Greenpeace-Aktivisten protestieren gegen umstrittene Gasbohrungen in Reichling
In einem dramatischen Akt des Protests sind kürzlich Umweltaktivisten von Greenpeace auf das Gelände der geplanten Erdgasbohrung in Reichling eingedrungen. Diese befindet sich im Landkreis Landsberg am Lech, in der Nähe des Ammersees. Dort hissten die 13 Aktivisten ein Banner auf einer fünf Meter hohen Bambuskonstruktion mit der Aufschrift "Kein neues Gas!" Ein Mitglied der Gruppe war dabei an ein Seil mehrere Meter hoch über dem Boden gesichert.
Das Unternehmen hat inzwischen bei der Regierung von Oberbayern den Aufbau des Bohrturms angemeldet, nachdem der Bohrplatz bereits in den letzten Monaten gerodet und vorbereitet worden war. Erste Kranteile und Spezialtanks zur Lagerung gefährlicher Flüssigkeiten wurden bereits auf das Gelände geliefert. Der Protest endete nach etwa drei Stunden aufgrund eines aufziehenden Gewitters. Die Polizei war vor Ort, griff aber nicht ein.
Wann genau mit den Bohrarbeiten begonnen wird, bleibt unklar. Die Regierung von Oberbayern wartet noch auf die formale Mitteilung über den Abschluss der Aufbauten und den Beginn der Arbeiten. Zudem müssen noch Sachverständigenberichte die Mängelfreiheit der technischen Anlage bestätigen. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Bohrarbeiten bereits im ersten Quartal 2025 starten. Jedoch verzögerten sich diese mehrfach.
Der Bürgermeister von Reichling, Johannes Hintersberger, rechnet nun mit einem Beginn in der nächsten Woche. Greenpeace kritisiert das Gasförderprojekt scharf und sieht es als Verstoß gegen die klimapolitische Verantwortung an. "Neue fossile Erdgasvorkommen wie in Reichling zu erschließen, bindet uns langfristig an Gas und ist unverantwortlich", äußerte Saskia Reinbeck von Greenpeace Bayern. Sie fordert Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger auf, solche Projekte zu stoppen.
Zusätzlich verweisen die Kritiker auf ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofs, das jedes Land dazu anhält, sich um das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels zu bemühen. Hinter dem Projekt steht die "Energieprojekt Lech Kinsau 1", mehrheitlich betrieben von der MRH Mineralöl-Rohstoff-Handel aus Düsseldorf und der Genexco. Im Falle eines erfolgreichen Tests plant das Unternehmen eine Förderperiode von bis zu 15 Jahren, die den Energiebedarf von bis zu 15.000 Haushalten decken könnte.
Das Vorhaben ist umstritten, besonders aufgrund von Bedenken um das Trinkwasser. Die lokale Trinkwasserquelle liegt in unmittelbarer Nähe zum Bohrplatz, was Anwohner und Umweltschützer besorgt. Auch befürchten sie negative Effekte auf die Immobilienpreise und den lokalen Tourismus. Das Unternehmen versichert jedoch immer wieder, dass keine Gefahr für die Umwelt bestehe.

