Investmentweek

JPMorgans Botschaft zum Zollhammer

21. April 2025, 12:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
JPMorgan erwartet einen drastischen Anstieg der US-Einfuhrzölle – und rechnet trotz möglicher „Deals“ mit einem anhaltend protektionistischen Kurs. Was das für globale Märkte bedeutet und welche Strategien Investoren jetzt kennen sollten.

Die Rückkehr der Zölle ist kein Bluff – sondern Basisannahme

Die Botschaft von JPMorgan ist unmissverständlich: Sollten Donald Trump und seine Berater wie angekündigt eine zweite Amtszeit mit einem harten protektionistischen Kurs einleiten, werden internationale Märkte nicht um eine Neuordnung herumkommen.

Die Analysten der US-Großbank gehen in ihrer jüngsten Studie davon aus, dass sich die effektive US-Zollbelastung auf Importe auf 10 bis 20 Prozent erhöhen dürfte – und das nicht nur als kurzfristige Drohkulisse, sondern als neue wirtschaftspolitische Realität.

Zum Vergleich: Anfang 2025 lag der effektive Satz noch bei rund 2 Prozent. Die Multiplikation der Abgaben würde nicht nur die Lieferketten neu sortieren, sondern die Globalisierungsdividende fundamental in Frage stellen.

„Liberation Day“ – das neue Narrativ aus dem Trump-Lager

Trump selbst spricht bereits seit Monaten von einem wirtschaftspolitischen „Befreiungsschlag“, sollte er erneut ins Oval Office einziehen.

Der sogenannte „Liberation Day“ – ein von seinem Team bewusst gesetzter Begriff – steht dabei für eine radikale Neuausrichtung der Handelspolitik: mehr Zölle, weniger Abhängigkeit, neue Deals auf Augenhöhe, wie es heißt.

JPMorgan rechnet zwar mit punktuellen Einigungen – insbesondere mit befreundeten Volkswirtschaften – erwartet aber, dass selbst nach erfolgreichen Verhandlungen dauerhaft erhöhte Tarifniveaus bleiben. Das sei, so die Autoren der Analyse, politisch gewollt und ökonomisch kalkuliert – mit Risiken, aber auch strategischem Potenzial für US-Unternehmen.

Mehr Volatilität, weniger Vorhersehbarkeit: Märkte müssen sich auf kurzfristige Ausschläge und politische Kurswechsel einstellen.

Eine milde Rezession könnte vermieden werden

Spannend ist: Trotz dieser Schockszenarien prognostiziert JPMorgan keine tiefe US-Rezession. Der Grund: Die Binnenkonjunktur sei robust, fiskalische Stimuli wahrscheinlich, und Handelsabkommen mit Lateinamerika oder Südkorea könnten Schlimmeres abfedern.

Dennoch werde die US-Wirtschaft gebremst, insbesondere durch zwei Faktoren: steigende Verbraucherpreise und ein leicht anziehender Arbeitsmarkt.

Die globale Investorenwelt müsse sich auf ein Umfeld einstellen, in dem Wachstum schwächer, aber Volatilität höher werde – eine Konstellation, die ganz eigene Anforderungen an Portfolio-Strategien stellt.

Was Anleger jetzt tun können – JPMorgans doppelte Antwort

Die Investmentstrategie von JPMorgan reagiert mit zwei konkreten Empfehlungen auf das neue Umfeld: strukturierte Produkte und Hedgefonds-Allokationen.

1. Strukturierte Noten: Defensive mit Prämie

Strukturierte Notes – also festverzinsliche Wertpapiere mit eingebauten Derivaten – sollen Anlegern helfen, Erträge in volatilen Märkten zu erzielen, ohne das gesamte Aktienrisiko zu tragen. Insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder moderat fallenden Kursen können diese Produkte über Optionsprämien regelmäßige Einkünfte generieren.

Allerdings warnen die Analysten: Wer sich für diese Instrumente entscheidet, gibt einen Teil der Kurschancen ab – und muss die Produktstruktur im Detail verstehen.

2. Hedgefonds: Die Rückkehr der aktiven Makro-Strategien

Der zweite Hebel sind Hedgefonds – genauer: Makro- und Relative-Value-Strategien, die auf Preisdifferenzen, Währungsbewegungen oder Rohstoffzyklen setzen. In einem Umfeld steigender Zölle, neuer Subventionen und geopolitischer Spannungen steigt die Zahl der Marktverzerrungen – und damit auch die Zahl der Arbitragechancen.

JPMorgan verweist explizit auf Multi-Asset-Fonds, die flexibel zwischen Anlageklassen wechseln können und sowohl von Long- als auch Short-Positionen profitieren. Diese seien ideal geeignet, um sich gegen asymmetrische Risiken abzusichern.

Besonders betroffen: Europa, Emerging Markets, Tech

Welche Regionen oder Branchen trifft es besonders? Laut JPMorgan gleich mehrere – und zwar auf unterschiedliche Weise:

  • Europa wird durch neue US-Zölle indirekt unter Druck geraten, insbesondere bei Automobilen, Maschinenbau und Luxusgütern.
  • Emerging Markets verlieren als Zulieferer-Standorte an Attraktivität – profitieren aber dort, wo die USA neue Handelsabkommen forcieren (Lateinamerika, Vietnam).
  • Technologie- und Halbleiterwerte sind aufgrund ihrer globalen Produktionsketten besonders anfällig – könnten aber durch „Onshoring“-Initiativen in den USA neue Impulse erhalten.

Besonderes Augenmerk verdient China: Als geopolitischer Hauptgegner im Trump-Lager droht Peking eine neue Eskalation – auch abseits wirtschaftlicher Maßnahmen.

Die eigentliche Unsicherheit: Trump selbst

Was das Szenario so schwer kalkulierbar macht, ist nicht allein die ökonomische Dimension, sondern die politische. Trump operiert nicht mit Regeln, sondern mit maximaler Verhandlungsmasse. Zölle sind für ihn kein Mittel zur Strukturanpassung, sondern zur Machtprojektion.

Für Anleger bedeutet das: Nicht der Tarif an sich ist das Risiko – sondern seine Unvorhersehbarkeit. Mal trifft es Mexiko, mal Deutschland, dann wieder Apple oder Ford. Planbarkeit sieht anders aus.

Wer auf globale Märkte setzt, braucht neue Schutzmechanismen

Die Analyse von JPMorgan ist kein Alarmismus – sie ist eine nüchterne Einschätzung dessen, was realistisch ist, wenn Donald Trump zurückkehrt. Und sie ist ein Weckruf für Anleger, ihr Risikomanagement neu zu justieren.

Denn eines ist sicher: Wenn die stärkste Volkswirtschaft der Welt den Welthandel neu verhandelt, bleibt kein Portfolio unberührt.

Finanzen / Global
[InvestmentWeek] · 21.04.2025 · 12:00 Uhr
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