Mobilfunknetz spürt Drohnen auf
Rheinmetall und die Deutsche Telekom arbeiten an einem Abwehrschirm gegen Drohnen und Cyberangriffe. Im Fokus der gemeinsamen Entwicklung steht der Schutz von kritischen Infrastrukturen, zivilen Betriebsstätten und Großveranstaltungen.

14. Oktober 2026, 09:00 Uhr · Quelle: Pressebox
Die Kooperation nutzt das Mobilfunknetz zur Drohnendetektion und soll ein deutschlandweites Lagezentrum ermöglichen.

Düsseldorf, 14.10.2026 (PresseBox) - Die wiederholten Vorfälle am Münchner Airport und anderen europäischen Flughäfen zeigen eindringlich: Eine einzige Drohne kann den Betrieb komplett lahmlegen, Passagiere stranden lassen, wirtschaftliche Schäden verursachen. Was früher Einzelfälle waren, ist heute Alltag. Ob über kritischen Infrastrukturen wie Chemieanlagen, Stromnetzen und Häfen oder bei sportlichen Großereignissen – unbemannte Flugobjekte stellen eine ernstzunehmende Gefahr dar. Urbane Großveranstaltungen wie Public Viewings, Paraden oder politische Versammlungen sind bedroht. Die aktuelle geopolitische Lage verschärft die Situation zusätzlich. Hybride Kriegsführung, gezielte Sabotageakte und die kontinuierlich wachsende Bedrohungslage zwingen Deutschland, seine kritische Infrastruktur wirksam zu schützen. Herkömmliche Abwehrsysteme stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. Die Bedrohung erfordert neue, intelligente Antworten.

Zwei Partner, ein Ziel

Genau hier setzt die Kooperation von Rheinmetall und der Deutschen Telekom an. Das Düsseldorfer Verteidigungsunternehmen bringt jahrelange Erfahrung in der Drohnenabwehr mit, der Bonner Telekommunikationsanbieter sein flächendeckendes Mobilfunknetz und umfangreiche Expertise bei der Absicherung von Großereignissen. Gemeinsam entwickeln die beiden DAX-Unternehmen ein modulares Schutzsystem, das sich flexibel an unterschiedliche Bedrohungslagen anpassen lässt. Der Ansatz: Multi-Threat-Protection. Während sich Phase eins auf die Drohnenabwehr konzentriert, soll die zukünftige Lösung auch Bedrohungen zu Lande, zu Wasser und im Cyberraum umfassen.

Modulare Architektur für flexible Lösungen

Von der Erkennung über die Identifikation bis zur Abwehr bündeln die beiden Partner je nach Szenario und Gefährdungslage verschiedene Technologien. Beide Unternehmen haben Kompetenz in der Sensorik. Rheinmetall verantwortet die Effektoren. Die Deutsche Telekom bringt sichere Kommunikations- und 5G-Campusnetze, Cloud-Technologie und Datenanalyse mit. Die einzelnen Fähigkeitsbausteine lassen sich flexibel zu maßgeschneiderten Lösungen kombinieren. Denn Kraftwerksbetreiber oder Industrieunternehmen benötigen andere Schutzmechanismen als ein Flughafen oder eine Blaulichtorganisation. So verschieden die Anforderungen auch sind, am Ende geht es immer darum, Drohnen frühzeitig zu detektieren und die Bedrohung mit Störsignalen (Jammern), Abfangdrohnen oder – je nach Umgebung und Zulässigkeit – laserbasierten Abwehrsystemen zu kontern.

Das Netz als intelligenter Wächter

Noch fliegen die meisten der heute am Markt verfügbaren Drohnen, weil ein Pilot sie in Sichtweite per Fernbedienung über eine Funkfrequenz steuert. Um sie aufzuspüren, setzt die Telekom auf einen Mix aus Video-, Audio-, Radiofrequenz- und Remote-ID-Sensoren sowie Radar. In städtischen Gebieten mit dichter Bebauung haben sich besonders passive Radiofrequenz-Sensoren bewährt, die selbst kein aktives Suchsignal aussenden und sich deshalb problemlos an Funkmasten montieren lassen. Sie erfassen derzeit mehr als 90 Prozent aller Drohnen im sogenannten unteren Luftraum.

