Ukraine-Krieg

Merz: «Wir sind kein Spielball von Großmächten»

17. Dezember 2025, 17:45 Uhr · Quelle: dpa
Bundestag
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Merz richtet vor dem EU-Gipfel einen eindringlichen Appell an die Partner.
Friedrich Merz plädiert für die Nutzung russischer Vermögenswerte zur Unterstützung der Ukraine. Er betont, dass Europa aktiv in weltpolitischen Veränderungen handeln muss, um nicht von Großmächten abhängig zu sein.

Berlin (dpa) - Vor dem mit Spannung erwarteten EU-Gipfel hat Bundeskanzler Friedrich Merz noch einmal eindringlich für die Nutzung des in der Europäischen Union eingefrorenen russischen Staatsvermögens für die Unterstützung der Ukraine geworben. Es gehe um ein «klares Signal an Russland», dass die Fortsetzung des Angriffskriegs sinnlos sei, sagte der CDU-Vorsitzende in einer Regierungserklärung im Bundestag. Das Vermögen könne die militärische Unterstützung der Ukraine für weitere zwei Jahre gewährleisten.

Der Kanzler machte sich grundsätzlich für ein selbstbewusstes Auftreten Deutschlands und Europas in einer Welt stark, die sich gerade in einem epochalen Umbruch befinde. «Wir dürfen nicht dabei zusehen, wie die Welt neu geordnet wird», betonte er. «Wir sind kein Spielball von Großmächten.»

Merz versicherte, dass man die bevorstehenden Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen könne: «Wir wollen und wir müssen selbst ein handelnder Akteur bleiben, der für seine Interessen und seine Werte mit Entschiedenheit und Durchsetzungskraft einsteht», betonte der Kanzler. «Das können wir auch.»

Entscheidung «von erheblicher Tragweite»

Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten wollen am Donnerstag über die Nutzung der staatlichen Vermögenswerte in dreistelliger Milliardenhöhe für die finanzielle und militärische Unterstützung der Ukraine entscheiden. Merz hat sich an die Spitze der Befürworter eines solchen Schritts gesetzt. Vor allem in Belgien, wo der größte Teil des Vermögens lagert, gibt es aber massive rechtliche und politische Bedenken.

Merz betonte, dass es sich um eine Entscheidung «von erheblicher Tragweite» handele. «Es geht bei dieser Frage um nicht mehr und um nicht weniger als die europäische Sicherheit und Souveränität», sagte er.

AfD nennt Pläne «perfide» - Grüne dafür 

Unterstützung bekam er von den Grünen. «Es ist gut, dass Sie das jetzt tun», sagte Fraktionschefin Katharina Dröge. Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla sprach dagegen von «perfiden Plänen». Die finanzielle und militärische Unterstützung der Ukraine richte sich gegen die Interessen der deutschen Bürger. 

Die Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek nannte die Pläne rechtlich fragwürdig. Sie warb im Bundestag stattdessen dafür, das Vermögen der Oligarchen hinter dem russischen Präsidenten Putin zu konfiszieren. «Das schadet dem genauso, ist einfacher und rechtssicher.»

Kanzler wirbt auch für Mercosur-Abkommen

Merz warb in seiner Rede auch nachdrücklich für das geplante Freihandelsabkommen mit den vier lateinamerikanischen Mercosur-Staaten. «Die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union bemisst sich auch daran, ob wir nach 26 Jahren von Verhandlungen endlich in der Lage sind, dieses Handelsabkommen zu einem Abschluss zu bringen», sagte er. Diejenigen, die in der jetzigen Lage an großen Abkommen «kleinteilig herummäkeln», hätten die Prioritäten nicht richtig verstanden. 

Der Deal soll den Handel zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ankurbeln. Die französische Regierung hatte zuletzt jedoch abermals Nachbesserungen und eine Verschiebung gefordert. Dem Abkommen kommt eine große Bedeutung zu, weil es ein Gegenmodell zur protektionistischen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump sein soll. 

Für die EU geht es um die Handlungsfähigkeit

Merz reist noch heute Nachmittag nach Brüssel, wo zunächst der EU-Westbalkan-Gipfel stattfindet. Am Donnerstag soll dann die Entscheidung über die Nutzung des russischen Vermögens fallen.

