Neue Konzernstruktur berücksichtigt: So wären die Deutsche Bank-Bilanzen seit 2017 ausgefallen

• Konzernumstrukturierung in vier Hauptsegmente
• Bisher nur Asset Management profitabel
• Massiver Stellenabbau: Jeder fünfte Mitarbeiter muss gehen

Im Juli gab die Deutsche Bank bekannt, sich aus dem globalen Aktiengeschäft zurückzuziehen, die Konzernstruktur umzubauen und infolge eines Kostensenkungsprogramms bis zu 18.000 Stellen weltweit zu streichen. Doch kann dies der größten deutschen Bank aus der Krise helfen? Das Finanzinstitut hat diese Woche ein "Financial Data Supplement" für das zweite Quartal 2019 veröffentlicht, indem die Erträge seit 2017 in der neuen Konzernstruktur aufgelistet sind. Wie entwickelt sich das Geschäft in den neuen Segmenten?

Investment, Unternehmensbank, Privatkundengeschäft und Asset Management

Infolge der Umstrukturierung hat die Deutsche Bank neue Segmente festgelegt. So ist das Investmentbanking seither isoliert, in der sogenannten Unternehmensbank sind die Transaktionsbank und das deutsche Firmenkundengeschäft vereint. Zusätzlich gibt es das Privatkundengeschäft und das Asset Management.

Die Deutsche Bank weist bei ihren Zahlen außerdem den Bereich "Corporate & Other" und die Erträge der Kernbank, bei der lediglich die "Capital Release Unit" herausfällt und ansonsten die ganze Gruppe eingeschlossen ist, separat aus.

Deutsche Bank hat Probleme, die Erträge zu halten

Wie aus dem Bericht hervorgeht, kann die Deutsche Bank auch in der neuen Konzernaufteilung ihre Erträge kaum halten. So nahm der Nettoumsatz im Privatkundenbereich im ersten Halbjahr 2019 verglichen zum H1 2018 um sechs Prozent ab, die Kernbank schrumpfte um sieben Prozent und die Erträge der Investmentbank verringerten sich in diesem Zeitraum gar um 13 Prozent.

Die Unternehmensbank konnte ihre Erträge auf dem gleichen Niveau halten und nur das Asset Management konnte um ein Prozent wachsen. Zwischen 2017 und 2018 sanken die Erträge über alle Bereiche, das Asset Management gab sogar um 14 Prozent ab. Die Zahlen zeigen die Schwierigkeiten der Deutschen Bank, ihre Nettoumsätze zu behaupten - so scheint auch die Umstrukturierung bisher noch nicht das Allheilmittel zu sein, das die Probleme der Deutschen Bank auf einen Schlag lösen kann.

Asset Management einziges profitables Segment

Interessant am "Financial Data Supplement" ist unter anderem auch die Profitabilität. Als Kennzahl dient hier die Rendite nach Steuer auf das durchschnittliche Eigenkapital. Hier zeigt sich vor allem die Schwäche des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank, bei dem die Rentabilität im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Wert von minus 2,4 Prozent aufwies. Gleichzeitig wird aber auch die Stärke des Asset Managements sichtbar: Plus 15,9 Prozent betrug der Kennwert hier.

Die Mitarbeiterzahlen, die im Bericht ausgewiesen sind, zeigen den Fokus der Deutschen Bank: So entfallen die meisten Mitarbeiter - mehr als die Hälfte der derzeit Beschäftigten - mit über 44.000 Personen auf die Privatkundenbank. Bei der Investmentbank sind 19.979 Mitarbeiter beschäftigt, um die Unternehmensbank kümmern sich 13.889 Beschäftigte und im Asset Management arbeiten lediglich 4.508 Personen.

Die Mitarbeiterzahlen wird die Deutsche Bank in Zukunft jedoch deutlich reduzieren. So sollen bis 2022 global 18.000 Stellen abgebaut werden - die Kürzungen betreffen jeden fünften Mitarbeiter des Finanzunternehmens. Bloomberg berichtete jüngst, dass die Hälfte der Stellen - also 9.000 Positionen - davon auf Deutschland fallen, wo die meisten Deutsche Bank-Mitarbeiter beschäftigt sind. Im zweiten Quartal dieses Jahres lag das Cost-to-Income-Ratio, das das Verhältnis von Kosten zu Erträgen beschreibt, bei über 100 Prozent. Die Kosten vertilgten also mehr als alles generierte Einkommen. Ob die Umstrukturierung die Deutsche Bank aus der Krise retten kann, bleibt abzuwarten.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 18.10.2019 · 22:51 Uhr
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