Mittlerweile werden sowohl handelsübliche als auch selbstgebaute Drohnen zunehmend per Smartphone über das Internet gesteuert. Der flächendeckende Ausbau leistungsfähiger Mobilfunknetze macht es möglich – über weite Strecken, quasi von überall aus. Für Unternehmen und Behörden bedeutet das eine neue Dimension der Bedrohung. Die Telekom erforscht deshalb in Zusammenarbeit mit der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr sowie im Projekt SENSATION des Bundesforschungsministeriums, wie sich solche mobilfunkgesteuerten Drohnen identifizieren lassen. Ihre Innovation: Das Mobilfunknetz selbst wird zum aktiven Bestandteil der Verteidigung. Das Netz erkennt verdächtige Kommunikationsmuster und meldet potenzielle Bedrohungen in Echtzeit. Ein Ansatz, der weit über klassische Radar- oder Kamerasysteme hinausgeht und eine neue Dimension der Früherkennung eröffnet. Technisch ist es sogar möglich, solche Steuerungsdatenströme aktiv zu unterbinden – die juristischen Rahmenbedingungen werden derzeit noch geklärt.

Deutschlandweites Drohnenlagezentrum

Die neue Art der Drohnendetektion soll ebenfalls in das Gemeinschaftsvorhaben von Rheinmetall und der Telekom einfließen. Perspektivisch denken die beiden Partner in Richtung eines deutschlandweiten Drohnenlagezentrums. Anders als militärische Luftlagebilder wird diese Plattform nicht klassifiziert und steht allen Kunden offen. Auf diesem Wege profitieren Unternehmen und Infrastrukturbetreiber nicht nur von den Erkennungen ihrer eigenen Systeme, sondern erhalten auch Informationen über Detektionen bei anderen Nutzern sowie aus öffentlich zugänglichen Quellen. Eine Datenfusion mit KI-gestützten Prognosen bewertet aktuelle Bedrohungen und ermöglicht Folgeanalysen. So entsteht ein Schutzschirm, der regional wie überregional wirkt und durch das leistungsstarke Mobilfunknetz der Telekom und ein entsprechendes terrestrisches Netz gestützt wird.

Erprobt im Ernstfall

Die Telekom erprobt seit 2016 die Möglichkeiten der Drohnendetektion. Neben verschiedenen Behörden zählen die Bundeswehr, Flughäfen und Unternehmen zu den Kunden. Der Konzern hat im In- und Ausland bereits kritische Infrastrukturen, Liegenschaften und Großevents gegen Drohnen gesichert. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 detektierte das Telekommunikationsunternehmen im Polizeiauftrag zuverlässig illegale Drohnenflüge. Einsatzkräfte konnten Piloten dank punktgenauer Lokalisierung schnell ausfindig machen.

Rheinmetall zählt zu den führenden Systemhäusern bei der Flugabwehr im Nah- und Nächstbereich. Effektoren des Düsseldorfer Technologiekonzerns sind aktuell in der Ukraine sowie im Nahen und Mittleren Osten im Einsatz. Im Dezember 2025 schloss Rheinmetall eine strategische Partnerschaft mit der Polizei Hamburg und der Hamburg Port Authority, um Drohnendetektions- und Abwehrkonzepte für einen der anspruchsvollsten Standorte Europas zu entwickeln: Der Hamburger Hafen gilt wegen seiner dichten Infrastruktur, der maritimen Bedingungen und der Vielzahl an Funkquellen als besonders herausforderndes Umfeld für Detektionssysteme.

Schnelle Verfügbarkeit, breites Einsatzspektrum

Die Zeitpläne sind ambitioniert. Einzelne Lösungen sind bereits bei verschiedenen Kunden im produktiven Einsatz. Die Komponenten aus Phase eins zur Erkennung, Identifikation und Abwehr von Drohnen sind fertig und werden in wenigen Monaten kommerziell verfügbar sein – auch in Kombination der Fähigkeiten beider Konzerne. Ab Phase zwei und den folgenden Ausbaustufen werden zusätzliche Schutzfunktionen gegen Angriffe aus dem Cyberraum integriert, was besonders für kleinere und mittlere Betriebe interessant wird.

Verantwortung in unsicheren Zeiten

Beide DAX-Unternehmen verbindet die Überzeugung, dass Sicherheit heute nur noch vernetzt gedacht werden kann. Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall, fasst die strategische Dimension des Projekts zusammen: „Die Bedrohung durch Drohnen ist hochgradig digital. Deshalb braucht ihre Abwehr die Verbindung aus Sensorik, Effektoren und sicheren Kommunikationsnetzen. Rheinmetall und die Deutsche Telekom bündeln genau diese Fähigkeiten.“ Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, betont: „Souveränität entsteht nicht nur durch Diskussionen, sondern durch Taten. Mit der Kompetenz bei Konnektivität, Cloud und Datenanalyse bringt die Telekom Drohnenabwehr auf ein neues Level.“ Gemeinsam mit Rheinmetall stärke man so die Souveränität und leiste einen Beitrag dazu, Sorgen in der Bevölkerung zu reduzieren.

Sicherheit / Drohnenabwehr / Kritische Infrastruktur / Deutsche Telekom / Rheinmetall / Mobilfunknetz / Drohnendetektion
[pressebox.de] · 14.10.2026 · 09:00 Uhr
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