Kalundborg in Aufruhr: Novo Nordisk und die Stille nach dem Bau
In der dänischen Küstenstadt Kalundborg, die auch als "Novo Town" bekannt ist, passt man sich langsam an ein neues Geräuschspektrum an: nicht mehr das Hämmern der Bauarbeiter, sondern das Schweigen der Ungewissheit. Mit dem ehrgeizigen Bauprojekt für die Herstellung des Wegovy-Gewichtsverlustmedikaments von Novo Nordisk, das letztes Jahr noch die europäische Börsenlandschaft dominierte, kommt nun eine Phase der Veränderung, die nicht alle erfreut.
Die Ankündigung des dänischen Pharmariesen, bis zu 5.000 Stellen im Heimatmarkt zu streichen, hat die Region in Alarmbereitschaft versetzt. "Alle scheinen die Luft anzuhalten", beschreibt Kalundborgs stellvertretende Bürgermeisterin Tina Beck-Nilsson die allgemeine Gemütslage der Bewohner, die sich plötzlich in einer Stadt der Ungewissheit wiederfinden.
Derweil hat der Wettbewerb aus den USA, vornehmlich mit Eli Lilly, den Absatz von Wegovy gebremst und zu einem Börsenverlust von über 400 Milliarden Dollar geführt. Lokale Marktakteure, wie der Immobilienmakler Thomas Ziegler Jensen, sehen die Nervosität auf dem Immobilienmarkt; viele fragen sich, was nach dem Ende des Baubooms aus den umgenutzten Arbeitsunterkünften wird.
Trotzdem bleibt Novo Nordisk ein bedeutender Bestandteil der dänischen Wirtschaft. Der bisherige Boom, gekrönt von Investitionen in Höhe von fast 10 Milliarden Dollar zwischen 2021 und 2024, bescherte der Kleinstadt hohe Gehälter und einen florierenden Dienstleistungssektor.
Doch nun, da sich die Wachstumskurve abflacht, befindet man sich im "Abwarten-und-Tee-trinken"-Modus. Dänemarks Zentralbank rechnet mit einer Wachstumskorrektur, und Novo selbst setzt auf eine strategische Umstrukturierung. Arbeitsplätze sollen vorerst auf das Niveau von 2024 zurückgefahren werden, dennoch bleibt die Hoffnung, dass Novo langfristig bleibt und floriert.
Bürgermeister Martin Damm sieht die Entwicklung pragmatisch: Der lokale Arbeitsmarkt könnte von einer Verschnaufpause profitieren, insbesondere bei der Suche nach Fachkräften. Junge Menschen wie der Maschinenbau-Student Ask Aaberg hoffen zudem, dass sich der Druck auf dem Wohnungsmarkt entspannt.
Für einige, wie die Therapeutin Heidi Thron Rune, ist die Aussicht auf etwas mehr Ruhe sogar ein willkommener Vorteil. Denn nicht nur für Kalundborg, sondern auch für ganz Dänemark gilt: Die Anpassungen sind gewaltig, aber nicht unbedingt das Ende einer Ära.

