Glaubwürdigkeit auf dem Prüfstand
Von Vincent Mortier, Group CIO Amundi, und Monica Defend, Head of Amundi Investment Institute.

11. September 2026, 08:33 Uhr · Quelle: Pressebox
Steigende Anleiherenditen und geopolitische Spannungen führen zu wachsender Skepsis der Anleger.

München, 11.09.2026 (PresseBox) - Eine sommerliche Mischung aus Gewinnmeldungen, geopolitischen Schlagzeilen und „politischen Ereignissen“ hat dazu geführt, dass Anlegerinnen und Anleger die Aktien- und Anleihemärkte zunehmend kritisch unter die Lupe nehmen.

Einerseits haben sich Aktien dank einer starken Gewinnsaison gut behauptet und sind sogar gestiegen, was bislang die Glaubwürdigkeit des KI-Trends gestützt hat. Andererseits sind die Anleiherenditen weltweit auf ein seit Jahrzehnten nicht mehr gesehenes Niveau gestiegen, was vor allem auf die Unsicherheit des geldpolitischen Kurses der großen Zentralbanken – angesichts der Befürchtungen einer hartnäckigen Inflation sowie auf steigende Bedenken hinsichtlich des Finanzierungsbedarfs und der Haushaltsdisziplin – zurückzuführen ist.

In den USA erreichten die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen ihren höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Das führte dazu, dass das US-Finanzministerium ein doppeltes Rückkaufprogramm ankündigte. Diese Maßnahme hat zusammen mit der gemeinsamen Intervention des US-Finanzministeriums und der Bank of Japan (BoJ) am Yen-Markt den „Devaluation Trade“ wiederbelebt, den US-Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen nach unten gedrückt und die Rolle von Gold als Wertanlage unterstrichen.

Angesichts der zunehmenden Skepsis der Anleger hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der politischen Entscheidungsträger und der Verschuldung der Unternehmen konzentrieren wir uns auf die folgenden Hauptthemen:

·      Im Vorfeld der US-Zwischenwahlen wird das Zusammenspiel zwischen den Bemühungen des US-Finanzministeriums im Rahmen des Rückkaufprogramms und dem Inflationsmandat der Fed ein zentrales Marktthema werden. Das Ausmaß der Intervention des US-Finanzministeriums müsste beträchtlich sein, um den Druck auf die realen Langfristzinsen zu mildern; auch wenn die Position des US-Finanzministeriums dazu beitragen könnte, die Zinsvolatilität gering zu halten. Die Federal Reserve bewegt sich auf einem schmalen Grat: Die Inflation liegt weiterhin über dem Zielwert, doch der Arbeitsmarkt zeigt keinerlei Anzeichen einer Überhitzung.

·      Die jüngsten Währungsinterventionen des US-Finanzministeriums und der BoJ haben die Argumente für einen Kurswechsel bei der BoJ untermauert und die Erwartungen hinsichtlich des Endzinsniveaus in diesem Zinserhöhungszyklus angehoben. Premierministerin Takaichi kann nicht länger auf einen umfassenden reflationären Politik-Mix setzen: lockere Fiskalpolitik, lockere Geldpolitik, einen schwachen Yen und Kapitalrückführungen. Da die lockere Fiskalpolitik wahrscheinlich beibehalten wird, ist zu erwarten, dass Anpassungen zunächst über den Yen und die Geldpolitik erfolgen. Diese Anpassungen müssen so umgesetzt werden, dass Spannungen an den globalen Rentenmärkten vermieden werden.

·      Die Wirtschaft zeigt sich angesichts steigender Risiken widerstandsfähig. Die Spannungen im Nahen Osten halten an, wobei die Störungen in der Straße von Hormus nach wie vor ungelöst sind und die Risiken im Roten Meer zunehmen. Die Aufrechterhaltung alternativer Routen für die Ölversorgung und die Umgehung der Straße von Hormus sind entscheidend für die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft und zur Milderung des Inflationsdrucks. Wichtig ist auch, die Risiken steigender Lebensmittelpreise im Zusammenhang mit dem Klimawandel sowie die Entwicklung der Gaspreise im Auge zu behalten, da die Vorräte in Europa und insbesondere in Deutschland weiterhin niedrig sind.

·      Das Thema KI wird zunehmend selektiver betrachtet. Die Berichtssaison für das zweite Quartal hat deutlich gemacht, dass der Ausbau der Infrastruktur an Fahrt gewinnt, jedoch zunehmend durch Fremdfinanzierung und außerbilanzielle Positionen. Dies verstärkt den Angebotsdruck am langen Ende der Zinskurve und schafft eine Rückkopplungsschleife zwischen den Bewertungen von Technologiewerten und den Anleihemärkten, die es vor zwei Jahren noch nicht gab. In Zukunft wird die genaue Prüfung der Verschuldung der Unternehmen entscheidend sein.

