Olympische Spiele

IOC lässt russische Sportler für Olympia zu

08. Dezember 2023, 18:44 Uhr · Quelle: dpa
Seit Russlands Angriff auf die Ukraine tobt die Debatte über den Umgang mit russischen Sportlern und ihre Zulassung für die Sommerspiele. Jetzt hat das IOC seine Entscheidung getroffen.

Lausanne (dpa) - 231 Tage vor der Olympia-Eröffnungsfeier hat Thomas Bachs IOC das Spiel auf Zeit beendet und Russlands Sportlern den Weg nach Paris geebnet.

Die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees erteilte Einzelsportlern aus Russland und Belarus unter bestimmten Auflagen die Starterlaubnis für die Sommerspiele 2024, sofern sie die Qualifikationsbedingungen erfüllen. Damit folgte das IOC um Präsident Bach einer Aufforderung der internationalen Sommersportverbände und der Nationalen Olympischen Komitees, endlich eine Entscheidung in dieser seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine umstrittenen Frage zu treffen.

Bedingung ist wie bereits für die Rückkehr in internationale Wettbewerbe, dass Russen und Belarussen nur unter neutraler Flagge in Paris dabei sein dürfen. Mannschaften sind nicht zugelassen. Damit darf für die Starter aus Russland und Belarus auch ihre Nationalhymne nicht bei Olympia in Paris gespielt werden, nationale Symbole und Fahnen sind für sie ebenso untersagt.

Außerdem dürfen diese Athleten keine Verbindung zur Armee und den Sicherheitsorganen haben und nicht aktiv ihre Unterstützung für den Krieg in der Ukraine gezeigt haben. Unklar blieb, wie diese Zugangsbeschränkung flächendeckend geprüft und abgesichert werden soll. Zudem müssen die Anti-Doping-Richtlinien erfüllt sein - auch das eine Vorgabe, deren Umsetzung dem Weltsport bei Russlands langem Doping-Sündenregister noch Debatten bescheren dürfte.

Acht Russen und drei Belarussen qualifiziert

Als zusätzliche Auflage fordert das IOC von allen Athleten ein schriftliches Bekenntnis zur Olympischen Charta und damit auch zur «Friedensmission der olympischen Bewegung». Bislang wären nach IOC-Angaben acht Russen und drei Belarussen für Olympia in Paris qualifiziert.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba kritisierte die Entscheidung scharf. «Das Internationale Olympische Komitee hat Russland grünes Licht gegeben, Olympia als Waffe zu benutzen», schrieb Kuleba beim Kurznachrichtendienst X, ehemals Twitter. 

Wadym Hutzajt, Chef des ukrainischen Olympischen Komitees, hatte kurz vor dem IOC-Beschluss noch die Forderung nach einem Komplett-Ausschluss russischer Sportler bekräftigt. Unter den rund 4600 schon teilnahmeberechtigten Athletinnen und Athleten seien mehr als 60 Ukrainer, hieß es. 

In Russland wurde der IOC-Entscheid dagegen erwartungsgemäß begrüßt. «Ich bin sehr froh, dass das IOC eine menschliche Entscheidung getroffen hat», sagte die frühere Eiskunstlauf-Startrainerin Tatjana Tarassowa dem Portal «Sport Express». «Das ist ein großer Sieg», fügte Tarassowa hinzu.

Russlands Sportminister: Auflagen diskriminierend

Russlands Sportminister Oleg Matyzin bezeichnete die Auflagen als diskriminierend. Eine Olympia-Teilnahme sei für Sportler selbstverständlich ein Traum, sagte Matyzin der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. «Aber die Bedingungen, die uns geboten werden, laufen grundlegenden olympischen Prinzipien zuwider.»

Nach Russlands Angriff auf die Ukraine waren Russen und Belarussen zunächst von internationalen Sportwettbewerben ausgeschlossen worden. Belarus unterstützt Russland in dem Konflikt. Bereits im Frühjahr hatte das IOC beiden Ländern aber wieder die Tür zu den großen Sportbühnen geöffnet und den Rahmen für die Teilnahme an Wettkämpfen festgelegt.

Kritik aus Deutschland

So sollte es den Sportlern auch ermöglicht werden, die Qualifikationskriterien für die Sommerspiele zu erfüllen. Eine Reihe von Weltverbänden folgte in den vergangenen Monaten den Vorgaben des IOC und ließ Russen und Belarussen wieder zu. Die Gruppe der internationalen Verbände um die Leichtathletik, die Sportler aus beiden Ländern weiter aussperren, schrumpfte in den vergangenen Monaten stetig.

