Nach der Halbierung: id Software startet die Entwicklung des nächsten Doom

13. Juli 2026, 14:00 Uhr · Quelle: PixelCritics
Das Studio arbeitet trotz massiver Entlassungen an einem neuen Doom-Titel und widerspricht Gerüchten über eine reine Support-Rolle.

Eigentlich müsste id Software gerade eine Success-Story feiern. DOOM: The Dark Ages kam im Mai 2025 raus, die Revelations-Erweiterung folgte vorige Woche, und das Ding wird als das üppigste DLC-Paket gefeiert, das die Serie je gesehen hat – 10 bis 12 Stunden Kampagne, Endgame-Modi, ein Uber Boss, alles für 20 Euro. Studio Co-Director Hugo Martin nennt es die beste Arbeit des Teams. Bloß: Von diesem Team existiert kaum noch die Hälfte. 136 von 185 Mitarbeitern sind weg, die Programmierer fast komplett, die Qualitätssicherung dezimiert. Und trotzdem – oder genau deshalb – kommt jetzt eine Nachricht, die alles in ein anderes Licht rückt.

Hinweis zur Veröffentlichung: Dies ist eine übernommene Feed-Version. Die Originalfassung findest du direkt bei PixelCritics.

Die Nachricht, die hoffen lässt – und die Frage, die bleibt

Tom Warren von The Verge hat es auf X geteilt: id Software befinde sich in der frühen Phase eines neuen Doom-Spiels. Kein Support-Studio, wie Gerüchte behaupteten. Sondern Entwicklung, und zwar für den Kern der Marke. Warrens genaue Worte: Die Entlassungen seien tiefgreifend gewesen, aber das Studio sei nicht zum reinen Zuarbeiter degradiert worden. Stattdessen arbeite man am nächsten Doom. Dass es überhaupt zu solchen Spekulationen kommen konnte, hängt auch mit den Gerüchten um Massenentlassungen bei id Software zusammen, die schon seit Wochen kursieren.

Die offizielle Bestätigung kam kurz darauf direkt von id Software. In einer Stellungnahme betont das Studio, dass man noch die Leute habe, die man brauche – und dass das Team heute etwa so groß sei wie zur Zeit von Doom 2016. Ein bemerkenswerter Satz, wenn man bedenkt, dass Doom 2016 das Comeback der Serie war.

id Software wehrt sich gegen das Support-Studio-Narrativ

Die Gerüchte hielten sich hartnäckig: id Software sei nur noch ein Rumpf-Team, das fremde Projekte unterstützt. Zu plausibel war das Bild, das sich aus den WARN-Filing-Daten ergab: 96 Entlassungen allein am Standort Richardson, 40 weitere Remote-Stellen. Scott Miller, Gründer von Apogee, brachte es auf den Punkt: Die meisten, wenn nicht sogar alle Programmierer seien entlassen worden. Dazu eine QA-Abteilung, die praktisch nicht mehr existiert.

Dass id sich gegen dieses Bild wehrt, ist verständlich. Die offizielle Linie: Man habe immer als flaches Studio gearbeitet, in dem jeder mit anpackt. Und die Größe von damals – Doom 2016 – sei heute wieder erreicht. Was die Stellungnahme nicht sagt: Doom 2016 entstand mit einem hoch spezialisierten Kern, der jahrelang eingespielt war. Heute fehlen genau die Leute, die das Fundament von id Tech gelegt haben. Die Engine, die DOOM: The Dark Ages antreibt, wurde von Programmierern gebaut, die jetzt nicht mehr da sind.

Was "Größe wie zu Doom 2016" wirklich bedeutet

Die Zahl klingt erstmal beruhigend: gleich groß wie bei Doom 2016. Aber bei Doom 2016 saßen etwa 70 bis 80 Leute im Kern-Team. Heute bedeutet "gleich groß" etwas völlig anderes, weil die Zusammensetzung eine andere ist. Damals war id Software ein intaktes Studio mit erfahrenen Engine-Entwicklern, die id Tech 6 von Grund auf kannten. Heute ist die Belegschaft zwar zahlenmäßig ähnlich, aber die institutionelle Erfahrung – die Leute, die wussten, wie der Code tickt – ist weg.

Xbox hat auf Nachfrage von IGN bestätigt, dass "mehrere Dutzend Leute an id Tech arbeiten, verteilt auf mehrere Standorte". Die Behauptung, dass nur eine einzige Person in Texas übrig sei, sei "ungenau". Das klingt nach Schadensbegrenzung. Dass wir überhaupt nachfragen müssen, ob id Tech noch entwickelbar ist, zeigt, wie tief der Einschnitt sitzt. DOOM: The Dark Ages lieferte im Test noch auf ganzer Linie ab – die Frage ist, ob das beim nächsten Mal auch so sein wird.

Die Zukunft des Slayers zwischen Dämonenblut und Rotstift

Was wird das neue Doom? Tom Warrens Hinweis lässt viel Raum für Spekulation. The Dark Ages endete mit der Revelations-Erweiterung an einem Punkt, der zeitlich vor dem ersten Doom von 2016 spielt. Hugo Martin spricht bei Revelations selbst von einer quasi-Fortsetzung für 20 Euro – erzählerisch und spielerisch ein Meisterwerk. Es gibt also erzählerischen Spielraum. Ein Sprung in die Moderne, eine Rückkehr zu den Wurzeln – oder ein kompletter Neuanfang.

Die interessantere Frage ist eine andere: Kann ein Studio, das seine technische Elite verloren hat, ein Doom in der Qualität von The Dark Ages liefern? id Software sagt Ja. Die Branche beobachtet. Was von id Software übrig ist, reicht vielleicht für einen weiteren Doom-Titel – aber ob der sich anfühlt wie ein id-Spiel oder wie der Abgesang auf eine Ära, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Gameplay-Szenen kommen.

Zur Web-Version auf PixelCritics: https://pixelcritics.com/nach-der-halbierung-id-software-startet-die-entwicklung-des-naechsten-doom/

Gaming / Doom / id Software / Xbox / Bethesda
[pixelcritics.com] · 13.07.2026 · 14:00 Uhr
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