Hyundai prüft drittes Werk in Europa – Offensive gegen westliche und chinesische Rivalen im EV-Markt
Hyundai Motor plant eine Ausweitung seiner Produktionskapazitäten in Europa, um von der Dynamik chinesischer Elektroautohersteller zu profitieren und Marktanteile von etablierten westlichen sowie japanischen Wettbewerbern zu gewinnen. Im Fokus steht die Möglichkeit, ein drittes Werk auf dem Kontinent zu errichten – zusätzlich zu bestehenden Standorten in Tschechien und der Türkei.
„Wir könnten sogar von der Präsenz chinesischer Marken profitieren“, erklärte Xavier Martinet, neuer Europa-Chef des südkoreanischen Konzerns und früherer Renault-Manager. Die Wechselbereitschaft der Konsumenten im E-Auto-Segment sei deutlich höher als bei Verbrennern. Hyundai will diese Markenauflösung gezielt nutzen.
In den USA zählt Hyundai gemeinsam mit seiner Schwestermarke Kia mittlerweile zu den dominanten Akteuren im Elektrosegment. Der Konzern nahm im März 2025 ein neues Werk in Georgia mit einer Jahreskapazität von 500.000 E-Autos in Betrieb. 2023 und 2024 lag Hyundai dort hinter Tesla auf Platz zwei bei den Elektroauto-Verkäufen, wurde jedoch zuletzt von GM knapp überholt.
In Europa hält die Gruppe laut Daten von Schmidt Automotive Research aktuell 8,4 Prozent Marktanteil im EV-Bereich – mehr als Tesla (7,9 Prozent), aber deutlich hinter Volkswagen (28 Prozent) und BMW (10 Prozent). BYD als größter chinesischer Herausforderer erreicht bereits 3,1 Prozent.
Gleichzeitig verzeichneten Hyundai und Kia im Zeitraum Januar bis Mai 2025 einen Rückgang der Neuzulassungen um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Martinet verweist dennoch auf ambitionierte Ziele: Die EV-Verkäufe in Europa sollen sich 2025 verdoppeln – mit einem neuen SUV-Flaggschiff (Ioniq 9) sowie einem kompakten Einstiegsmodell (Inster) unter 25.000 Euro.
Langfristig plant Hyundai, seine Fahrzeuge stärker auf europäische Bedürfnisse zuzuschneiden. Neben dem Ausbau der lokalen Produktion will das Unternehmen stärker in Forschung, Instandhaltung und After-Sales-Services investieren. Grundlage dafür sei die umfassende Analyse von Fahrzeugdaten.
Martinet bringt einen potenziellen Kapazitätsausbau in den beiden bestehenden Werken ins Spiel, schließt aber den Bau eines dritten Standorts in Europa nicht aus. Die Voraussetzung sei eine nachhaltige Marktanteilssteigerung auf dem Kontinent.