Der Kanzler hat die Entscheidung zur «Schlüsselfrage» für die EU erklärt, die jetzt gelöst werden müsse. Wenn das nicht geschehe, sei die Handlungsfähigkeit Europas «massiv beschädigt», sagte er schon Anfang der Woche beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin. 

Für die Ukraine geht es um ihr Überleben

Um noch mehr als für die EU geht es aber für die Ukraine - nämlich quasi ums Überleben. Auf die USA kann die Ukraine nicht mehr zählen, weil Trump kein Geld mehr für sie ausgeben will. Bleiben die europäischen Verbündeten.

Von ihnen braucht sie ab dem zweiten Quartal des nächsten Jahres frisches Geld. Die erforderlichen Mittel über die EU anders zu organisieren als über das russische Staatsvermögen, gilt derzeit als nicht möglich. Dafür bräuchte es eine einstimmige Entscheidung der 27 EU-Staaten - und Länder wie Ungarn und Tschechien kündigten bereits an, dies nicht mitzutragen.

Die Unterstützung müsste dann durch die einzelnen Mitgliedstaaten geleistet werden. Und in denen schwindet nach vier Jahren Krieg die Akzeptanz dafür, den Abwehrkampf der Ukraine gegen die russischen Angreifer weiter zu finanzieren.

Für Merz geht es um seine europäische Führungsrolle

Für den Kanzler ist es eine erste große Bewährungsprobe als europäische Führungsfigur. Merz stand der Nutzung des russischen Vermögens lange Zeit skeptisch gegenüber. Ende September setzte er sich dann aber mit einem Gastbeitrag für die «Financial Times» überraschend an die Spitze der Befürworter. 

Die EU habe sich dazu verpflichtet, der Ukraine so lange beizustehen wie nötig, schrieb er. «Ich bin der Überzeugung, dass es nun an der Zeit ist, dieses politische Versprechen mit einem Instrument zu unterlegen, das ein unmissverständliches Signal der Widerstandsfähigkeit nach Moskau sendet.» 

Es war ein riskantes Manöver, das sich für Merz schwieriger gestaltete, als er sich das wohl vorgestellt hat. Beim letzten Gipfel im Oktober kam es wegen des massiven Widerstands des belgischen Ministerpräsidenten Bart de Wever nicht zu einer Einigung.

Nun heißt es: Hopp oder Top. Eine Einigung wäre nach dem Ukraine-Gipfel in Berlin ein zweiter großer außenpolitischer Erfolg für Merz innerhalb einer Woche. Ein Scheitern wäre aber auch sein Scheitern. Die Chance auf eine Einigung stehe bei «fifty-fifty», sagte der CDU-Chef am Dienstagabend in einem ZDF-Interview.

