Trends der Zukunft

Rekordspringer Baumgartner - Adrenalinkick im Angesicht des Todes

09. Oktober 2012, 11:00 Uhr · Quelle: Trends der Zukunft

Der Österreicher Felix Baumgartner will sich am heutigen Dienstag aus 37 Kilometern Höhe im freien Fall in die Tiefe stürzen. Seine Extremsportlerkollegen fliegen von Hochhausdächern, tauchen ohne Sauerstoffflasche, balancieren todesmutig über tiefe Schluchten und erklettern Felsen ohne Sicherung. Ein falscher Griff, ein falscher Schritt, und das Leben ist vorbei. Warum sie das tun? Weil sie Anerkennung suchen, weil sie dadurch spüren, am Leben zu sein, weil es ihnen ganz einfach Spaß macht. Sensation Seeking nennen es US-Forscher, die Suche nach Abwechslung, die einen Zustand innerer Erregung auslöst.

Lesen Sie mehr über Felix Baumgartner in unserem Porträt.

Die Nerven kitzeln - das war es auch, was die Australierin Erin Langworthy bei ihrem Bungeesprung am Silvestertag wollte. Aber dann der Schock: Das Seil reißt und die 22-Jährige stürzt in den unter ihr liegenden Fluss. Sie hat Glück und überlebt mit Prellungen und Abschürfungen. Dabei ist das Springen am Seil noch geradezu harmlos im Gegensatz zu manch anderen Sportarten. Wir wünschen viel Spaß beim Staunen!

Slacklining: Balanceakt zwischen Leben und Tod

Michael Kemeter muss lebensmüde sein. Ein bisschen zumindest. Anders lässt sich nicht erklären, dass er in 914 Metern Höhe über ein Seil balanciert, das zwischen zwei Felsen gespannt ist. Slacklining nennt sich dieser Extremsport, der seit mehreren Jahren im Trend liegt.

Sind die Seile wie bei Kemeter weiter oben gespannt, dann wird von Highlining gesprochen. Der 23-Jährige ist konzentriert. Und das sollte er auch sein. Denn gesichert ist er nicht, unter ihm klafft der Abgrund. Ein falscher Schritt und das war's. Jugendlicher Leichtsinn? Womöglich. Kemeters Motto jedenfalls dürfte einiges erklären: «Wer bereit ist, über das Limit zu gehen, hat das Spiel begriffen.»

Klettern: Höher, schneller, gefährlicher

Für die meisten von uns hat sich das Klettern wohl auf die frühe Kindheit und Opas Apfelbaum im Garten beschränkt. Für andere dagegen fängt der Spaß erst so richtig an, wenn es immer höher, schneller und gefährlicher wird. «Spiderman» Alain Robert etwa erklettert alles, was ihm hoch und unmöglich genug erscheint. 2011 bestieg er das höchste Gebäude der Welt, den 828 Meter hohen Burj Chalifa in Dubai - ausnahmsweise sogar mal mit Seil. Denn der 48-Jährige ist dafür bekannt, ohne Sicherung und ohne Erlaubnis auf bekannte Gebäude zu klettern.

Mehr als 70 Hochhäuser hat der Franzose bereits erklommen - darunter den Pariser Eiffelturm, die Dresdner Bank in Frankfurt, das Taipei 101 in Taiwan und das New Yorker Empire State Building. «Früher waren wir frei. Jetzt verlieren wir diese Freiheit. Das will ich den Menschen mit meinen Klettertouren deutlich machen», rechtfertigt er seine Aktionen. Dass seine Ausflüge gen Himmel meist im Gefängnis enden, weil sie illegal sind, stört Robert nicht. Genauso wenig wie die Tatsache, dass er sich schon mehrmals schwer verletzte.

Für Dan Osman dagegen endete die Leidenschaft zum Klettern mit dem Tod. 1997 war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als er in 4:25 Minuten den 122 Meter hohen Bears Reach in Kalifornien «hochrannte». Ein Jahr später starb er, als bei einem kontrollierten Freifall sein Seil riss.

