Milchviehhalter in der Krise: Der Preisverfall bei Milchprodukten sorgt für Existenzängste

Die aktuellen Entwicklungen auf dem Milchmarkt stellen eine ernsthafte Bedrohung für viele Betriebe dar. Nach Angaben von Albert Hortmann-Scholten, Agrarmarktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sind die Auszahlungspreise für Milch seit Spätsommer stark gesunken, was landwirtschaftliche Betriebe in Bedrängnis bringt. Frank Kohlenberg, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, äußerte scharfe Kritik an den niedrigen Butterpreisen im Einzelhandel, die aktuell bei 99 Cent für eine 250-Gramm-Packung liegen und bezeichnete dies als unakzeptabel.
Ursache für die Preisrutsch ist ein globaler Produktionszuwachs und Handelskonflikte, wie der Zollstreit mit China, der zu erhöhten Zöllen für Agrarprodukte führte. Der Anstieg der Milchproduktion hat ein Überangebot am Markt erzeugt, was die Preise weiter drückt. Auch der starke Dollar verteuert Exporte aus der Eurozone, was ebenfalls zu dem Preisverfall beiträgt.
Der Lebensmitteleinzelhandel verschärft die Situation, indem er die überschüssige Milch zu Butter verarbeitet und einen harten Preiswettbewerb anzettelt. Der Handel wird von Frank Kohlenberg dafür kritisiert, die niedrigen Einkaufspreise nicht an die Landwirte weiterzugeben, obwohl diese über höhere Verkaufspreise hätten entlastet werden können. In anderen europäischen Ländern lägen die Butterpreise deutlich höher, was deren Landwirten zugutekomme.
Aus Protest erwägen Landwirte, sich aus dem Agrardialog mit dem Einzelhandel zurückzuziehen. Der Bayerische Bauernverband hat bereits das Bundeskartellamt eingeschaltet, um die niedrigen Butterpreise zu prüfen. Auch persönliche Krisengespräche zu Weihnachten stehen für viele Landwirte im Raum, da sie über die Zukunft ihrer Betriebe und deren derzeitige Form nachdenken müssen.