·      Die Schwellenländer zeigen sich weiterhin widerstandsfähig und könnten weiterhin von der Nachfrage nach Diversifizierung in Anleihen und Aktien profitieren. Doch Selektivität bleibt entscheidend. In diesem Umfeld behalten wir insgesamt eine leicht risikofreudige Haltung bei, da das allgemeine wirtschaftliche Umfeld sich moderat konstruktiv zeigt, solange die Kredit- und Liquiditätsbedingungen günstig bleiben. Da sich jedoch unter der Oberfläche Risiken aufbauen, halten wir Diversifizierung nun für wichtiger denn je.

Unsere Einschätzungen zu den Anlageklassen in unserem aktuellen Basisszenario:

·      Anleihen: Im Bereich festverzinslicher Wertpapiere behalten wir eine nahezu neutrale Haltung gegenüber der US-Duration bei, mit einer Tendenz zur Versteilerung der Zinskurve. In der EWU bevorzugen wir Peripherieländer gegenüber Kernländern und bestätigen ebenfalls eine Versteilerung der Zinskurve. In Großbritannien bestätigen wir eine weniger positive Haltung gegenüber der britischen Duration; in Japan bleiben wir angesichts der Normalisierung der Geldpolitik weiterhin vorsichtig. Im Bereich Unternehmensanleihen sind wir weiterhin auf Basis der Gesamtrendite konstruktiv eingestellt und bevorzugen globale Investment-Grade-Anleihen, während wir unsere Position in europäischen Investment-Grade-Anleihen leicht reduzieren.

·      Aktien: Wir konzentrieren uns weiterhin auf widerstandsfähige, nicht von Disruptionen betroffene Geschäftsmodelle und Bilanzwachstum. Strategisch bestätigen wir eine vorsichtige Haltung gegenüber den USA angesichts hoher Bewertungen und Konzentrationsrisiken. Wir behalten unsere langfristig positive Einschätzung für Europa bei, das hinsichtlich der Gewinne und der Bemühungen um strategische Autonomie attraktiv erscheint. In Bezug auf Japan sind wir angesichts angemessener Bewertungen, robuster Rentabilität, Aktienrückkäufe, wachstumsfördernder Maßnahmen und bemerkenswerter Governance-Reformen positiver gestimmt. In den Schwellenländern bietet Lateinamerika Chancen zur Diversifizierung über den Technologiesektor hinaus.

·      Anlageklassen-übergreifend: Im Multi-Asset-Bereich behalten wir eine risikofreudige Haltung bei, bevorzugen jedoch Carry-Strategien, Selektivität und regionale Diversifizierung gegenüber starken Trendpositionen. Bei Aktien bleibt es in den USA durch den S&P 500 Equal Weight-Index sowie eine gleichmäßige Allokation in den S&P 500-Index bei unserer ausgewogenen Haltung. Wir bekräftigen unsere positive Einschätzung für Europa. Im Währungsbereich bevorzugen wir weiterhin Schwellenländerwährungen mit höherem Carry. Bei den Rohstoffen haben wir unser Engagement in Gold erhöht. Dies spiegelt das günstige Umfeld aufgrund von Käufen durch Zentralbanken, geopolitischer Unsicherheit und Bedenken hinsichtlich der Schuldentragfähigkeit wider.

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Quelle: Amundi. Sofern nicht anders angegeben, Stand: 09.09.2026. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen. Herausgeber: Amundi Deutschland GmbH, Arnulfstraße 124–126, D-80636 München. Die Informationen wurden mit der im Geschäftsverkehr erforderlichen Sorgfalt zusammengestellt und entstammen Quellen, die Amundi Asset Management zum Zeitpunkt der Veröffentlichung für zuverlässig hält. Amundi Asset Management übernimmt keinerlei Haftung für jedwede Fehler oder Versäumnisse und schließt ausdrücklich jegliche Haftung für jedwede Fahrlässigkeit und Vorsatz aus. Dies gilt neben dem Empfänger dieser Informationen auch gegenüber weiteren Personen, die diese Informationen möglicherweise verwenden. Der Ausschluss der Haftung bezieht sich auf sämtliche Verluste sowie unmittelbare Schäden und Folgeschäden.

Finanzen / Bilanzen / Anleihen / Aktien / Zentralbanken / US-Finanzministerium / Bank of Japan
[pressebox.de] · 11.09.2026 · 08:33 Uhr
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