Basejumping: Frei wie ein Vogel

Fallschirmspringen, Paragliden und Bungeespringen bringen nicht mehr den Kick? Wie wäre es dann mit einem Basejump? Das Springen von Hochhäusern, Felsvorsprüngen und anderen feststehenden Objekten ist derzeit der letzte Schrei unter allen Extremsportlern. Den Weltrekord im Basejumping halten zwei Emiratis. Sie gingen im Januar 2011 den umgekehrten Weg von Alain Robert und sprangen vom höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Chalifa in Dubai, aus 672 Metern Höhe. Mit bis zu 220 Meter pro Stunde sausten die beiden in die Tiefe, bevor sie die Reißleine zogen und sicher den Boden erreichten.

Dass nicht alle Basejumper sicher unten ankommen, zeigt die Base Fatality List des Blincmagazins. Zwischen den Jahren 1981 und 2011 listet sie insgesamt 180 Todesfälle auf.

Trotzdem wollen die Adrenalinjunkies immer mehr. So wie Dean Potter, der die Extreme miteinander kombiniert. Er balanciert ungesichert auf einer Highline, um anschließend mit einem Fallschirm in die Tiefe zu springen. Er klettert im Wingsuit auf Felsen und segelt kurz darauf den Berg hinab. Der Anzug mit Stoffflächen zwischen seinen Armen und Beinen verringert die Fallgeschwindigkeit und erhöht die des horizontalen Fluges. Frei wie ein Vogel fliegt er über weitere Strecken, die er per Video festhält - und wir weniger Mutigen können an seinen Abenteuern teilhaben.

Apnoetauchen: Abgang ins Ungewisse

Bunte Fische beobachten: ja. Schwerelos durch die Unterwasserwelt gleiten: gern. Aber ohne Sauerstoffflasche in die Tiefen des Meeres tauchen? Klingt unmöglich, ist es aber nicht. Der Franzose Guillaume Néry macht es vor. Zehn Liter pumpt er für seine Tiefseetrips in seine Lungen, ein normaler Mensch hat Platz für sechs Liter. Alles eine Frage der Übung, sagt Néry. Mit nur einem Atemzug taucht er mehr als hundert Meter tief. «Ich fühle mich frei, wie ich es an Land nie sein könnte», erklärte er in einem Interview mit dem Spiegel seine Leidenschaft zum Apnoetauchen.

Es ist Wahnsinn, sagen die einen, es ist Kunst, die anderen. Nérys Video über den Tauchgang zu Dean's Blue Hole, einem 202 Meter tiefen Meeresloch auf den Bahamas, wurde zum absoluten YouTube-Hit. Der Franzose trainiert für immer tiefere Apnoetauchgänge. Aber er kennt auch die Gefahren. Im Jahr 2007 starb sein bester Freund Loïc Leferme bei einem Tauchtraining.

Ski Freeriding: Achtung, Lawinengefahr!

Sie glauben, Skifahren an sich wäre schon gefährlich? Dann waren Sie noch nie Ski Freeriden: Abseits der Piste auf unbefahrenem Terrain, durch Tiefschnee, über spitze Felsen, zwischen Bäumen hindurch und immer der Nase nach.

Wer selbst einmal ausprobieren möchte, wie es ist, sich todesmutig von schneebedeckten Berghängen zu stürzen, sollte allerdings den Helm und die Schutzkleidung nicht vergessen - und natürlich das Lawinenwerkzeug. Denn immer wieder kommt es leider auch zu Schneeabstürzten, bei denen Skifahrer verschüttet werden. Wer nicht ganz so mutig ist, dem sei unser Video ans Herz gelegt.

Aktuelles / Gesellschaft
[news.de] · 09.10.2012 · 11:00 Uhr
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