Krieg in Nahost

Israel greift Teheran an - Iran will Tod von Chamenei rächen

01. März 2026, 21:14 Uhr · Quelle: dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
Auch nach der Tötung von Chamenei gingen die Angriffe weiter.
Israel tötet das iranische Staatsoberhaupt Chamenei. Der Iran holt zu neuen Gegenschlägen aus - ungeachtet einer Warnung von US-Präsident Trump. Ein Ende der Eskalation ist nicht absehbar.

Teheran/Tel Aviv/Washington (dpa) - Nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts und Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei überziehen sich Israel und der Iran weiter gegenseitig mit Angriffen. Die israelische Armee teilte mit, sie greife «Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an». Einwohner berichteten von lauten Explosionen. Irans Präsident Massud Peseschkian bezeichnete die Tötung von Chamenei durch das israelische Militär als offene Kriegserklärung gegen alle Muslime weltweit.

Israel und die USA greifen seit Samstag Ziele im Iran an. Inzwischen hat auch der Iran bestätigt, dass Chamenei getötet wurde. US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu haben deutlich gemacht, dass sie mit den Angriffen auf die Führungsriege des Landes den Weg für einen Machtwechsel ebnen wollen. Sie riefen die Iraner dazu auf, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und auf Golfstaaten, in denen das US-Militär Stützpunkte unterhält. 

Israel: Immer wieder Raketenalarm 

In Israel gab es das ganze Wochenende immer wieder Raketenalarm. Seit Samstagabend mussten Millionen Menschen bereits rund 20 Mal wegen Angriffen in die Schutzräume eilen. In mehreren Gegenden wurden Einschläge gemeldet. In Beit Schemesch westlich von Jerusalem wurden neun Menschen beim Einschlag einer Rakete getötet. Insgesamt kamen am Wochenende nach israelischen Angaben mindestens elf Menschen ums Leben, Dutzende Menschen wurden demnach verletzt.

Iran: Zwischen Jubel und Angst

Die Angriffe und die Tötung von Chamenei lösten im Iran Panik und Trauer, aber auch Jubel und Hoffnung aus. Am Sonntag wurde das Stadtzentrum Teherans wieder von Explosionen erschüttert. Bei den Angriffen auch auf andere Regionen des Landes kamen nach Angaben des Roten Halbmonds bereits mehr als 200 Menschen ums Leben. Hunderte wurden verletzt.

Trump warnte den Iran vor weiteren Gegenschlägen. Man werde darauf «mit einer Stärke, die man noch nie vorher gesehen hat» reagieren. Dennoch schwor der Iran Rache. 

Dreierspitze soll Aufgaben Chameneis zunächst übernehmen 

Den Iran soll nun vorübergehend ein dreiköpfiger Rat führen: Präsident Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie das Mitglied des Wächterrats, ⁠Alireza ⁠Arafi. Das Trio soll die Aufgaben Chameneis übernehmen, bis die 88 Geistlichen im sogenannten Expertenrat einen Nachfolger benennen. Wie schnell das Machtgefüge mitten im Krieg neu geordnet werden kann, ist völlig offen. 

Explosionen in Golfstaaten 

Der Iran beschränkte seine Angriffe nicht nur auf Israel. In Bahrain, Katar sowie in Abu Dhabi und Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden Einschläge und Explosionen gemeldet. Die Revolutionsgarden hätten 27 US-Stützpunkte in der Golfregion angegriffen, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim, ein Sprachrohr der Elitestreitmacht. 

Die Eskalation in Nahost wirkt sich erheblich auf den internationalen Luftverkehr aus. Zahlreiche Lufträume wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen, Tausende Reisende saßen fest oder mussten umgeleitet werden. Nach Angaben der Plattform Flightradar24 wurden an sieben großen Flughäfen mehr als 3.400 Flüge gestrichen - darunter an den internationalen Drehkreuzen Dubai, Abu Dhabi und Doha.

Israel und USA verteidigen ihr Vorgehen

Die israelische Armee hat Chamenei nach eigenen Angaben am Samstag gezielt getötet, als er sich mit hochrangigen Funktionären der Staatsführung in einem Gebäudekomplex im Zentrum Teherans aufhielt. Einem Bericht der «New York Times» zufolge gab der US-Auslandsgeheimdienst CIA den entscheidenden Hinweis auf seinen Aufenthaltsort. 

Der Iran hat mittlerweile bestätigt, dass auch hochrangige Militärs wie Generalstabschef Abdolrahim Mussawi getötet wurden. Die israelische Armee teilte mit, bei den ersten Angriffen am Samstag insgesamt 40 iranische Kommandeure getötet zu haben. Auch Irans Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad kam laut Staatsmedien ums Leben. 

Israel und die USA begründen ihre Angriffe mit der Bedrohung, die vom Iran und der bisherigen Führung ausgehe. Die Attacken begannen kurz nach neuen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über Teherans umstrittenes Atomprogramm, durch das sich Israel in seiner Existenz bedroht sieht. Experten sehen in den Angriffen auf den Iran einen Bruch des Völkerrechts.

Europas gespaltene Reaktion

China und Russland, beide wichtige Unterstützer des Irans, verurteilten die Tötung von Chamenei. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem «zynischen Verstoß gegen alle Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts». Das chinesische Außenministerium sieht eine Verletzung der Souveränität des Irans und rief zur Einstellung aller militärischer Handlungen auf. 

In Europa fielen die Reaktionen auf die israelisch-amerikanischen Angriffe unterschiedlich aus. Deutschland - gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien - verurteilte die iranischen Angriffe auf Staaten in der Region. Die Regierungschefs von Spanien und Norwegen verurteilten nicht nur die iranischen Gegenschläge, sondern auch die Angriffe auf den Iran in aller Schärfe. 

Der Tod von Religionsführers Chamenei markiere einen «entscheidenden Moment» in der iranischen Geschichte, teilte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas mit. 

Merz: Vorgehen der USA und Israels «nicht ohne Risiko»

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wies auf Risiken der Angriffe Israels und der USA gegen den Iran hin. «Die Militärschläge sollen das zerstörerische Spiel eines geschwächten Regimes beenden», sagte er. «Das ist nicht ohne Risiko.» Man wisse nicht, «in welche Eskalation die harten iranischen Gegenschläge die Region noch ziehen werden». Zur völkerrechtlichen Einordnung der Militärschläge der USA und Israels äußerte er sich zurückhaltend. Es sei jetzt «nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren», sagte Merz. «Bei allen Zweifeln teilen wir viele ihrer Ziele, ohne selbst imstande zu sein, sie auch tatsächlich zu erreichen.»

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01.03.2026 · 21:14 Uhr
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