Krieg in Nahost

Knesset gegen einseitige Gründung eines Palästinenserstaats

21. Februar 2024, 20:03 Uhr · Quelle: dpa
Eine «einseitige Anerkennung» eines palästinensischen Staates? Das will weder die israelische Regierung, noch das Parlament in Jerusalem. Zugleich gehen die Kämpfe weiter - und nicht nur im Gazastreifen. Der Überblick.

Tel Aviv (dpa) - Israels Parlament hat sich gegen eine «einseitige Anerkennung» eines palästinensischen Staates ausgesprochen. 99 der 120 Abgeordneten stimmten am Mittwoch für eine entsprechende Regierungserklärung, wie die konservative Likud-Partei des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mitteilte.

«Die Knesset hat sich heute mit großer Mehrheit gegen den Versuch ausgesprochen, uns die Gründung eines palästinensischen Staates zu diktieren», sagte Netanjahu nach Angaben seiner Partei. Er gratulierte den Abgeordneten, die für seinen Vorschlag gestimmt hätten.

Netanjahus Kabinett hatte am Sonntag einstimmig eine Erklärung gebilligt, wonach Israels Regierung eine von internationalen Parteien aufgezwungene Friedensregelung mit den Palästinensern ablehnt. Eine Friedensregelung sei nur als Ergebnis direkter Verhandlungen beider Seiten ohne Vorbedingungen denkbar, hieß es darin weiter.

Medien hatten zuvor berichtet, die USA und andere Bündnispartner könnten auch ohne israelische Zustimmung einen palästinensischen Staat anerkennen.

Israels Armee: «Dutzende Terroristen» getötet

Die israelische Armee tötete in einem Viertel der Stadt Gaza nach eigenen Angaben «Dutzende Terroristen bei Bodenkämpfen und gezielten Luftangriffen». Das Militär teilte mit, es seien dort auch zahlreiche Waffen gefunden worden. Gleichzeitig hätten die Truppen auch ihren Einsatz in Chan Junis im Süden des Gazastreifens verstärkt. Auch dort seien binnen 24 Stunden rund 20 bewaffnete Kämpfer getötet worden, hieß es in der Mitteilung. Die Angaben lasseb sich bisher nicht unabhängig überprüfen.

Der israelische Armeesender hatte am Dienstag berichtet, Truppen seien in der Nacht bereits in das Viertel Al-Saitun vorgedrungen. Der Einsatz konzentriere sich auf «Terror-Infrastruktur der Hamas, die von der Armee bisher nicht zerstört wurde». Es werde damit gerechnet, dass die Operation dort mehrere Wochen andauern könnte. Die Armee hatte die Einwohner von Al-Saitun sowie eines weiteren Viertels am Dienstag zur Flucht aufgerufen.

Palästinenser: Junge bei Zusammenstößen im Westjordanland getötet

Bei Konfrontationen im Zuge eines israelischen Armeeeinsatzes im besetzten Westjordanland wurde palästinensischen Angaben zufolge ein 14-Jähriger getötet. Dem Jungen sei ins Herz geschossen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah mit. In einem Ort östlich der Stadt Kalkilia sei es zu Zusammenstößen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern gekommen, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Vier Menschen wurden den Angaben zufolge festgenommen.

Israels Armee teilte auf Anfrage mit, in dem Ort im Nordwesten des Palästinensergebiets habe ein Palästinenser einen Molotowcocktail auf einen zivilen, israelischen Bus gefeuert. Zudem habe es gewaltsame Ausschreitungen gegeben. Verdächtige hätten Steine auf die israelischen Einsatzkräfte geschleudert. Diese hätten daraufhin scharf geschossen und dabei eine Person getroffen.

Eine Tote im Libanon nach israelischem Angriff

Bei einem israelischen Angriff im Süden des Libanon wurde eine Frau getötet. Die Tochter der Frau sei bei dem Angriff auf den Ort Madschdal Zun zudem schwer verletzt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA. Von der israelischen Armee hieß es, israelische Kampfjets hätten Kommandozentren der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah in dem Gebiet angegriffen. Insgesamt seien im Süden des Libanons drei Hisbollah-Kommandozentren attackiert worden. Israelische Artillerie habe zudem zwei Ziele in dem Nachbarland beschossen, «um eine Bedrohung zu entfernen».