EU / Diplomatie / Bundestag / Bundesregierung / Deutschland / Europa
17.12.2025 · 17:45 Uhr
[3 Kommentare]
Iranische Drohnen
Teheran (dpa) - Der Iran setzt auch einen Monat nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe seinen Beschuss benachbarter Golfstaaten mit ballistischen Raketen und Drohnen unablässig fort. Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten in der Nacht erneute Angriffe. Im Persischen Golf wurde zudem vor der Küste von […] (00)
vor 45 Minuten
RZA und Ghostface Killah
(BANG) - Fans des Wu-Tang Clan haben Rückerstattungen angeboten bekommen, nachdem mehrere Mitglieder bei der als komplette Abschiedstour angekündigten Konzertreihe fehlten. Die legendäre Hip-Hop-Gruppe trat am 25. März im Brisbane Entertainment Centre auf. Allerdings nicht in vollständiger Besetzung, obwohl im Vorfeld angekündigt worden war, dass "alle […] (00)
vor 11 Stunden
Eine Frau tippt auf einem Laptop
Berlin (dpa/tmn) - Sie möchten per Gmail versandte Nachrichten oder Informationen besonders schützen und den Zugriff darauf auch nach dem Abschicken nicht verlieren? Dann sollten Sie den sogenannten vertraulichen Modus ausprobieren. Darüber ist Folgendes möglich, weil die E-Mail-Inhalte im Prinzip auf dem Server verbleiben: Ein Ablaufdatum zum Lesen […] (00)
vor 4 Stunden
Ein Doppelpack für Fans: Xbox Games Showcase 2026 und E‑Day Direct im Juni
Heute hat Xbox bekannt gegeben, dass der Xbox Games Showcase 2026 am Sonntag, den 7. Juni, um 19: 00 Uhr stattfinden wird, unmittelbar gefolgt von einem ausführlichen Einblick in die Rückkehr einer der legendärsten Spielereihen von Xbox: mit der Gears of War: E-Day Direct. Der Showcase bietet erste Einblicke ins Gameplay und wichtige Neuigkeiten zu […] (00)
vor 8 Stunden
«Al cielo con ella» erobert den Dienstagabend bei La 1
Henar Álvarez steigt mit ihrem Format ins spanische Primetime-Programm auf – zum Start mit Shakria. Der spanische Sender RTVE befördert das Format Al cielo con ella in die Primetime: Ab dem 7. April läuft die Show immer dienstags im Hauptprogramm von La 1 – direkt im Anschluss an «La Revuelta» sowie parallel auf RTVE Play. Die Late-Night-Show erreichte zuletzt ein beachtliches Publikum. […] (00)
vor 5 Stunden
Deutschland - Ghana
Stuttgart (dpa) - Bundestrainer Julian Nagelsmann hat ebenso wie mehrere Fußball-Nationalspieler um Siegtorschütze Deniz Undav und Kapitän Joshua Kimmich die Pfiffe gegen Leroy Sané beim 2: 1 im WM-Test gegen Ghana beklagt.  «Ich will keine Fans kritisieren, weil das habe ich einmal gemacht vor ein, zwei Jahren. Das hätte ich nicht machen sollen. […] (00)
vor 17 Minuten
trading, investing, stocks, options, dow, nasdaq, downtown, profit, tesla, bitcoin
Die Krypto-Märkte starten in die Woche mit einem Fokus auf makroökonomische Entwicklungen. Während mehrere Ereignisse auf Protokollebene geplant sind, dürften die Entwicklungen im Iran-Konflikt und Signale der US-Notenbank (Fed) die Haupttreiber bleiben. Berichten zufolge bereitet sich das Pentagon auf mögliche Bodenoperationen im Iran vor, obwohl […] (00)
vor 1 Stunde
Veranstaltungübersicht April 2026
Mainz, 30.03.2026 (lifePR) -   Offener Stick-Strick-Häkel-Kreis Wir wollen uns beim offenen Stick-Strick und Häkelkreis-Treffen zusammensetzen, um gemeinsam verschiedene Handarbeitstechniken zu Erlernen, Wissen auszutauschen und voneinander zu lernen. Do 02/04 Do 16/04 Do 30/04 und weitere Termine bis Ende Juli 16.30–18.30 Uhr Es sind keine […] (00)
vor 10 Stunden
 
Fahne vor den Vereinten Nationen (UN) (Archiv)
Jakarta - Ein indonesischer Blauhelm-Soldat ist im Libanon durch ein Projektil […] (02)
Ahmed al-Scharaa und Friedrich Merz am 30.03.2026
Berlin - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat dem syrischen Präsidenten Ahmed al- […] (00)
Stromausfall auf Kuba
Washington/Moskau (dpa) - Trotz bestehender Ölblockade lassen die USA nach Angaben […] (09)
Syrer in Deutschland feiern den Sturz von Assad in Syrien (Archiv)
Berlin - Angesichts des Besuchs von Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa in […] (00)
Genehmigungen für die Massenprobenahme Amex Exploration Inc. (TSX-V: AMX, FWB: MX0, […] (00)
History Channel schickt Alice Roberts auf Schienen
Der Sender zeigt im Mai gleich zwei historische Reihen, die Geschichte entlang legendärer […] (00)
Review: Alltagshelfer auf drei Rädern – Saugroboter Proscenic Q20 Plus
Saugroboter sind wie moderne Wichtel, während der Arbeitszeit oder dem […] (00)
Lola Young
(BANG) - Lola Young hat gelernt, Nein zu sagen, seit sie sich wegen ihrer Sucht […] (00)
 
 
Suchbegriff