Straßenverkehrssicherheit braucht mehr als Technik
Automobilclub KS e.V. zu den Erkenntnissen aus dem DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2025

21. Januar 2026, 14:53 Uhr · Quelle: LifePR
Straßenverkehrssicherheit braucht mehr als Technik
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Automobilclub KS e V, Straßenverkehrssicherheit braucht mehr als Technik
Der DEKRA-Report 2025 weist auf persistente Unfallmuster hin und betont die Notwendigkeit von Verbesserungen in Infrastruktur und menschlichem Verhalten.

München, 21.01.2026 (lifePR) - Moderne Fahrzeuge und Fahrerassistenzsysteme (FAS) haben den Straßenverkehr in den vergangenen Jahren kontinuierlich sicherer gemacht. Dennoch bleiben bestimmte Unfallmuster auch weiter ein Risiko – vor allem Baumunfälle, Auffahrunfälle am Stauende, Lkw-Abbiegeunfälle wie auch Kollisionen mit ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Das zeigt der Verkehrssicherheitsreport 2025 der DEKRA eindrücklich auf. Handlungsbedarf für mehr Verkehrssicherheit sieht der Automobilclub KS e.V. vor allem beim Zusammenspiel von Infrastruktur und Technik, aber auch beim menschlichen Verhalten.

Die Vision Zero ist ein umfassendes Konzept, nach dem es perspektivisch keine Verkehrstoten und Schwerverletzten im Straßenverkehr – aber auch in anderen Bereichen wie etwa der Arbeit – mehr geben soll. Dass man diesem Ziel Jahr für Jahr ein Stückchen näherkommt, belegen die im Langzeittrend sinkenden Zahlen von tödlichen Verkehrsunfällen. Den traurigen Höchststand bildete laut Statistischem Bundesamt das Jahr 1970 mit 21.330 bei Straßenverkehrsunfällen Getöteten. Als daraufhin eine Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen und sukzessive über die Jahre Promillegrenzen, Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen, Helmpflicht für Motorradfahrer sowie die Gurtpflicht eingeführt wurden, sanken die Zahlen drastisch ab – der niedrigste Stand lag während der Corona-Pandemie 2021 bei 2.560 Getöteten. Danach sind die Zahlen wieder leicht angestiegen. In ihrem jüngsten, jährlich erscheinenden Verkehrssicherheitsreport gelangt die DEKRA jedoch zu der Erkenntnis, dass es einige zentrale Unfallszenarien gibt, die trotz aller technologischen Fortschritte und verschiedener anderer Maßnahmen eine große Herausforderung bleiben.

Baumunfälle auf Landstraßen

Besonders schwerwiegend sind Unfälle mit Bäumen auf Landstraßen; sie fordern vor allem in Alleen und Kurven eine hohe Anzahl an Toten und Verletzten. Doch Fahrerassistenzsysteme sind keine Alleskönner. Vielmehr können sie immer nur so gut sein wie ihr Umfeld. Denn auch wenn moderne Fahrzeuge heute über eine ganze Reihe von FAS verfügen – angefangen bei Stabilitätskontrollsystemen über Fahrspurassistenten bis hin zu Rückhaltesystemen –, spielt auch die Infrastruktur eine Rolle: Beispielsweise, so DEKRA Unfallforscherin Stefanie Ritter, könnten Spurverlassenswarner, kamerabasierte Assistenzsysteme und vernetzte Fahrzeugsensorik frühzeitig eingreifen, bevor das Fahrzeug ins Schleudern gerate. Doch oft seien diese Systeme auch auf entsprechende Infrastruktur angewiesen, wie etwa ein Spurverlassenswarner, der sich an der Fahrbahnmarkierung orientiert, die gerade auf kleineren Straßen auf dem Land jedoch nicht überall vorhanden ist. „Solange nicht alle Autos vollständig autonom fahren, ist und bleibt der Mensch der größte Risikofaktor. So ist die Hauptunfallursache bei Kollisionen mit Bäumen eine überhöhte Geschwindigkeit – und das oft in Kombination mit einer nassen oder verschmutzten Fahrbahn“, erläutert Isabella Finsterwalder, Pressesprecherin des Automobilclub KS e.V., die Situation.

