Rückschlag für Merz: Zweite Kanzlerwahl entscheidend
Friedrich Merz, das Gesicht der CDU mit langem Schatten in Richtung Kanzleramt, steht vor einer neuen Hürde: Im ersten Wahlgang zur Kanzlerwahl im Bundestag erlebte der Sauerländer CDU-Chef eine unerwartete Niederlage. Mit 310 Stimmen verfehlte er die erforderliche Mehrheit von 316 Stimmen, was in der Geschichte der Bundesrepublik ein Novum darstellt.
Der zweite Wahlgang soll noch am selben Tag folgen, wobei die Koalitionspartner CDU/CSU und SPD weiterhin hinter Merz stehen. Während seine Familie und die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel die Verkündung beobachteten, blieb der Gesichtsausdruck von Merz unverändert – eine Erinnerung an frühere politische Enttäuschungen, die seinen Weg prägten.
Das lang erwartete schwarz-rote Bündnis stand, mit Unterzeichnung des Koalitionsvertrags, kurz davor, die letzten Schritte zur Regierungsbildung zu komplettieren – doch die Ernennung von Merz und die Vereidigung seines Kabinetts müssen nun warten. Derweil regiert Olaf Scholz interimistisch weiter, obwohl er bereits verabschiedet wurde.
Die Ursachen für den Rückschlag sind unklar. Die vollzählige Anwesenheit der Koalitionsfraktionen wurde beteuert, jedoch haben mindestens 18 Abgeordnete nicht für Merz gestimmt. SPD-Fraktionschef Lars Klingbeil verwies auf die Geschlossenheit der Sozialdemokraten, ließ aber ein Moment des Zweifels offen – die Wahl war geheim. Gefolgt von Appellen an Verantwortung und Stabilität durch führende Politiker der Union, wie Markus Söder.
Friedrich Merz, zuletzt auch intern wegen des Vorstoßes zur Aufweichung der Schuldenbremse unter Druck, muss nun beweisen, dass sein „Glaubwürdigkeits-Kredit“ in der Fraktion und bei den Wählern noch Bestand hat. Sein politisches Schicksal steht auf dem Spiel, ebenso wie Deutschlands innen- und außenpolitische Handlungsfähigkeit. Ob die geplante erste Reise nach Paris und Warschau am Mittwoch stattfindet, hängt vom Ausgang des entscheidenden zweiten Wahlgangs ab.