Die Hisbollah reklamierte ihrerseits mehrere Angriffe auf israelische Ziele für sich. Die proiranische Miliz griff nach eigenen Angaben Stellungen des israelischen Militärs unter anderem in Even Menachem, Schomera und im Gebiet der Schebaa-Farmen an. Als Reaktion auf frühere israelische Angriffe auf Zivilisten hätten die Kämpfer außerdem zwei Gebäude in Avivim angegriffen. Darin sollen sich nach Hisbollah-Angaben israelische Soldaten befunden haben.

Berichte über Explosionen in Damaskus

Mehrere Explosionen erschütterten Berichten zufolge die syrische Hauptstadt Damaskus. Der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge soll es sich um israelische Angriffe gehandelt haben, bei denen drei Menschen getötet wurden. Eines der Opfer soll ein syrischer Zivilist gewesen sein, zwei weitere seien ausländische Staatsbürger gewesen, deren Identität bisher nicht festgestellt werden konnte. Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete einen israelischen Angriff. Israels Militär wollte sich auf Anfrage nicht zu den Berichten äußern. 

Am Nachmittag wurden in Damaskus als auch in dessen Umland weitere Explosionen gemeldet. Wie die Beobachtungsstelle berichtete, soll es sich wohl um israelische Angriffe auf iranische Milizen gehandelt haben. Angaben über mögliche Opfer gab es zunächst keine.

USA: UN-Gericht soll sich in Gaza-Konflikt zurückhalten

Indessen riefen die USA den Internationalen Gerichtshof auf, sich im Gaza-Krieg mit einseitigen Forderungen an Israel zurückzuhalten. Die Aufforderung, die besetzten Gebiete unverzüglich und bedingungslos zu räumen, könnte den Friedensprozess noch weiter blockieren, warnte der Rechtsvertreter der USA; Richard Visek, vor dem Gericht in Den Haag. Das Gericht sollte nicht versuchen, den lang andauernden Konflikt mit einem Rechtsgutachten zu lösen, das nur das Verhalten einer Seite gezielt anspreche.

Seit Montag läuft bei dem höchsten Gericht der Vereinten Nationen eine Anhörung zur Frage, ob die seit fast 60 Jahren dauernde israelische Besatzung der palästinensischen Gebiete rechtmäßig ist. Eine Rekordzahl von 52 Staaten und drei internationalen Organisationen beteiligt sich daran. Eine Entscheidung des Gerichts wird erst in Monaten erwartet.

Der Vertreter der USA bekräftigte, dass ein solches Rechtsgutachten Konsequenzen für die Konfliktparteien und für die andauernden «Bemühungen um einen dauerhaften Frieden» haben werde. Der Vertreter Russlands, Botschafter Wladimir Tarabrin, klagte Israel wegen der «andauernden Verweigerung des Selbstbestimmungsrechtes für die Palästinenser» an. Er beschuldigte auch die USA, den Friedensprozess seit Jahren absichtlich zu stören.