Auch die Mehrheit der internationalen Athletengemeinde sei für eine Starterlaubnis für russische und belarussische Sportler, versicherte das IOC immer wieder. Die Vereinigung Athleten Deutschland kritisierte jedoch die Linie des Dachverbandes: «Die Instrumentalisierung des Sports und der Athletinnen und Athleten für Putins Kriegspropaganda wird damit nicht unterbunden. Das Instrument scheint nicht geeignet und mit erheblichen praktischen Umsetzungsproblemen behaftet zu sein.»

Die Entscheidung über die Olympia-Teilnahme hatte sich der Dachverband bis zuletzt offen gelassen. Im September hob auch das Internationale Paralympische Komitee seinen Komplett-Bann gegen Russland auf und erlaubte russischen Behindertensportlern unter neutraler Flagge den Start bei den Paralympics in Paris. Dies wurde bereits als Vorbote für einen entsprechenden Entschluss des IOC gewertet.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund hatte zuletzt seinen Kurs unter Verweis auf die Mehrheitsmeinung im internationalen Sport geändert und für einen Start von Russen und Belarussen in Paris plädiert. «Wir begrüßen die Aufrechterhaltung der strikten Sportsanktionen gegen Russland und Belarus sowie die nun herrschende Klarheit», sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert in einer ersten Reaktion am Freitag. Mit Blick auf die vom IOC benannten Bedingungen fügte er hinzu: «Jetzt gilt es, diese Auflagen weiterhin konsequent umzusetzen.»

Zwist zwischen IOC und Russland

Auch der jüngste Zwist zwischen dem IOC und Russland verhinderte die Olympia-Zulassung nicht. Wegen der Aufnahme regionaler Sportverbände in besetzten ukrainischen Gebieten in das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) hatte die IOC-Exekutive das ROC suspendiert. Die Entscheidung vom 5. Oktober, die regionalen Sportverbände Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischja aufzunehmen, verletze die Olympische Charta, weil sie die territoriale Integrität des ukrainischen olympischen Komitees missachte, hieß es zur Begründung.

Das IOC verwies im Zuge seiner Entscheidung darauf, dass neben den Sommersportverbänden, vielen Athleten und Olympia-Komitees auch viele Regierungen seinen Kurs unterstützen würden. Zudem habe die Welt-Anti-Doping-Agentur festgestellt, dass Dopingkontrollen in Russland trotz des Krieges gesichert seien. Mehr als 10.500 Tests seien in diesem Jahr bei russischen Sportlern vorgenommen worden.

Der Vorstandschef der Nationalen Anti-Doping-Agentur, Lars Mortsiefer, hatte dagegen zuletzt anhaltende Kontrolllücken befürchtet und von «großen Bauchschmerzen» bei einer Olympia-Starterlaubnis für russische Sportler gesprochen.

