Neue Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen: Bundesregierung setzt auf Forschungsoffensive
Die Bundesregierung möchte in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Vertretern der Betroffenen der Erforschung von postinfektiösen Erkrankungen einen kräftigen Schub verleihen. Forschungsministerin Dorothee Bär hat in Berlin gemeinsam mit Experten eine nationale Dekade gegen diese Gesundheitsbelastungen ausgerufen. Hierfür stellt die CSU-Politikerin in den nächsten zehn Jahren aus dem vorhandenen Budget ihres Ministeriums 500 Millionen Euro bereit. Die bereitgestellten Mittel werden in klinische Studien zur Medikamentenprüfung, verstärkte biomedizinische Forschung und die Verbesserung der Datengrundlage fließen.
Diese Erkrankungen sind bekannt dafür, die Lebensperspektiven Betroffener erheblich zu beeinträchtigen, und blieben bislang schwer behandelbar, so Bär auf einer Pressekonferenz in Berlin. Aktuelle Daten zu den Fallzahlen sind rar.
Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums München, geht davon aus, dass die tatsächliche Krankheitslast größer ist, als bisher geschätzt. Maria Vehreschild, Infektiologin am Universitätsklinikum Frankfurt, betont die Bedeutung der Diagnostik. Sie fordert verlässliche Biomarker zur Identifikation solcher Erkrankungen, da die Diagnose oft ein mühsamer und belastender Ausschlussprozess für die Betroffenen sei.
Durch die Covid-19-Pandemie erlangte das Thema vermehrt öffentliche Aufmerksamkeit, insbesondere in Zusammenhang mit dem Post-Covid-Syndrom. Die Problematik reicht allerdings darüber hinaus, da selbst einfache Grippeviren langwierige gesundheitliche Probleme nach sich ziehen können. Im Fokus steht ME/CFS, das sich durch extreme und anhaltende Erschöpfung sowie zahlreiche andere Symptome wie Muskelschmerzen und kognitive Beeinträchtigungen zeigt.
Forschungsministerin Bär plant zudem die Einrichtung eines Steuerungskreises, der ab Februar die inhaltliche Ausgestaltung der Dekade leiten soll. Dieses Konzept orientiert sich an der "Nationalen Dekade gegen den Krebs", die 2019 initiiert wurde, um die Prävention, Diagnostik und Therapie in Zusammenarbeit mit Organisationen wie der Deutschen Krebshilfe und dem Deutschen Krebsforschungszentrum zu intensivieren.

