung, erste Risse im KI-Trend sind sichtbar, und die Unabhängigkeit der Fed steht auf dem Spiel." Nach drei starken Jahren im Dax könnten Investoren bisherige Gefahren unterschätzen.
Angesichts der Berichtsaison könnte sich der Fokus der Anleger bald von den unternehmerischen auf politische Ereignisse verlagern. Ein EU-Sondergipfel, eventuell virtuell, ist im Gespräch. Chancen für diplomatische Gespräche bietet das Weltwirtschaftsforum in Davos, bei dem sowohl Präsident Trump als auch Bundeskanzler Merz erwartet werden.
In den USA stehen unter anderem Quartalsergebnisse von Netflix, 3M und United Airlines bevor, während in Deutschland nur wenige Unternehmensveröffentlichungen anstehen. Aufmerksamkeit gebührt den Einkaufsmanagerindizes am Freitag: Trotz niedrigerer Zinsen ist eine kräftige wirtschaftliche Erholung noch nicht in Sicht, wie Robert Greil von Merck Finck kommentiert. Dienstag werden zudem die ZEW-Konjunkturerwartungen erwartet, die aufgrund positiver Industrietrends neue Zuversicht bieten könnten, wie Simon Azarbayjani von Helaba optimistisch anmerkt.

