Rassismus-Vorfälle in Tesla-Werk: Tesla in den USA zu Millionenstrafe verdonnert

• Millionenstrafe nach Rassismus-Vorwürfen
• Schiedsverfahren blockiert öffentliche Diskussion
• Tesla weist Vorwürfe zum Teil zurück

Tesla wirbt mit "integrativem Umfeld"

Für viele Arbeitnehmer dürfte es ein Meilenstein sein, den US-amerikanischen Elektroautohersteller Tesla im Lebenslauf stehen zu haben. "Bei Tesla lösen wir die wichtigsten Probleme der Welt mit talentierten Menschen, die unsere Leidenschaft teilen, die Welt zu verändern. Unsere Kultur ist schnelllebig, energiegeladen und innovativ", schreibt das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Palo Alto dazu auf seiner Karriereseite. "Mit Hauptsitz in der San Francisco Bay Area und Niederlassungen auf der ganzen Welt arbeiten wir daran, ein integratives Umfeld zu schaffen, in dem jeder, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion, Alter oder Hintergrund, seine beste Arbeit leisten kann." Gerade dieses Versprechen erhält nach einem Urteil eines Bundesgerichts in San Francisco aber einen bitteren Beigeschmack.

Millionenzahlung aufgrund von Rassismus-Vorfällen

Wie "CNBC" berichtet, wurde das Unternehmen unter der Führung von Elon Musk gerichtlich zu einer Strafzahlung von fast 137 Millionen US-Dollar verdonnert. Der Grund: Der ehemalige Tesla-Mitarbeiter Owen Diaz musste während seiner Zeit bei dem E-Auto-Pionier rassistische Beleidigungen über sich ergehen lassen. Konkret nannte Diaz vor Gericht, dass Kollegen ihn dazu aufriefen, "zurück nach Afrika" zu gehen und in den Toilettenanlagen des Unternehmens sowie in seinem Arbeitsbereich rassistische Parolen und Zeichnungen hinterließen. Diaz wurde im Juni 2015 über eine Leiharbeitsfirma bei Tesla eingestellt und war bis zum März 2016 im Werk im kalifornischen Fremont tätig.

Weitere Zeugenaussagen bestätigen Vorwürfe

Anfang des Monats reagierte der Elektroautohersteller auf das Gerichtsurteil. Personalleiterin Valerie Capers Workman äußerte sich in einem Blogeintrag auf der Unternehmenswebseite und betonte, dass Diaz nicht direkt bei Tesla tätig war, sondern über den Personalvermittler Citistaff. Zwar gab sie in ihrer Stellungnahme zu, dass neben Diaz auch drei weitere Zeugen von regelmäßigen rassistischen Beleidigungen im Werk in Fremont berichteten, die Aussagen seien aber meist "freundlich" gemeint gewesen und von afroamerikanischen Mitarbeitern getroffen worden. Auch bestätigten die Zeugen rassistische Parolen in den Toilettenanlagen, die von Teslas Reinigungspersonal entfernt wurden.

Tesla sieht Urteil nicht gerechtfertigt

Weiterhin habe sich Diaz zwar schriftlich über die Vorfälle beschwert, allerdings ausschließlich bei der Leiharbeitsfirma und nicht bei Tesla selbst, so Capers Workman weiter. "Aber er beschwerte sich erst über das N-Wort, nachdem er von Tesla nicht in Vollzeit eingestellt wurde - und nachdem er einen Anwalt beauftragt hatte", heißt es weiter. Auch habe Tesla reagiert und dafür gesorgt, dass zwei Mitarbeiter der Personalvermittlungsagenturen entlassen und einer suspendiert wurde, woraufhin sich Diaz selbst als "sehr zufrieden" über Teslas Einschreiten gezeigt habe. "Wir sind zwar der festen Überzeugung, dass diese Fakten das Urteil der Geschworenen in San Francisco nicht rechtfertigen, aber wir erkennen an, dass wir 2015 und 2016 nicht perfekt waren", gesteht Capers Workman ein. "Wir sind immer noch nicht perfekt. Aber wir haben im Vergleich zu vor 5 Jahren einen langen Weg zurückgelegt. Wir wachsen weiter und verbessern uns darin, wie wir auf die Anliegen unserer Mitarbeiter eingehen. Gelegentlich machen wir Fehler, und wenn das passiert, sollten wir zur Rechenschaft gezogen werden."

Schiedsverfahren soll Vorfälle intern lösen

Normalerweise versuche Tesla solche Vorfälle mit obligatorischen Schiedsverfahren intern zu klären, wie Diaz‘ Anwälte J. Bernard Alexander und Larry Organ gegenüber dem Sender erklären. Damit spare sich das Unternehmen sowohl größere Schadensersatzzahlungen als auch folgenschwere Korrekturmaßnahmen. In einem ähnlichen Fall, in dem der ehemalige Mitarbeiter Melvin Berry ebenfalls rassistisch beleidigt wurde, musste der E-Autobauer laut CNBC über eine Schiedsvereinbarung eine Million US-Dollar bezahlen. Dies habe Diaz aber nicht getan, weswegen der Fall vor einem Bundesgericht verhandelt wurde.

Forderung nach Berichterstattung

Das Investmentunternehmen Nia Impact Capital, das sich auf soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit konzentriert, äußerte sich kritisch über Teslas Vorgehen und forderte den Vorstand auf, die Auswirkungen des Schiedsverfahrens zu untersuchen. "Die Verwendung obligatorischer Schiedsklauseln schränkt die Rechtsmittel der Mitarbeiter bei Fehlverhalten ein, hindert die Mitarbeiter daran, bei Diskriminierung und Belästigung vor Gericht zu klagen, und kann die zugrunde liegenden Fakten, das Fehlverhalten oder die Ergebnisse von Fällen geheim halten und so die Mitarbeiter daran hindern, von gemeinsamen Anliegen zu erfahren und darauf zu reagieren", so das Unternehmen in einem kürzlich eingereichten Aktionärsantrag, der CNBC vorliegt. Bereits im vergangenen Jahr habe Nia einen entsprechenden Vorschlag eingereicht.

Dennoch habe der Tesla-Vorstand - wie bereits im letzten Jahr - den Aktionären dazu geraten, gegen eine entsprechende Berichterstattung über mögliche Auswirkungen der Schiedsgerichtsbarkeit zu stimmen.

Ausland
[finanzen.net] · 12.10.2021 · 22:29 Uhr
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