Schwächste Verkehrsteilnehmer bleiben übermäßig verletzlich

Wer zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, ist in puncto Unfälle im Straßenverkehr am meisten gefährdet. Über die Jahre haben Assistenzsysteme, überarbeitete Fahrzeugfronten, innerörtliche Tempolimits und ver besserte bauliche Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger genauso wie erfolgreiche Aufklärungskampagnen dazu beigetragen, den Verkehr für die schwächsten Verkehrsteilnehmer sicherer zu. Die DEKRA gelangt in ihrem Verkehrssicherheitsreport dennoch zu der Erkenntnis, dass die Zahl der getöteten Fußgängerinnen und Fußgänger stagniert und in einigen Ländern sogar wieder ansteigt, anstatt weiter zu sinken. Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung allein könnten dieses Problem nicht lösen. Vielmehr brauche es hier Verbesserungen bei der Infrastruktur mit barrierefreien Querungen oder klaren Verkehrsführungen. Last, but not least gilt jedoch auch hier für alle Beteiligten immer die Grundregel, stets höchst aufmerksam im Straßenverkehr unterwegs zu sein.

Unfälle im toten Winkel der Lkw

Wohl am gravierendsten für Fußgänger und Radfahrende sind Abbiegeunfälle mit Lkw. Die Zahl schwerer Abbiegeunfälle in europäischen Innenstädten bleibt laut DEKRA nahezu konstant – und zwar obwohl Abbiegeassistenten mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben sind. Die Schwierigkeit: Die Pflicht zum Totwinkel-Assistenten besteht nur für neue Lkw, eine Nachrüstpflicht gibt es ausschließlich für Lang-Lkw. Dadurch sind weiterhin zu viele ältere Fahrzeuge ohne moderne Assistenzsysteme auf den Straßen unterwegs. Allerdings gibt es vom Bundesverkehrsministerium nach wie vor ein Förderprogramm zur Nachrüstung älterer Lkw. Doch Achtung! Auch wenn der Abbiegeassistent verbaut ist: Sensorik und Kameras können nicht jede Gefahr erfassen, beispielsweise, wenn ein Radfahrer von einem parkenden Auto oder einem baulichen Gegenstand verdeckt ist. Hier ist die städtische Verkehrsplanung gefragt, Ampelschaltungen so einzurichten, dass der Abbiegeverkehr von geradeaus fahrenden bzw. gehenden Verkehrsteilnehmern zeitlich getrennt ist; auch Aufklärungskampagnen haben sich als effektiv erwiesen. Doch auch hier gilt: Eine aufmerksame Fahrweise ist und bleibt unerlässlich.

Aufmerksamkeitsunfälle – Technik schützt nicht vor Überforderung

Fakt ist: Nicht nur beim Abbiegen verursachen Laster weiter schwere Unfälle. Auch Auffahrunfälle von Lkw gehören zu den neuralgischen Punkten der Unfallstatistiken. Wenngleich technologische Fortschritte durch FAS in Form von Notbremsassistenten, Abstandsregeltempomaten oder Spurhalteassistenten erzielt wurden, die schwere Folgen mindern können, vermögen sie dauerhafte Unaufmerksamkeit nicht zu kompensieren. Ablenkung durch das Handy, Müdigkeit und hoher Zeitdruck bleiben damit auch künftig die wesentlichen Ursachen für schwere Auffahrunfälle, so die Experten der DEKRA.

Fazit: Der Mensch bleibt aktuell der Unsicherheitsfaktor

Für die Zukunft sieht Stefanie Ritter, Unfallforscherin der DEKRA, klares Potenzial, Auffahrunfälle nahezu zu eliminieren, indem Lkw Hindernisse in Echtzeit erkennen und entsprechend reagieren. Dafür notwendig sei jedoch der Einsatz von automatisierten Fahrfunktionen, unterstützt durch Künstliche Intelligenz und eine vernetzte Infrastruktur. Auch die Kommunikation zwischen Fahrzeugen sowie mit der Infrastruktur könne in Zukunft dazu beitragen, frühzeitig vor potenziellen Gefahren zu warnen und so die Verkehrssicherheit sukzessive zu erhöhen. Bis jedoch eines Tages flächendeckend alle Pkw und Lkw mit den entsprechenden Assistenzsystemen ausgerüstet sind und vernetzt und autonom fahren, bleibt der menschliche Faktor das größte Risiko im Straßenverkehr. „Ablenkung, Ermüdung und Stress lassen sich technisch nur begrenzt auffangen. Eine zunehmende Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen, Infrastrukturmaßnahmen sowie Aufklärungskampagnen im Sinne der Vision Zero werden die Zahl schwerer Unfälle voraussichtlich weiter sinken lassen, sie aber nicht vollständig verhindern. Hier appelliert der Automobilclub KS e.V. eindringlich an alle am Straßenverkehr Beteiligten, gegenseitig mehr Rücksicht zu nehmen sowie immer aufmerksam und vorausschauend zu fahren“, resümiert die Pressesprecherin des Automobilclub KS e.V.  

Mobile & Verkehr / Verkehrssicherheit / DEKRA / Unfallprävention / Fahrerassistenzsysteme / Infrastruktur / Menschlicher Faktor
[lifepr.de] · 21.01.2026 · 14:53 Uhr
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