Tankstellen-Zoff: TIV fordert Maßnahmen gegen Preiswirrwarr und Wettbewerbsverzerrungen
Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) erhebt schwere Vorwürfe gegen Mineralölkonzerne und kritisiert scharf die derzeitigen Preisdynamiken an deutschen Tankstellen. Laut Jochen Wilhelm, Geschäftsführer des TIV, geraten sowohl Verbraucher als auch Pächter ins Hintertreffen, während die Konzerne "kartellrechtlich zweifelhafte Eskapaden" veranstalten. Die Forderung an Bundesregierung, EU-Kommission und Kartellamt: entschiedenes Eingreifen.
Mit etwa 700 Mitgliedern, die rund 1.000 Tankstellen betreiben, repräsentiert der TIV eine bedeutende Anzahl von Pächtern, die oftmals zu unfassbaren Preisschwankungen an den Zapfsäulen verdammt sind. Trotz konstanter Ölpreise auf dem Weltmarkt beobachten Pächter und Autofahrer regelmäßig "Verwirrungspreise", bei denen die Preisetiketten sprunghaft variieren – meist ohne erkennbare Logik.
Eine Analyse des Portals benzinpreis.de untermauert die Vorwürfe: Mehrere Tausend Tankstellen wiesen im Mai Preise aus, die teils weniger als 15 Minuten Bestand hatten. Bei einigen Tankstellen hielten die Preise sogar nur fünf Minuten lang. Diese Praxis verschärft die Unsicherheit bei Kunden und Pächtern, während sie bei den großen Mineralölkonzernen die Kassen klingeln lässt.
Auch das Nebengeschäft in den Tankstellen gerät ins Zentrum der Kritik. Der TIV prangert "doppelte Wettbewerbsverzerrung" an: Durch sogenannte Zwischenprovisionen treiben Konzerne die Kosten der Shop-Artikel hoch, und die Pächter sind gezwungen, zu überhöhten Preisen einzukaufen. Aktuell hat der Verband eine Klage gegen Shell eingereicht, die ihre Pächter verplichtet, den Großteil der Waren von der eigenen Tochtergesellschaft zu beziehen. Diese Praxis binde die Pächter in finanzielle Abhängigkeit und mache ein freies Unternehmertum quasi unmöglich.
Doch der Trend im Tankstellengeschäft verändert sich: Der Verkauf von Produkten im Shop, von Lebensmitteln bis hin zu Alltagswaren, wird immer lukrativer – ganze 60 Prozent des Rohertrags schöpfen große Konzerne aus diesem Bereich. Die Zukunft lautet nicht mehr "Tankstelle mit Shop", sondern "Shop mit Tankstelle", prognostiziert der TIV.

