Die Lage im Überblick

Kiew erwartet neue russische Offensive

27. Mai 2025, 04:57 Uhr · Quelle: dpa
Russland beschießt ukrainische Städte mit neuer Wucht. Der ukrainische Präsident Selenskyj bezeichnet die Attacken als militärisch sinnlos - trotzdem fürchtet Kiew neue russische Vorstöße.

Kiew (dpa) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland die Planung einer neuen Offensive vorgeworfen. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass Kremlchef Wladimir Putin und seine Umgebung sich auf eine Beendigung des Kriegs vorbereiteten und ernsthaft eine diplomatische Lösung in Betracht zögen, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. «Im Gegenteil, es gibt viele Anzeichen dafür, dass sie neue Angriffsoperationen vorbereiten.» 

Nach der Rekordzahl an russischen Drohnenattacken auf die Ukraine in den vergangenen drei Tagen gab es auch in der Nacht zu Dienstag wieder Luftalarm im Osten und Süden des Landes. Die ukrainische Luftwaffe warnte auf Telegram vor Angriffen etwa in den Regionen Sumy, Charkiw, Dnipropetrowsk, Mykolajiw und über dem Schwarzen Meer in Richtung der Hafenstadt Odessa. Demnach sollen dabei unter anderem Drohnen des Typs Schahed im Einsatz gewesen sein. Ukrainische Medien berichteten von Explosionen in Sumy, das in der Nähe der Grenze zu Russland liegt. 

Ob die Angriffe genauso heftig waren wie in den vorangegangenen Nächten, war zunächst nicht absehbar. Am Wochenende und in der Nacht zu Montag hatte Russland die Ukraine massiv mit Drohnen und Marschflugkörpern attackiert. Es wurde nach Kiewer Angaben ein Höchststand an Angriffen seit Beginn des Krieges verzeichnet. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als drei Jahren gegen eine russische Invasion.

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs steht die Ukraine auch an der Front weiter unter Druck. Im abendlichen Lagebericht ist von 141 russischen Vorstößen im Tagesverlauf die Rede. Mehr als ein Drittel - nämlich 53 - haben die russischen Truppen demnach im Raum Pokrowsk gestartet. Die Stadt mit vor dem Krieg rund 60.000 Einwohnern gilt wegen ihrer Lage als strategisch wichtig und wird seit Monaten von den russischen Streitkräften attackiert. Inzwischen ist Pokrowsk fast völlig zerstört. Dennoch kommen die Russen hier kaum voran.

Militärexperten warnen ebenfalls vor russischer Offensive

Problematisch ist für die Ukrainer nach Ansicht von Militärexperten hingegen die Lage weiter nördlich. Zwischen Pokrowsk und Torezk ist den russischen Truppen demnach ein Durchbruch gelungen, der nun auch die Stadt Kostjantyniwka bedroht. Damit käme Putin seinem Ziel der vollständigen Eroberung des Gebietes Donezk näher.

Zudem warnen Militärexperten vor einer möglichen russischen Offensive im Norden der Ukraine. Das Gebiet Sumy gilt nach dem Rückzug ukrainischer Truppen aus der westrussischen Region Kurks als mögliches Zielgebiet für einen russischen Vorstoß in der Sommeroffensive. Putin hatte zuletzt auch noch einmal erklärt, einen 30 Kilometer breiten Grenzstreifen der Ukraine zur Pufferzone machen zu wollen.

Selenskyj sieht russische Angriffe als Verhöhnung Trumps

Selenskyjs Angaben nach zeigt die russische Führung mit ihren Kriegsanstrengungen ihre Verachtung für alle diejenigen, die sich um einen Frieden bemühten. Diese Aussage dürfte sich auf US-Präsident Donald Trump beziehen, der sich seit seinem Amtsantritt im Januar als Vermittler für eine Friedenslösung präsentierte. 

Der ukrainische Staatschef nannte die Großangriffe der russischen Streitkräfte auf Städte in seinem Land mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und mehr als 900 Drohnen in den vergangenen drei Tagen aus militärischer Sicht sinnlos. Sie dienten lediglich der Zerstörung. In dem Zusammenhang forderte Selenskyj einmal mehr den Druck auf Moskau durch weitere Sanktionen zu erhöhen.

Die Angriffe der letzten Tage hatte zuletzt auch Trump kritisiert. Er warf Putin vor, verrückt geworden zu sein, und drohte mit Sanktionen. Im Kreml war dies kühl als «emotionale Überlastung» des US-Präsidenten abgetan worden. Putin tue nur, was für die Sicherheit Russlands nötig sei, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow.

Kritik aus der SPD an Merz' Waffen-Wende im Ukraine-Krieg

Die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigte Aufhebung der Beschränkungen für den Einsatz deutscher Waffen gegen russisches Territorium im Ukraine-Krieg sorgt für Kritik in der SPD. Der sozialdemokratische Außenpolitiker Ralf Stegner nannte den Schritt «nicht hilfreich». Alles, was den Krieg ausweite, sei falsch, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Ich finde es vielmehr richtig, die diplomatischen Bemühungen zu verstärken.»

Auch der Kreml reagierte auf die Merz-Äußerung. Dies seien «ziemlich gefährliche Entscheidungen, wenn es sie gegeben hat», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Merz hatte am Montag in Berlin gesagt, dass für die von Deutschland an die Ukraine gelieferten Waffen keine Beschränkungen mehr gelten, was die Reichweite und damit den Einsatz gegen russisches Territorium angeht. «Es gibt keinerlei Reichweitenbeschränkungen mehr für Waffen, die an die Ukraine geliefert worden sind, weder von den Briten noch von den Franzosen, noch von uns, von den Amerikanern auch nicht», sagte er. Das heiße, die Ukraine könne sich jetzt «auch verteidigen, indem sie zum Beispiel militärische Stellungen in Russland angreift. Das konnte sie bis vor einiger Zeit nicht.»

Die Äußerung bedeutet einen Kurswechsel gegenüber seinem Vorgänger Olaf Scholz (SPD). Der hatte zwar im vergangenen Jahr den Einsatz deutscher Waffen wie den Mehrfachraketenwerfer Mars II gegen Stellungen auf russischem Territorium für die Region um die umkämpfte Großstadt Charkiw erlaubt. Er hatte sich in der Folge aber anders als wichtige Bündnispartner wie Großbritannien und Frankreich gegen eine darüber hinausgehenden Aufhebung der Einsatzbeschränkungen ausgesprochen.

Konflikte / Krieg / Russland / USA
27.05.2025 · 04:57 Uhr
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