Energy Sharing – Gut gemeint, aber wirtschaftlich eher ein Nullsummenspiel?
Ein Kommentar von Michael Hett, SCM energy GmbH
Salzwedel/OT Pretzier, 09.06.2026 (PresseBox) - Seit dem 1. Juni ist es offiziell: Das neue „Energy Sharing“ soll es privaten Photovoltaik-Betreibern erleichtern, überschüssigen Solarstrom unkompliziert an die Nachbarschaft zu verkaufen. Die bürokratischen Hürden, die Privatleute bisher wie gewerbliche Stromlieferanten behandelten, fallen weg. Das klingt im ersten Moment nach einer echten Revolution für die Energiewende. Doch wer die rosarote Brille abnimmt und nachrechnet, merkt schnell: Das Modell hat einen gewaltigen Haken.
In der Realität fließt der Strom nämlich nicht über ein simples Kabel über den Gartenzaun, sondern rein virtuell durch das öffentliche Netz. Und genau hier beginnt der bürokratische und finanzielle Dämpfer.
Trotz aller Erleichterungen müssen Betreiber und Nachbarn weiterhin Verträge schließen und sich mit dem lokalen Netzbetreiber koordinieren. Da die Sonne zudem selten genau dann scheint, wenn der Nachbar kocht oder wäscht, benötigt dieser ohnehin weiterhin einen regulären Reststromvertrag bei einem klassischen Versorger. Technisch setzt das Ganze zudem eine viertelstündliche Messung über intelligente Messsysteme (Smart Meter) auf beiden Seiten voraus. Zwar gibt es heute moderne Energiemanagementsysteme, die diese komplexen Datenströme im Hintergrund völlig dezent und vollautomatisch verwalten können – die Technik ist also bereit. Aber ist es auch die Wirtschaftlichkeit?
Ich wage das stark zu bezweifeln. Da der Strom über das öffentliche Netz geleitet wird, fallen dafür auch weiterhin Netzentgelte und Abgaben an. Der finanzielle Spielraum zwischen den Herstellkosten des Solarstroms und dem normalen Marktpreis ist dadurch extrem eng. Wenn man den immensen vertraglichen Aufwand, das Risiko und die Gebühren gegenrechnet, bleibt am Ende des Monats kaum ein nennenswerter Gewinn für den Anlagenbetreiber respektive eine attraktive Einsparung für den Stromabnehmer übrig. Für ein paar Euro Ertrag riskiert man im schlimmsten Fall noch Unstimmigkeiten mit dem Nachbarn.
Mein Fazit: Energy Sharing ist eine nette Idee der EU, wird sich in Deutschland aber vermutlich erst in Jahren – wenn überhaupt – etablieren. Wer finanziell und ökologisch das Maximum aus seiner PV-Anlage herausholen will, fährt heute deutlich besser damit, den Strom im eigenen Haus zu behalten. Über ein intelligentes System wie SCM NE³XT fließt die Energie viel wirtschaftlicher in die eigene Wärmepumpe oder das E-Auto, statt sie auf ein komplexes und kaum rentables Wagnis mit den Nachbarn zu verteilen. Echte Autarkie beginnt eben immer noch in den eigenen vier Wänden.
Wer mehr über das Thema erfahren möchte: SCM energy bietet in der Region Altmark & Wendland sehr interessante Info-Veranstaltungen an. Und das kostenlos und praxisnah.


