Küstenforschung in Deutschland: Anpassung an den steigenden Meeresspiegel gefordert
Der Anstieg des Meeresspiegels und die Bedrohung von Küstenregionen durch den Klimawandel rücken verstärkt ins Bewusstsein von Wissenschaftlern, Politik und Gesellschaft. Trotz umfangreichem Wissen bestehen laut Prof. Torsten Schlurmann vom Ludwig-Franzius-Institut der Leibniz Universität Hannover, zugleich Vize des Konsortiums Deutsche Meeresforschung, Defizite bei der Umsetzung von Strategien. Auf dem ersten Forum Küstenforschung in Hannover wird daher zu einem interdisziplinären Austausch aufgerufen.
Der Meeresspiegel steigt derzeit um vier bis fünf Millimeter pro Jahr, Tendenz steigend. Für das Ende dieses Jahrhunderts wird ein Anstieg von bis zu 1,10 Meter prognostiziert, im darauffolgenden Jahrhundert könnten es bis zu 2,00 Meter sein. Schlurmann betont, dass der Meeresspiegelanstieg nicht aufzuhalten sei, sondern lediglich die Zeit gewonnen werden könne, um Anpassungsmaßnahmen zu ergreifen.
Während der Küstenschutz Deutschlands als sehr gut aufgestellt gilt, erfordern die steigenden Herausforderungen neue Ansätze und Technologien. Technische Begrenzungen beim Erhöhen von Deichen sowie die sich verändernden Gezeiten und Materialflüsse stellen die Forschung und Infrastruktur Norddeutschlands vor immense Aufgaben.
Das Land Niedersachsen plant Investitionen von 81 Millionen Euro in den Küstenschutz, mit einem besonderen Fokus auf Deiche und Sperrwerke. Weitere Maßnahmen betreffen den Ausbau der Offshore-Windenergie und die damit verbundene notwendige Infrastruktur, wie der Bau neuer Häfen, bei dem der Meeresspiegelanstieg Berücksichtigung finden muss.
Der moderne Küstenschutz setzt zunehmend auf natürliche Mittel wie Seegras- und Salzwiesen sowie Austernbänke, um die Küstenstabilität zu erhöhen. Um nachhaltige und effiziente Lösungen zu finden, ist es entscheidend, den Dialog mit einer Vielzahl an Akteuren zu suchen und lokale Anpassungen vorzunehmen.