Olympia / Sportpolitik / Krieg / Konflikte / IOC / Thomas Bach / Wadym Hutzajt / Russland / International / Belarus / Frankreich / Ukraine
08.12.2023 · 18:44 Uhr
[4 Kommentare]
Ella Seidel
Oeiras (dpa) - Den deutschen Tennis-Frauen droht beim Billie Jean King Cup der nächste Abstieg. Das Team von Cheftrainer Torben Beltz verlor in Oeiras nahe Lissabon auch das zweite Spiel gegen Schweden mit 1: 2. Schon das Auftaktduell gegen die gastgebenden Portugiesinnen hatte die DTB-Auswahl mit 1: 2 verloren. Der Traum von der schnellen Rückkehr in […] (00)
vor 39 Minuten
Mario Adorf (Archiv)
Berlin - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Tod von Schauspieler Mario Adorf kondoliert. Steinmeier würdigte Adorf am Donnerstag als "einen der bedeutendsten deutschen Schauspieler", der das kulturelle Leben weit über die Landesgrenzen hinaus bereichert habe. Adorf sei sowohl im deutschen Autorenfilm als auch im internationalen Kino zu […] (00)
vor 24 Minuten
Britney Spears und Madonna bei den VMAs 2003
(BANG) - Madonna soll sehr daran interessiert sein, Britney Spears für ihr neues Album zu gewinnen. Die "Queen of Pop" hat eine besondere Verbindung zu der 'Toxic'-Interpretin, nachdem sie 2003 bei den MTV VMAs einen berüchtigten Kuss teilten. Im selben Jahr arbeiteten sie auch gemeinsam an Britneys Hit 'Me Against the Music'. Madonna arbeitet derzeit […] (00)
vor 1 Stunde
Schauspieler Mario Adorf
Paris/München (dpa) - Bösewichte und Patriarchen spielte Mario Adorf oft und gern: Die einen lieben ihn für seinen Auftritt als protziger Fabrikant in der Kultserie «Kir Royal», andere kennen ihn als den Schurken Santer aus den Karl-May-Filmen. Mario Adorf hat schier unzählige Rollen gespielt, am Theater, im Fernsehen und im Kino. Am Mittwoch ist die […] (01)
vor 2 Stunden
DayZ: Bohemia Interactive liefert das bisher größte technische Update 1.29
Das Überleben in der apokalyptischen Welt von DayZ war selten so flüssig, so atmosphärisch und so klar wie jetzt. Bohemia Interactive hat mit Update 1.29 ein Paket geschnürt, das weit über das hinausgeht, was ursprünglich geplant war – und das auf allen Plattformen gleichzeitig. Was genau drinsteckt und warum sich selbst erfahrene Überlebende freuen […] (00)
vor 27 Minuten
KiKA startet neues Smart-TV-Angebot für Kinder
Mit einer überarbeiteten Plattform auf Basis des gemeinsamen StreamingOS von ARD und ZDF baut KiKA sein digitales Angebot weiter aus. Der Kinderkanal von ARD und ZDF treibt seine Streaming-Strategie voran: KiKA hat ein vollständig überarbeitetes Smart-TV- und HbbTV-Angebot gestartet. Die neue Anwendung setzt auf eine modernisierte Nutzerführung, die sich gezielt an den Sehgewohnheiten von […] (00)
vor 3 Stunden
kostenloses stock foto zu banknoten, bargeldlose gesellschaft, berlin
Am 9. April gab es keine Kryptowährung unter den Top 100, die einen zweistelligen Kursverlust verzeichnete. Anders sieht es jedoch bei einigen weniger bekannten Altcoins aus, deren Kurse nach einer Ankündigung der weltweit größten Kryptobörse stark eingebrochen sind. Der Binance-Effekt Binance überprüft regelmäßig die auf seiner Plattform gelisteten […] (00)
vor 1 Stunde
Research: Analysten betrachten Formation Metals als stark unterbewertet
Hamburg, 09.04.2026 (PresseBox) - Die Analysten von Argentum Research haben die Aktie des kanadischen Goldexplorers Formation Metals ( WKN A3D492 / CSE FOMO ) unter Beobachtung genommen und sehen eine starke Unterbewertung des Unternehmens. Sie vergeben deshalb das Rating „Sector Outperform“ und ein Kursziel auf Sicht eines Jahres von 0,70 CAD. Vom […] (00)
vor 1 Stunde
 
Tennis: ATP-Tour
Monte-Carlo (dpa) - Alexander Zverev hat beim Sandplatz-Turnier in Monte-Carlo ohne […] (00)
Gianpiero Lambiase (l) und Max Verstappen
Milton Keynes/Woking (dpa) - Max Verstappens Formel-1-Team Red Bull verliert nach […] (01)
Adler Mannheim - EHC Red Bull München
Berlin/Mannheim (dpa) - Titelverteidiger Eisbären Berlin ist mit einem spektakulären […] (01)
Fahne von Russland (Archiv)
Moskau - Die Menschenrechtsorganisation Memorial ist in Russland offiziell als […] (00)
Neues MacBook Neo mit 12 GB RAM und A19 Pro Chip erwartet
Nach einem aktuellen Bericht plant Apple im Jahr 2027 die Veröffentlichung eines […] (00)
Veränderungen im regulatorischen Umfeld Das aktuelle regulatorische Umfeld wird […] (00)
FC Barcelona - Atlético Madrid
Barcelona/Paris (dpa) - Hansi Flick droht mit dem FC Barcelona das Aus in der […] (04)
Primetime-Check: Dienstag, 7. April 2026
Wie lief es für die zweite «DSDS»-Folge? Hatte das VOX-Ersatzprogramm eine Chance? Vorne lag […] (00)
 
 
Suchbegriff