Politik / Konflikte / Krieg / UN / Nahost / Gaza / Hamas / Benjamin Netanjahu / Knesset / Israel / Palästinensische Gebiete / International
21.02.2024 · 20:03 Uhr
[4 Kommentare]
Claus Weselsky (Archiv)
Berlin - Eineinhalb Jahre nach Beginn seines Ruhestands hat der ehemalige GDL-Chef Claus Weselsky die gesunkene Medienpräsenz der Lokführergewerkschaft bemängelt. "Die GDL findet nun weniger statt, es wird keine einzelne Person mehr vermarktet, sondern das Team", sagte Weselsky dem "Stern". "Ich glaube, anders wäre es besser." Bei der letzten […] (00)
vor 24 Minuten
Sugababes want to do more with PinkPantheress
(BANG) - Die Sugababes hoffen, nach ihrer Zusammenarbeit auf einem Remix-Album erneut mit PinkPantheress zu arbeiten. Die britische Pop-Girlgroup – die derzeit aus der ursprünglichen Besetzung mit Keisha Buchanan, Mutya Buena und Siobhan Donaghy besteht – steuerte Songtexte zu dem Track 'Nice to Know You + Sugababes' bei. Der Track enthält außerdem ein […] (01)
vor 10 Stunden
iFixit Teardown: MacBook Neo ist das reparierfreundlichste MacBook seit 2012
Das neue MacBook Neo hat in einem Teardown von iFixit eine erfreulich hohe Reparierbarkeit bewiesen. Laut den Technikern ist es das am leichtesten zu reparierende Apple-Notebook seit 14 Jahren. Quelle: Christin Hume, Unsplash MacBook Neo Demontage Die Reparatur-Experten von iFixit haben das Gehäuse des neuen Notebooks genauer unter die Lupe […] (01)
vor 11 Stunden
GTA 6 Trailer 3 bald? Rockstars ungewöhnliches GTA-Online-Update lässt Fans spekulieren
Rockstar Games veröffentlicht gewöhnlich jeden Dienstag ein Update für GTA Online , das Boni, Events und Herausforderungen für die laufende Woche ankündigt. Am 13. März 2026 war das anders. Statt eines Ein-Wochen-Updates wurde ein Dreiwochen-Fahrplan veröffentlicht, der alle GTA Online -Inhalte bis zum 1. April auf einmal abdeckt. Das schafft einen […] (00)
vor 5 Stunden
«Katholischer Gottesdienst»: ZDF überträgt Jubelkommunion aus Erlangen
Am Sonntag, 12. April 2026, um 09.30 Uhr zeigt das ZDF den «Katholischer Gottesdienst» zur Jubelkommunion aus der Apostelkirche in Erlangen. Im Mittelpunkt der Übertragung steht die fränkische Tradition des Kommunionjubiläums. Der Katholischer Gottesdienst wird am Sonntag, 12. April, um 09.30 Uhr im ZDF ausgestrahlt und ist ab diesem Zeitpunkt auch im Streaming verfügbar – bis zum 11. April […] (00)
vor 11 Stunden
Formel 1 in Bahrain
Berlin (dpa) - Nach der militärischen Eskalation im Nahen Osten hat die Formel 1 die beiden Grand Prix in Bahrain und Saudi-Arabien abgesagt. Wie der Motorsport-Weltverband Fia mitteilte, werden die für den 12. und 19. April angesetzten Rennen aus dem Kalender ersatzlos gestrichen. Am Freitag hatte bereits der TV-Sender Sky berichtet, dass die beiden […] (00)
vor 1 Stunde
kostenloses stock foto zu banknoten, bargeldlose gesellschaft, berlin
Der Bitcoin-Kurs hat in der vergangenen Woche erneut eine interessante Entwicklung gezeigt, während die globale Unsicherheit in den breiteren Finanzmärkten anhält. Allerdings erwies sich das Widerstandsniveau von $74.000 erneut als unüberwindbar, als die führende Kryptowährung am Wochenende einen erneuten Versuch unternahm, diese Marke zu […] (00)
vor 34 Minuten
So können Sie bedrohte Wörter mit De-Domains retten
Koeln, 13.03.2026 (PresseBox) - Das Artensterben von Tieren und Pflanzen gilt unbestritten als eine der großen Tragödien unserer Zeit. Es ist nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein kultureller Verlust, der die Menschheit in vielerlei Hinsicht betrifft. Mit jeder Art, die von diesem Planeten verschwindet, schrumpft die biologische Vielfalt – und […] (01)
Freitag um 17:54
 
Abstimmung auf SPD-Parteitag (Archiv)
Potsdam - Die geplante Koalition aus SPD und CDU in Brandenburg hat ihre finale Hürde […] (01)
Markus Söder (Archiv)
München - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert einen grundlegenden […] (00)
Iran-Krieg - Vereinigte Arabische Emirate
Teheran (dpa) - Israel sieht im Krieg mit dem Iran einen Schlüsselmoment gekommen. […] (00)
Paralympics: Achter Wettkampftag
Cortina d'Ampezzo (dpa) - Die alpine Skirennläuferin Andrea Rothfuss und Snowboarder […] (00)
Keith David spielt in NBC-Pilot mit Jake Johnson
Der Schauspieler stößt zum neuen Comedy-Pilot über Privatdetektive von «Brooklyn Nine-Nine»- […] (00)
cryptocurrency, bitcoin, coin, money, digital, finance, crypto, cognac, liquor, clock
Goldman Sachs hat sich still und leise eine der größten bekannten institutionellen […] (00)
Sharp Fernseher – Die J-Serie für jeden Anspruch
Made in Japan“: Sharp startet mit erschwinglichen, erstklassigen Home-Entertainment- […] (00)
Formel 1 in Bahrain
Berlin (dpa) - Nach der militärischen Eskalation im Nahen Osten sagt die Formel 1 […] (04)
 
 
Suchbegriff